Ein neues Jungfraujoch? Auf dem Titlis eröffnet eine Touristenattraktion, welche zur alpinen Ikone werden sollDer Titlis Tower ist ein Hochhaus auf 3000 Metern über Meer. Die Ambitionen sind enorm, doch der Start erfolgt unter schwierigen Vorzeichen.29.05.2026, 15.07 Uhr4 LeseminutenHoch hinaus: Der Eintritt auf das «Horizon Deck» kostet 19 Franken - zusätzlich zum Bergbahnticket.Urs Flüeler / KeystoneZwischen Felsen, Gletscher und einer Baustelle eröffnet kommende Woche ein neues Schweizer Wahrzeichen. Das zumindest erhoffen sich die Verantwortlichen der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis. Auf 3000 Metern haben sie in den letzten drei Jahren von den Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron einen alten Richtstrahlturm aus PTT-Zeiten zu einer der spektakulärsten Aussichtsplattformen der Alpen umbauen lassen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Titlis Tower ist ein hochalpines Hochhaus. Die Aussichtsplattform namens «Horizon Deck» auf 72 Metern Höhe bietet Richtung Süden Blick auf die Zentralschweizer, Berner und Bündner Alpen. Richtung Norden sieht man auf das Mittelland bis zum Jura. Unter der Aussichtsplattform befindet sich ein Fine-Dining-Restaurant und eine Rolex-Boutique. Selbstredend warten auch die mit einem atemberaubenden Alpenpanorama auf.«Unser klares Ziel war es, eine neue Schweizer Ikone zu schaffen», sagt Norbert Patt, CEO der Titlis-Bahnen. Mit dem Titlis Tower stehe Besuchern nun ein touristisches Highlight zur Verfügung, das sich durchaus mit dem Jungfraujoch im Berner Oberland messen könne.Völlig neu ist die Optik des Gebäudes jedoch nicht. Wer den Titlis kennt, etwa vom Skifahren, dürfte den alten Turm wiedererkennen. Die Architekten haben die metallische Optik beibehalten und zwei quer zueinanderliegende Balken dazwischen geschoben. «Wie beim Jenga-Spiel», sagt Architekt Pierre de Meuron bei einer Besichtigung mit Journalisten. Nun erinnert der Turm von Weitem an einen kleinen Roboter, manche sagen auch an das Schweizer Kreuz.Die Bauarbeiten auf 3000 Metern waren eine logistische Herausforderung. Vieles musste vorgefertigt werden, da schweissen auf dieser Höhe wegen des geringen Sauerstoffgehalts schwierig ist. Da die Arbeiten bei laufendem touristischem Betrieb stattfanden, musste das Material jeweils in der Nacht per Seilbahn rauf und runter transportiert werden.Kalbsschwanz-Ravioli und Zander-Ceviche: Das Restaurant Joseph's eröffnet am Mittwoch.Urs Flüeler / KeystoneInsgesamt werden 120 000 Tonnen Material bewegt. Denn die Arbeiten halten an. Drei Kräne flankieren derzeit den Turm. Sie bauen die neue Titlis-Bergstation fertig, welche 2029 in Betrieb gehen soll - ebenfalls entworfen von Herzog & de Meuron. Zum Turm kommt man von dort entweder durch einen unterirdischen Tunnel oder über den Gletscher. Insgesamt kostet das Projekt 150 Millionen Franken. Es soll den Tourismus in Engelberg und der Zentralschweiz für die nächsten Jahrzehnte beflügeln.Allerdings kommt die Eröffnung zu einem schwierigen Zeitpunkt: Der Iran-Krieg sorgt für eine Dämpfer bei Übersee-Touristen, vor allem aus Indien und dem Fernen Osten. Die Titlis-Bahnen sahen sich deshalb vor kurzem sogar gezwungen, eine Gewinnwarnung herauszugeben.Auch der Absturz einer Gondel im März, bei dem eine Skifahrerin ums Leben kam, überschattet die Turm-Lancierung. Die Verantwortlichen haben aufgrund des Unglücks, ein Untersuchungsbericht dazu wird im Juni erwartet, sämtliche Eröffnungsfeierlichkeiten abgesagt. Der Titlis Tower startet nun also mit einem «Soft Launch».Baustelle bei laufendem Betrieb: Ab kommender Woche können Touristen in den Turm.Urs Flüeler / KeystoneUnd schliesslich schien es in den letzten Jahren so, als seien Teile der Schweizer Bevölkerung sich des boomenden Tourismus im Land überdrüssig. Die Overtourismus-Diskussion wird besonders in der Zentralschweiz intensiv geführt.Auch die Titlis-Bahnen setzen auf hohe Frequenzen. Dank dem neuen Wahrzeichen rechnen sie bis im Jahr 2035 mit rund 1,5 Millionen Gästen, vor allem aus dem Ausland. Besucher aus der Schweiz machen etwa ein Drittel davon aus.Norbert Patt macht sich jedoch keine Sorgen, dass sein «Generationenprojekt» von der lokalen Bevölkerung abgelehnt werden könnte. «Tourismus wird dann von der Bevölkerung akzeptiert, wenn er für die Einheimischen nicht zur Belastung wird, sondern einen Mehrwert für alle generiert.» Genau das habe man im Sinn gehabt: Eine Attraktion zu schaffen, die sich nahtlos ins bestehende Angebot einfügt.Der Titlis ist eine Ganjahres-Destination. Aktuell verzeichnet der Titlis rund 1,2 Millionen Besucher pro Jahr. Bis 2035 sollen es 1,5 Millionen werden. Billig ist der Spass für die Besucher jedoch nicht. Im Winter kommt man mit dem Skipass hoch, er unterliegt dynamischen Preisen. Wer nur auf die Aussichtsplattform will, zahlt 19 Franken - zusätzlich zum Bergbahnticket, welches im Vollpreis 102 Franken kostet. «Am billigsten weg kommen Schweizer mit einem Halbtax», sagt Norbert Patt. Dann schlägt das ganze Erlebnis mit noch rund 70 Franken pro Person zu Buche.«Wir sehen weltweit: Der Tourismus boomt eigentlich nur in Premium-Destinationen», sagt Norbert Patt. Und so eine soll auch der Titlis Tower sein. Das wird klar, wenn man die Rolex-Boutique im sechsten Stock betritt. Hierhin will die Genfer Luxus-Uhrenmarke ihre besten Kunden einladen. Der Laden strahlt Extravaganz aus. Ein Verantwortlicher versichert , dass man vor Ort auch «ein Kontingent an Uhren zum Verkauf» habe. Für ganz normale Kunden also, die spontan zugreifen wollen.Das Edel-Restaurant Josephs wiederum wartet mit Kreationen wie Kalbsschwanz-Ravioli und Zander-Ceviche auf. Rösti und Wurst-Käse-Salat, wie in anderen Bergrestaurants, sucht man hier vergebens.Trotz Luxusuhren und Fine Dining: Das wichtigste Verkaufsargument des Titlis Tower sind die Alpen. Bei schönem Wetter ist die Aussicht wahrlich ein Spektakel. Kaum vorstellbar, dass die Attraktion kein Erfolg werden wird.Erinnert an einen Roboter: Der neue Titlis Tower.URS FLUEELER / KEYSTONEPassend zum Artikel
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