Es gibt Sätze in Antworten an die Presse, die mehr verraten als alles, was sie ausdrücklich sagen. Einer dieser Sätze findet sich in dem Schreiben, das das Pressereferat des Berliner Abgeordnetenhauses auf einen 14 Fragen umfassenden Katalog dieser Redaktion übermittelt hat.

Auf die Frage, weshalb die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld (CDU), am Abend des 3. Januar 2026 den Kontakt zur Bundeswehr hergestellt habe – obwohl ihre Aufgaben verfassungsrechtlich und geschäftsordnungsmäßig auf die Leitung des Parlaments beschränkt sind –, heißt es lediglich, sie sei „zu der persönlichen Einschätzung gelangt, dass die Ausrufung der Großschadenslage und in deren Folge die Hinzuziehung der Bundeswehr überwiegend wahrscheinlich waren“.

Daraufhin habe sie „ein informatives Telefonat mit der Bundeswehr und mit dem Regierenden Bürgermeister“ geführt.

Es ist eine bemerkenswerte Konstruktion. Eine Parlamentspräsidentin, die aus eigener Wahrnehmung im heimischen Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf zu der Erkenntnis gelangt, dass die Bundeswehr hinzugezogen werden müsse, und sich dann selbst ans Telefon setzt – nicht etwa, um den Innensenator, den Chef der Senatskanzlei oder den Regierenden Bürgermeister auf den vorgeschriebenen Dienstweg zu verweisen, sondern um die Streitkräfte gleich selbst zu kontaktieren. Es ist eine Antwort, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet.