Eine Leihgabe in der Fondation Beyeler gehörte einst einem jüdischen Kunstsammler. Ist es Raubkunst?Ein schwerwiegender Verdacht zum Ende der grossen Basler Cézanne-Ausstellung: «La montagne Sainte-Victoire» könnte NS-Raubkunst sein. Durch das Bekanntwerden des Falls erleidet das Werk eine erhebliche Wertverminderung.28.05.2026, 05.30 Uhr3 Leseminuten«La montagne Sainte-Victoire» von 1888 gehörte einst dem jüdischen Kunstsammler Gustav Schweitzer.Fondation Beyeler / AusstellungskatalogEs geschah in letzter Minute: Die Cézanne-Ausstellung in der Fondation Beyeler neigte sich dem Ende zu, als im Fall des Aquarells «La montagne Sainte-Victoire» von 1888 der Verdacht auf Raubkunst aufkam. Rein zufällig stiess der in Kalifornien lebende Enkel des jüdischen Kunstsammlers Gustav Schweitzer im offiziellen Werkverzeichnis zu Cézanne auf die Ausstellung in Riehen, wo das Blatt vom 25. Januar bis zum 25. Mai dieses Jahres gezeigt wurde. Dem Werkverzeichnis ist auch zu entnehmen, dass sich die Papierarbeit einst im Besitz seines Grossvaters befand, der vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen musste.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der deutsche Provenienzforscher Willi Korte erachtet das Blatt als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut. Das heisst, dass es sich dabei um ein Werk handelt, das dem einstigen Eigentümer aufgrund seiner Verfolgung durch die Nazis abhandenkam. Korte ist für Gustav Schweitzers Enkel mit der Aufarbeitung der Fluchtgeschichte von dessen Vorfahren beauftragt.Gemäss Korte hätte die Fondation Beyeler bei dem Werk Verdacht schöpfen und entsprechend handeln müssen. Das öffentliche Museum unterliegt den Washingtoner Prinzipien von 1998, zu welchen sich die Schweiz bekannt hat. Diese verpflichten die Kulturinstitutionen zur aktiven Suche nach NS-Raubkunst.Im Kontext der Bührle-SammlungIn der Sammlung Bührle im Zürcher Kunsthaus gibt es ebenfalls ein Werk aus der ehemaligen Sammlung von Gustav Schweitzer: Vincent van Goghs Gemälde «Kopf einer Bäuerin». Das wurde allerdings erst durch den Bericht des Historikers Raphael Gross von 2024 bekannt. Die Stiftung Bührle hatte es unterlassen, die einstigen Besitzverhältnisse des Gemäldes klar zu benennen.Schweitzers Immobilien- und Grundbesitz wurden von den Nationalsozialisten verwertet. Da in den Akten der NS-Behörden keine Kunstsammlung vermerkt wurde, ist zu vermuten, dass Schweitzer auf der Flucht nach Frankreich seine Kunstwerke mitnehmen konnte. Seit seinem Tod 1939 durch Herzversagen ist die Sammlung verschollen.Einige Bilder sollen beim Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg aufgetaucht sein. Rosenbergs Organisation enteignete systematisch Gemälde in deutsch besetzten Ländern wie Frankreich. Der Van Gogh wurde 1941 von Bührle über die Zürcher Galerie Aktuaryus aus einer französischen Sammlung angekauft.Gemäss Angaben der Fondation Beyeler, die sich bei der Prüfung der Leihgabe ebenfalls auf Cézannes Werkverzeichnis berief, wurde das Aquarell 1937 in einer Ausstellung in San Francisco als «ausgeliehen von Dr. G. Schweitzer» gezeigt.Ungefähr zur gleichen Zeit (1938) soll Gustav Schweitzers Frau nach New York und weiter nach Kalifornien emigriert sein, wo sie fortan lebte. Ob sie das Blatt aus Not verkaufen musste, weiss man nicht. Später, das Jahr ist nicht bekannt, befand es sich gemäss Werkverzeichnis in einer Galerie in Los Angeles.Für die Fondation Beyeler ergaben sich aus diesen Informationen keine konkreten Hinweise, dass es sich bei dem Aquarell um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handeln könnte. Daher sah sie keinen Anlass dazu, das Blatt von der Ausstellung auszuschliessen.In amerikanischem PrivatbesitzDas Aquarell befindet sich in Privatbesitz in den USA. Gemäss Leihverträgen kehrt es in diese Sammlung zurück. Die Fondation Beyeler gibt an, dass der Leihgeber über den erhobenen Verdacht informiert werde.Durch das Bekanntwerden des Falls erleidet das Werk eine erhebliche Wertverminderung. In Zukunft wird es wohl kaum ein Museum ausstellen oder ein Auktionshaus auf dem Markt anbieten wollen. Mit dem öffentlich gewordenen Verdacht dürfte der Druck auf den heutigen Besitzer wachsen, eine Lösung mit Gustav Schweitzers rechtlichen Nachkommen zu finden.Passend zum Artikel
Cézanne in der Fondation Beyeler: Verdacht auf Raubkunst
Ein schwerwiegender Verdacht zum Ende der grossen Basler Cézanne-Ausstellung: «La montagne Sainte-Victoire» könnte NS-Raubkunst sein. Durch das Bekanntwerden des Falls erleidet das Werk eine erhebliche Wertverminderung.






