Patrick Franziska hatte in diesen Tagen öfter Gelegenheit, ein wenig zurückzuschauen. Mit 33 Jahren ist es natürlich viel zu früh, eine große Lebensbilanz zu ziehen. Doch wenn man wie Franziska Tischtennis-Profi ist, ticken die Uhren sehr viel schneller. Und sobald dann im fortgeschrittenen Sportleralter der vielleicht größte Meilenstein ansteht, ist es nur natürlich, sich den Weg noch einmal anzuschauen, der ihn dorthin geführt hat.An diesem Samstag und Sonntag von jeweils 13 Uhr an findet in der Ballsporthalle das Finalturnier der Tischtennis-Bundesliga statt. Die vier besten Vereine der Saison kämpfen im Halbfinale und dem Endspiel um den Meistertitel. Dem 1. FC Saarbrücken TT, dem Franziska angehört, kann das erste Triple der Vereinsgeschichte mit den drei Titeln im Pokal, der Champions League und der Meisterschaft gelingen.„Ich bin 2016 nach Saarbrücken gekommen, da habe ich schon viel mitgemacht“, erinnert sich Franziska. „Wenn mir das damals jemals gesagt hätte, dass das Triple möglich ist, hätte ich das sofort unterschrieben.“ 2020 wurde er mit Saarbrücken Meister, das bisher einzige Mal. „Wir haben Titel gewonnen, ja, aber es gab auch harte Niederlagen.“ Und die besonders harten gab es meistens gegen Borussia Düsseldorf, angeführt von Timo Boll, dem herausragenden deutschen Spieler.Rückschläge steckt Patrick Franziska wegFranziska gelang es oft, gegen den Ausnahmespieler Boll zu gewinnen. Nur verlor seine Mannschaft meist trotzdem. Auch in der Nationalmannschaft musste Franziska lange Zeit zurückstecken, denn ein Platz war jahrelang für Boll reserviert. Zuletzt blieb Franziska bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 nur die Reservistenrolle, denn Boll bekam mit 43 Jahren seinen olympischen Abschiedsauftritt im deutschen Team.Geschluckt hat Franziska seine Kröten immer. Das Bodenständige, seine Resilienz, wie auch sein Faible für Tischtennis, hatte er von seiner Familie mitbekommen. Geboren in Bensheim an der Bergstraße, lernte er beim TSV 1875 Höchst im Odenwald den Umgang mit Ball und Schläger. „Ich hatte bisher wirklich viel Glück im Leben und habe immer zur rechten Zeit die richtigen Leute gefunden, die mich begleitet und gefördert haben. Überhaupt hat mich meine Familie begleitet und getragen“, sagt Franziska, mittlerweile selbst zweifacher Familienvater.Die Geduld, die er in seiner sportlichen Laufbahn mitbrachte, zahlt sich inzwischen aus. Er schaffte es schon in die Top Ten der Weltrangliste, gehört weiterhin zu den besten Spielern der Welt. Und in dieser Saison spielte Franziska in Saarbrücken an der Seite des chinesischen Superstars Fan Zhendong.Der Olympiasieger sorgte mit seinen Auftritten für ein Beben in der Tischtennis-Bundesliga und zog die Fans in nie dagewesenen Scharen in die Hallen. Hunderte reisten gar aus China an, um einen Blick zu erhaschen auf einen der besten Tischtennisspieler aller Zeiten. „Spieler wie ihn gibt es nicht oft“, sagt Franziska, „ich habe wirklich jedes Training mit ihm genossen, er ist ein toller Typ.“So oder so wird es ein Abschied an diesem Wochenende, denn Fan Zhendong wechselt zur kommenden Saison ausgerechnet zu Borussia Düsseldorf. Boll soll im Hintergrund die Überzeugungsarbeit geleistet haben. Umso mehr will Saarbrücken jetzt diesen Titel, dieses Triple mit Fan Zhendong. „Wir sind alle sehr heiß und motiviert“, betont Franziska. Aber ein Selbstläufer wird die Titeljagd nicht. „Ich hoffe, dass wir uns in die Geschichtsbücher eintragen können.“