Es beginnt am Fahrkartenautomaten. Der Bus fährt in drei Minuten, der Fahrgast hält einen 20-Euro-Schein hin und wird abgewiesen. Nicht weil er kein Geld hat. Sondern weil sein Geld nicht mehr gilt. In Stuttgart, Dortmund und Düsseldorf gehen Nahverkehrsbetriebe zunehmend dazu über, Banknoten und Münzen nicht mehr anzunehmen. Die kommunalen Schwimmbäder in Stockach oder Witzenhausen bestehen auf Karte. Die Deutsche Bundesbank stellte 2025 fest, dass in acht von 30 untersuchten Bürgerbüros, Kfz- und Fahrerlaubnisstellen keine Barzahlung mehr möglich ist.
„Der Staat lehnt zunehmend sein eigenes Zahlungsmittel ab“, resümiert Hansjörg Stützle und meint das nicht als Metapher. Stützle ist einer der Initiatoren der Petition „Bargelderhalt“, die inzwischen über 350.000 Unterschriften gesammelt hat. Ende Mai schleppten er und sein Mitstreiter Hakon von Holst 18 Stapelkisten davon nach Straßburg, ins Herz des EU-Parlaments, um eine einfache Forderung vorzutragen: Münzen und Scheine sollen im Recht gleichgestellt werden mit dem geplanten digitalen Euro. Was banal klingt, hat eine scharfe politische Schneide.
Im Währungsausschuss des Europäischen Parlaments, der am 23. Juni über die Zukunft beider Zahlungsmittel abstimmt, stehen zwei Welten gegenüber. Einmal eine physische, anonyme, infrastrukturunabhängige Welt aus Kupfer und Papier und eine digitale, jederzeit rückverfolgbare, verwaltbare und theoretisch sperrbare Welt aus Daten. Im Endeffekt nur aus Nullen und Einsen. Dass diese Gegenüberstellung keine technische, sondern eine politische ist, zeigen die vergangenen Jahre mit erschreckender Deutlichkeit.







