„Nur mit uns“, lautet die Unterzeile des Wahlprogramms der CDU in Sachsen-Anhalt, das sie am 13. Juni in Dessau beschließen will. Ihrem Ministerpräsidenten Sven Schulze, der erst seit vier Monaten im Amt ist und im September bereits die Landtagswahl vor der Brust hat, will die Partei dabei die größtmögliche Bühne und ungeteilte Aufmerksamkeit bieten.Das Motto des Wahlprogramms passt aber auch zum Programm des Landesparteitags. Denn neben Spitzenkandidat Schulze sind als Topredner lediglich sein Generalsekretär Mario Karschunke sowie der Landrat André Schröder angekündigt. Auftritte von CDU-Parteichef Friedrich Merz oder von anderer Parteiprominenz aus Berlin werde es nicht geben, bestätigt eine Sprecherin auf Tagesspiegel-Anfrage. Ausgerechnet im vielleicht entscheidenden Wahlkampf gegen die AfD, in dem die CDU aktuell 15 Prozentpunkte hinterherhinkt, will Schulze „nur mit uns“ Erfolg haben.Seit Wochen wird immer deutlicher, dass sich Schulze im Wahlkampf gegen seine Parteifreunde im Bund in Position bringt. Vor zwei Wochen tadelte er bereits öffentlich Merz’ Kommunikation: „Der Kanzler hat mit seiner Bundesregierung eine Erwartungshaltung geschürt, die nicht eingehalten wurde!“, tadelte der Ministerpräsident auf NTV.Besonders sauer war Schulze über die Äußerungen von Merz, die gesetzliche Rentenversicherung könne „allenfalls noch die Basisabsicherung“ sein: „Das kam wirklich nicht gut an in Ostdeutschland!“ Rund 80 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt würden ausschließlich Rente vom Staat beziehen. „Deswegen ist es notwendig, dass man genau überlegt, was man wie sagt“, sagte Schulze.Wir müssen aufhören, permanent aus Berlin Streitigkeiten zu diskutieren.CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze kritisiert die Parteifreunde in Berlin.Doch nicht nur inhaltlich übt der 46-Jährige Kritik. Immer deutlicher macht er die Performance der schwarz-roten Bundesregierung für die miesen Umfragewerte in Sachsen-Anhalt verantwortlich. „Wir müssen aufhören, permanent aus Berlin Streitigkeiten zu diskutieren“, kritisierte Schulze am Donnerstag bei „Phoenix“.Tatsächlich werden die miesen Umfragewerte von Merz – 86 Prozent der Befragten im Deutschlandtrend waren zuletzt unzufrieden mit der Arbeit der Regierung – zum Problem für die CDU-Wahlkämpfer in Magdeburg, Schwerin und Berlin. Wer möchte sich schon Wahlkampfunterstützung von einem extrem unbeliebten Regierungschef holen? Schulzes Kurs stößt auf Skepsis Doch Schulzes Distanzierung von der Bundespartei kommt in der CDU nicht gut an. „Bisher ist kein Wahlkämpfer der CDU erfolgreich gewesen, indem er sich von der Bundespartei abgewendet hat“, sagt ein wichtiger ostdeutscher CDU-Politiker dem Tagesspiegel und erinnert an Julia Klöckner und Tobias Hans, die in Rheinland-Pfalz und dem Saarland Stimmung gegen die damalige CDU-Kanzlerin Angela Merkel machten und „mit diesem Kurs krachend gescheitert“ seien.Bis zum Wahltag sind alle ruhig, denn alles versammelt sich hinter dem Ziel, weiterhin die Landesregierung anzuführen.Ein ostdeutscher CDU-Politiker kritisiert den Wahlkampf von Sven Schulze.Doch der Spitzenkandidat sei beratungsresistent, heißt es. „Sowohl die andere Farbgebung im Wahlkampf als auch die Themensetzung stammen am Ende aus seiner Feder. Seine Berater sind externe Agenturen“, klagt der ostdeutsche CDUler. Er beobachtet, dass die parteiinterne Kritik an Schulze zugenommen hat.„Ihm wird Selbstdarstellung auf Kosten der Gesamtpartei vorgeworfen. Die größte Kritik ist, dass er nicht die Breite der Partei in Sachsen-Anhalt ausspielt. Bis zum Wahltag sind alle ruhig, denn alles versammelt sich hinter dem Ziel, weiterhin die Landesregierung anzuführen“, sagt der ostdeutsche Konservative, der namentlich nicht genannt werden will.Ganz ohne den Kanzler will Schulze indes auch nicht gegen die AfD ins Rennen gehen. Nach Tagesspiegel-Informationen sind weitere Auftritte mit Merz geplant, auch CSU-Chef Markus Söder und Fraktionschef Jens Spahn sollen im Wahlkampf vorbeischauen. In Dessau dagegen wolle man den Blick auf die Inhalte richten. Ein Besuch des Bundesvorsitzenden würde da nur ablenken.