PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungNationalmannschaftLieber Bratpfanne als BundestrainerStand: 07:54 UhrLesedauer: 2 MinutenDie Playmobil-Elf, angeführt vom Bundestrainer (rechts). Neben ihm: Jonathan Tah und mit Oliver Baumann im TorQuelle: picture alliance/dpa/Daniel KarmannDie Perspektiven der deutschen Nationalmannschaft bei der bald beginnenden WM werden als nicht sonderlich rosig eingestuft. Bei einem deutschen Discounter spiegelte sich das in dieser Woche. Die Spieler waren billig zu haben.Der Discounter Lidl hat ja in der Regel ein recht gutes Gespür für den Pulsschlag der Deutschen. Die Butter erreicht den Gegenwert von einem Liter Superbenzin und das Gestöhne darüber deutet auf eine Kundenrevolte hin? Dann sind sie in Neckarsulm gern mal Supermarkt-Vorreiter, und der Preis schmilzt schneller als ein Butterblock in der Mikrowelle bei 800 Watt. Eventuell kommt deswegen nicht von ungefähr, dass in dieser Woche die deutschen Nationalspieler unter der unverbindlichen Preisempfehlung angeboten wurden. Minus 20 Prozent. Lidl hatte die deutsche Playmobil-Elf als Aktionsware aufgeboten.Weil aber der Kunde nun mal nicht nur König, sondern auch Fan ist, er und die Nationalmannschaft aber aktuell wenig Liebe füreinander haben, ist diese Preisreduzierung auch wie ein Spiegel der deutschen Seele: Lidl lohnt sich zwar, aber es wird der DFB-Elf nicht mehr allzu viel abgekauft. Joshua Kimmich für 3,99 Euro, so in etwa. Mehr ist nicht drin. Leroy Sané ist nicht mal eine Playmobil-FigurDa braucht sich der Bundestrainer auch nicht zu wundern. Wer einen deutschen Spätburgunder in den Einkaufswagen packt, der sich zu Hause am Abend vor dem Fernseher aber als lieblos zusammengepanschter Traubensaft herausstellt, schreckt nun mal mehr ab, als dass es schmeckt. Wenn dazu noch der letzte WM-Einzug einer deutschen Mannschaft in die K.-o.-Runde aus dem Juni 2014 datiert und der nominierte Sané nicht mal eine Playmobil-Figur ist, stattdessen aber der aussortierte Mittelstädt einem mit Plastiklächeln aus dem Regal entgegenstrahlt, dann ist schlichtweg etwas in Unordnung geraten.Da hilft es auch nicht, dass Julian Nagelsmann Lidl-Plus-Botschafter ist. Vertrauen muss erst wieder erspielt werden, wie jeden Tag beim Frischfleisch. Derweil kann jeder die Pfanne bei Lidl kaufen, für die Andre Agassi beim Discounter wirbt. Hat man in diesem Sommer eventuell mehr Spaß mit.Lesen Sie auchPatrick Krull ist Sportredakteur der WELT. In seinem Wohnort ist der vormals schon sehr einladende Lidl-Markt gerade wieder komplett umgebaut worden. Insbesondere die neuen Selbstscanner-Kassen empfindet er als größten Gewinn seit dem WM-Titel 2014.