Schwerster Vorfall seit Kriegsbeginn: Russische Drohne stürzt auf Wohnhaus in RumänienIm rumänischen Grenzgebiet kommt es immer wieder zu Luftraumverletzungen durch russische Drohnen. Der Vorfall in Galati an der Donau hat aber eine neue Qualität.29.05.2026, 12.04 Uhr3 LeseminutenRumänische Sicherheitsbehörden untersuchen nach der Löschung des Brandes im mehrstöckigen Wohnhaus die Einschlagstelle der russischen Drohne.George Calin / Inquam PhotosBei Zwischenfällen mit Drohnen auf Nato-Gebiet stand in den vergangenen Wochen das Baltikum im Fokus. Doch auch an der südlichen Ostflanke der Verteidigungsallianz schwappt Russlands Krieg gegen die Ukraine immer wieder über die Grenze.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In der Nacht auf Freitag ist eine russische Drohne in der rumänischen Stadt Galati auf ein zehnstöckiges Wohnhaus gestürzt. Die Detonation des Sprengkopfs löste einen Brand aus. Zwei Personen wurden leicht verletzt. 70 Bewohner des Wohnblocks wurden nach dem Einschlag evakuiert.Häufige Drohneneinschläge im GrenzgebietDie Stadt Galati mit ihrem grossen Stahlwerk und dem wichtigen Donauhafen befindet sich unweit des Dreiländerecks zwischen Rumänien, der Moldau und der Ukraine. Drohneneinschläge im rumänischen Grenzgebiet zur Ukraine sind keine Seltenheit. Seit Kriegsbeginn gab es laut dem Verteidigungsministerium 47 solche Vorfälle. Der letzte ereignete sich vor zwei Wochen.Russland greift regelmässig die ukrainischen Donauhäufen von Reni und Ismajil an, die unmittelbar an rumänisches Territorium grenzen. Dabei kommt es, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, öfter auch zu Verletzungen des rumänischen Luftraums, oder Trümmer abgeschossener Drohnen gehen jenseits der Grenze nieder.In dicht besiedeltem Gebiet gab es in Rumänien aber noch nie einen Einschlag einer russischen Drohne, erst recht nicht eines unbeschädigten Fluggeräts mit intaktem Sprengkopf. Der Vorfall in Galati ist der schwerwiegendste für das Land seit Kriegsbeginn.«Kein gezielter Angriff auf Rumänien»Einige rumänische Medien stellten einen Zusammenhang her zwischen dem Drohneneinschlag und einer Äusserung des russischen Botschafters in Bukarest, Wladimir Lipajew, am Tag zuvor. Wie andere europäische Regierungen hatte das rumänische Aussenministerium Lipajew wegen Russlands Ankündigung von Angriffen auf das Zentrum von Kiew einbestellt.Danach veröffentlichte die russische Botschaft eine Stellungnahme, worin Rumänien ermahnt wurde, nicht leichtfertig das Leben seiner Bürger zu gefährden. Zudem wurde Bukarest aufgefordert, die Unterstützung der Ukraine einzustellen.Das rumänische Verteidigungsministerium erklärte am Freitagmorgen, dass Russland die volle Verantwortung für den Vorfall in Galati trage. Es handle sich dabei aber nicht um einen gezielten Angriff auf Rumänien, sondern um eine «Folge des Krieges in der Ukraine».In der Nacht auf Freitag hatte Russland erneut die ukrainischen Donauhäfen angegriffen. Bei der Drohne handelt es sich um ein Fluggerät des Typs Geran-2, der russischen Variante der iranischen Shahed-Drohne.Bedingte EinsatzbereitschaftUnabhängig davon, ob es sich um eine gesuchte Provokation durch Russland oder nur die Inkaufnahme einer solchen handelt, wirft der Vorfall erneut ein Schlaglicht auf die Bereitschaft Rumäniens, auf die Gefahr durch russische Drohnen zu reagieren. Nachdem ein Radar die eindringende Drohne erfasst hatte, stiegen zwei rumänische Kampfflieger des Typs F-16 sowie ein Militärhelikopter auf. Kurz vor dem Einschlag verschwand das Fluggerät aber wieder von den Radarschirmen.Die Piloten waren laut dem Verteidigungsministerium zum Abschuss berechtigt, die Zeit habe hierfür aber nicht ausgereicht. Im Grenzgebiet müsse die Armee zudem die Situation in den Nachbarländern berücksichtigen. Wann eine Drohne abgeschossen wird, sorgte in Rumänien bereits früher für Diskussionsstoff.Der Leiter der Katastrophenschutzbehörde, Raed Arafat, ermahnte die Bevölkerung, Warnungen der Regierung unbedingt ernst zu nehmen und sich im Falle einer Gefahrenmeldung unverzüglich in Sicherheit zu begeben. Die rumänischen Behörden hatten für Galati eine Warnmeldung verschickt, allerdings nur wenige Minuten vor dem Einschlag.Politische KriseDer nur kommissarisch amtierende Regierungschef Ilje Bolojan stellte am Freitagmorgen auch einen Zusammenhang zur schweren politischen Krise her, in der sich das Land derzeit befindet. Das Land verfügt über keine handlungsfähige Regierung mehr, seitdem die Sozialdemokraten vor drei Wochen die Koalition verlassen und danach ein Misstrauensvotum gegen Bolojan lanciert hatten.Um seine Reaktionsfähigkeit zu verbessern, sei Rumänien dringend auf die Mittel aus dem SAFE-Programm der EU angewiesen, schrieb Bolojan in einer Mitteilung auf Facebook. Die Kommission stellt den Mitgliedsländern vergünstigte Kredite für Rüstungsvorhaben zur Verfügung. In der gegenwärtigen Krise kann das Land aber nicht die hierfür notwendigen Schritte unternehmen.Die Sozialdemokraten hatten den Austritt aus der Regierung mit Bolojans Reformpolitik begründet. Viele Beobachter sprachen von einem verantwortungslosen Manöver. Angesichts des rekordhohen Haushaltsdefizits, des höchsten in der EU, sind Reformen alternativlos.Ausserdem spannten die Sozialdemokraten beim Misstrauensvotum mit der ultranationalistischen AUR-Partei zusammen, der in Umfragen mit Abstand stärksten Kraft. Alle Versuche, eine neue prowestliche Regierungsmehrheit zu bilden, sind bisher gescheitert. Wie der Vorfall in Galati gezeigt hat, stellt die politische Krise für Rumänien auch ein Sicherheitsrisiko dar.Passend zum Artikel
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