Vom Tank- zum Werkstatt-Schock: Der Mangel an Schmierstoffen könnte Verbrennerfahrzeuge ausbremsenDer Iran-Konflikt entwickelt sich zur systemischen Schwachstelle der Mobilität: Experten warnen vor Engpässen bei synthetischen Ölen bis 2027. Erste Folgen sind bereits erkennbar.28.05.2026, 13.30 Uhr3 LeseminutenSynthetische Motoröle werden bald teurer, weil Knappheit bei den Rohstoffen herrscht.Manfred Bail / ImagoDie geopolitischen Spannungen im Nahen Osten machen sich nicht nur an der Tankstelle bemerkbar. Sie erreichen nun auch die Werkstätten. Schmierstoffe für Verbrennungsmotoren, deren Verfügbarkeit bisher als gesichert galt, werden zusehends zur Mangelware.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Ursache dafür ist eine gravierende Verknappung bei den Basisölen der Gruppe III, die als Grundstoff für moderne Synthetiköle unerlässlich sind. Nach Einschätzung der Agentur Argus Media, die Märkte für Rohstoffe und andere Güter beobachtet, wird rund ein Drittel der gesamten Rohstoffe für die EU und die USA aus der Golfregion importiert – einem Gebiet, das durch den anhaltenden Konflikt mit dem Iran massiven logistischen Störungen ausgesetzt ist.Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass insbesondere die Serviceabteilungen der Autohändler mit einem gravierenden Mangel an synthetischem Motoröl konfrontiert sind, das für die meisten modernen Fahrzeuge benötigt wird. Die Vorräte des Hauptbestandteils werden voraussichtlich bereits im Juni 2026 zur Neige gehen, und die Krise dürfte bis Mitte 2027 andauern. Erste Engpässe betreffen bereits die Erstbefüllung in der Autoindustrie, wenn Fahrzeuge vom Band laufen.Der Mangel betrifft wichtige Motorölklassen wie 5W-30 und 0W-20, die in Fahrzeugen aus den letzten zehn Jahren verwendet werden, um vor Überhitzung und Motorverschleiss zu schützen.Insbesondere Basisstoffe sind knappExperten wie Gabrielle Twinning von Argus Media sagen, dass die Störung auf eine Kombination von Ursachen zurückzuführen sei:Der Konflikt der USA mit dem Iran hat die Exporte von Basisölen der Gruppe III aus dem Nahen Osten durch die Strasse von Hormuz blockiert. Etwa 15 bis 20 Prozent der weltweiten Kapazität für Gruppe-III-Öle stammen aus den Golfstaaten.Grosse Produktionsstätten im Persischen Golf haben durch Raketenschäden mit monatelangen Ausfällen zu kämpfen. Insbesondere die Shell-Anlage Pearl GTL in Katar, ein globaler Knotenpunkt für Gas-to-Liquid-Basisöle, erlitt gemäss Berichten von Argus Media erhebliche Schäden. Infolge notwendiger Instandsetzungen wird die Fabrik voraussichtlich ein volles Jahr stillstehen. Als tragende Säule der Versorgung beliefert Pearl GTL den europäischen Kontinent mit hochwertigen Schmierstoffen.Südkoreanische Produzenten, die ebenfalls Basisöle der Gruppe III liefern und als Alternativquelle dienen, sind selbst mit Rohölengpässen aus dem Nahen Osten konfrontiert und geben lukrativeren Flug- und Dieselkraftstoffen Vorrang.Kurzfristig gibt es weltweit keine Reserven an Basisölen zur Herstellung von synthetischen Schmierstoffen.Erste Folgen sind bereits erkennbar: Der japanische Autobauer Nissan rationiert die Lieferungen an die Autowerkstätten und -händler auf 55 bis 70 Prozent des Vorjahresvolumens, während Toyota und andere Hersteller ihre Händler anweisen, gewisse akzeptable Ölersatzstoffe zu verwenden.Auch öffentlicher Verkehr und Transportbranche betroffenDramatisch könnten die Folgen eines weiteren drohenden Mangels auch für den gesamten Transportsektor werden: Auf Basisölen der Gruppe II basieren etwa Motoröle für Busse im öffentlichen Verkehr wie auch für Lkw und damit nahezu alle Lieferketten.Die meisten Werkstätten und Autohändler verfügen derzeit über ausreichende Bestände und spüren die Engpässe noch nicht. Sie füllen zudem ihre Lagertanks auf, obwohl mit Preissteigerungen zu rechnen ist, da die Engpässe bis 2027 anhalten dürften.Für die Konsumenten sind die Folgen bald spürbar. Es dürfte aufgrund des knappen Angebots bei Autos mit Verbrennungsmotor zu steigenden Preisen bei Ölwechseln in Werkstätten kommen. Auch der öffentliche Verkehr und Logistikflotten können im schlimmsten Fall Wartungs- und Fahrausfälle erleiden.Der Zeitplan für die Erholung am Markt für Basisöle ist ungewiss: Selbst wenn der Iran-Konflikt heute beendet würde, würde die Wiederauffüllung der Lagerbestände Monate dauern – aus heutiger Sicht bis Mitte nächsten Jahres.Für proaktive Fahrer von Autos mit Verbrennungsmotor empfiehlt sich: Wer in absehbarer Zeit einen Ölwechsel plant oder auf Vorrat kaufen möchte, sollte die Marken- und Viskositätsfreigaben des jeweiligen Autoherstellers im Serviceheft genau prüfen. Gängige, vollsynthetische Produkte sind lokal in Tankstellen, Baumärkten oder direkt in Fachwerkstätten erhältlich.Für die Elektromobilität ist die gegenwärtige Situation bei den mangelnden Synthetikölen für Verbrenner nach dem Anstieg der Treibstoffpreise ein weiterer Anreiz. Der Wechsel vieler Autokäufer zum E-Auto dürfte sich so in den kommenden Monaten weiter beschleunigen.Passend zum Artikel