Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat angekündigt, dass Israel weitere Gebiete im Gazastreifen erobern werde. Das widerspräche dem Gaza-Plan des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, durch den im Oktober vergangenen Jahres eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas erreicht wurde.Der Vereinbarung zufolge sollten 53 Prozent des palästinensischen Gebiets vorübergehend unter israelischer Besatzung stehen. In einer zweiten Phase sollte sich die Armee weiter zurückziehen. Netanjahu sagte Medienberichten zufolge indessen am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung in der Siedlung Kfar Adumim, die Armee kontrolliere inzwischen 60 Prozent des Gebiets. Er habe die Anweisung gegeben, „weiterzugehen“, fügte er hinzu, auf 70 Prozent.Auf einen Zwischenruf eines Zuhörers mit der Forderung, Israel solle hundert Prozent des Gazastreifens kontrollieren, antwortete der Regierungschef: „Zunächst einmal siebzig. Fangen wir damit an.“ Israel setze die Hamas von allen Seiten unter Druck. „Um die Überreste kümmern wir uns später.“Israelische Armee weitet Kontrolle ausSchon kurz nach dem Beginn der Waffenruhe gab es Berichte, wonach die israelische Armee die „gelbe Linie“, welche ihr Kontrollgebiet von demjenigen der Hamas trennt, eigenmächtig ausweitet. Die Hamas beschuldigt Israel, es breche die Vereinbarung auch in anderen Punkten, etwa durch fortgesetzte Luftangriffe oder die Begrenzung von Hilfslieferungen.Das Gesundheitsministerium im von der Hamas kontrollierten Teil des Gazastreifens teilte am Donnerstag mit, in den vorausgegangenen zwei Tagen seien 16 Menschen durch israelische Angriffe getötet worden; 39 seien verletzt in Krankenhäuser eingeliefert worden. Seit dem Beginn der Waffenruhe sind demnach mehr als 920 Menschen durch israelische Angriffe getötet worden. Auch am Donnerstag wurden weitere Attacken gemeldet.Am Dienstagabend tötete die Armee durch einen Luftschlag den Hamas-Kommandeur Muhammad Odeh. Er war laut Angaben der Armee erst zwei Wochen zuvor zum neuen Kommandeur des militärischen Flügels der Hamas im Gazastreifen ernannt worden.Israel will „freiwillige Ausreise“ fördernUmgekehrt wirft Israel der Hamas vor, die Waffenruhe durch Angriffe und Angriffsvorbereitungen zu brechen. Damit rechtfertigt die israelische Armee auch ihre eigenen Attacken. Selbst in ihren Mitteilungen werden gezielte Tötungen wie diejenige Odehs aber immer weniger konkret begründet. So wies die Armee im Fall des Hamas-Kommandeurs vor allem auf seine Rolle in der Vergangenheit hin, etwa beim Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 oder im Gazakrieg. Mit Blick auf eine konkrete Bedrohung, die von ihm ausgegangen wäre, hieß es lediglich, seine Tötung sei „ein schwerer Schlag“ für die „Rehabilitationsbemühungen“ der Hamas.Zur fortgesetzten Erosion der Waffenruhe kommen nun auch wieder schärfere Töne vonseiten der israelischen Regierung, wie die Ankündigung Netanjahus. Verteidigungsminister Israel Katz hatte am Mittwoch schon gesagt, Israel halte weiter an dem Plan fest, die „freiwillige Ausreise“ der Menschen im Gazastreifen zu fördern – eine euphemistische Umschreibung für die Vertreibung der Bewohner. Dies werde „zur richtigen Zeit und in der richtigen Art und Weise“ erfolgen, fügte Katz hinzu.Netanjahu und Katz stehen an anderen Fronten unter verstärktem Druck, etwa in Libanon, wo die Hizbullah der israelischen Armee weiter mit kleinen, mit Sprengstoff beladenen Drohnen zusetzt. Zudem könnte es eine Vereinbarung zwischen Trump und der iranischen Führung geben; für Israels Ambitionen der Einhegung Irans würde das einen Rückschlag bedeuten. In Israel selbst steht im Herbst die Wahl des Parlaments an, in der Netanjahu um den Machterhalt kämpfen muss. Der Ministerpräsident könnte daher verstärkt darauf setzen, auf militärischem Gebiet zu punkten.
Netanjahu: Israel will Kontrolle im Gazastreifen ausweiten
Die israelische Armee kontrolliert bereits 60 Prozent des Gazastreifens. Nun hat Benjamin Netanjahu angekündigt, die Armee werde weitere Teile erobern.














