Meinung
Obwohl die Region am stärksten von der Schliessung der Strasse von Hormuz betroffen ist, lassen die asiatischen Börsen alle anderen Indizes hinter sich. Das liegt hauptsächlich an den Halbleiteraktien, die bisher jeden Ansatz zur Blasenbildung neutralisiert haben. Die asien-pazifischen Länder seien von der gestörten Versorgung mit Energie und Energiederivaten als Folge der Schliessung der Strasse von Hormuz am meisten betroffen, heisst es.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das mag so sein. Die Schlussfolgerung, dass die asiatischen Aktienmärkte darunter besonders leiden würden, war dann aber zumindest voreilig.Regional betrachtet sind die stärksten Märkte in Asien-Pazifik zu finden – das zumindest suggerieren populäre Indizes. Bei genauem Hinschauen sieht man jedoch, dass es nicht ausreicht, aufgrund der verfügbaren Indizes eine Meinung zu einem bestimmten Markt zu bilden.Wie gut ist Japan wirklich?Der Nikkei ist über 52 Wochen mit Abstand der stärkste Index der hochindustrialisierten Länder. In dieser Zeit hat er 71,6% zugelegt. Seit dem 27. Februar ist er um 10,7% gestiegen.In den letzten 52 Wochen hat der Topix lediglich 40,7% gewonnen, beim Topix 100 waren es 38,6%. Beide Indizes haben sich seit dem 27. Februar kaum verändert.Stärker als der Nikkei sind nur 24,4% seiner Konstituenten, und nur 21% der Topix-Mitglieder sind stärker als der Nikkei.Von den 3352 in Japan gehandelten Aktien schneiden über 52 Wochen nur 13,4% besser ab als der Nikkei. Die relativ starken Aktien stammen allesamt aus den starken MSCI-Sektoren Energy, Utilities, Financials, Information Technology und Industrials.Die Performance über 52 Wochen von Nikkei, Topix und Topix 100 ist selbst währungsbereinigt deutlich besser als die des MSCI Welt. Doch die enormen Divergenzen zwischen dem Nikkei 225 und den beiden Topix-Messlatten erinnern daran, dass Messlatten für einen Aktienmarkt abhängig von ihrer Berechnungsart und Zusammensetzung sind. Letztlich sagen sie nicht alles aus, was man über einen Markt wissen sollte, um über ihn eine fundierte Meinung zu bilden.Der japanische Aktienmarkt bietet meines Erachtens weiterhin überdurchschnittlich viele Chancen und enthält hoch liquide Titel, die aber meistens stärker schwanken als solche aus vergleichbaren Märkten in Nordamerika und Europa. Das ist einer der Gründe, warum viele den japanischen Aktienmarkt über einen ETF abdecken wollen. Ein anderer Grund liegt darin, dass zu japanischen Unternehmen zumeist nur Sekundär-Research erhältlich ist.Die relative Stärke des Nikkei zum Topix in den letzten 52 Wochen ist keine Überraschung. Seit Beginn des Bullenmarktes in Japan im Januar 2013 hat der Nikkei 529% zugelegt, beim Topix waren es 358%. Wenn man über einen ETF in den japanischen Markt einsteigen will, sollte man unbedingt darauf achten, dass es sich um ein Instrument handelt, das den Nikkei abbildet und nicht den Topix oder den MSCI Japan.Die Besten der BestenWenn man die Besten als die Indizes bezeichnet, die das höchste Momentum aufweisen, kommt man um den südkoreanischen Kospi und den taiwanesischen TSEC nicht herum.Über 52 Wochen hat der Kospi 190,9% zugelegt, der TSEC 104,4%. Seit Ausbruch des Krieges gegen den Iran ist der Kospi 12,5% und der TSEC 23,2% gestiegen.Die sehr starken Aktien im TSEC sind alles Technologiewerte oder weisen einen Zusammenhang zum Technologiesektor auf.Das fast schwindelerregende Momentum des Kospi ist ebenfalls das «Produkt» einer Hausse vor allem in Semiconductors. Der Star dieses Marktes ist Samsung Electronics mit einem Plus von 421% in den letzten 52 Wochen. Seit dem 27. Februar hat der Titel 35% zugelegt.Womit wir bei der Frage sind, in welchem Stadium die Halbleiterindustrie steckt?Befindet sich die Halbleiterindustrie in einer spekulativen Blase? Die Mehrheit der Halbleiteraktien konsolidierte von Oktober 2025 bis April dieses Jahres. Der DJ US Semiconductors als der breiteste Index dieser Branche legte seither 39% zu. Das ist bescheiden relativ zu den knapp 50% des MSCI Global Semiconductors und den 55% des Philadelphia Semiconductor oder kurz SOX.In vielen Titeln sieht man auf dem Chart Lücken zwischen dem Schlusskurs eines Tages und dem Eröffnungskurs des nächsten Tages, die nicht geschlossen wurden. Gleichzeitig schossen die Umsätze an solchen Handelstagen in die Höhe.Das ist ein Beleg für positive Rückkoppelungen, hinter denen selten mehr steht als die Angst, Gewinne zu verpassen. So entstehen spekulative Blasen. Seit dem 24. April ist die Vernunft zumindest teilweise zurückgekehrt, was sich an den wiederholten kleinen, meistens etwa dreitägigen Konsolidierungen ablesen lässt.Überdies zeigt das Unifinanz-Modell für die Halbleiterindustrie bei 35,5% der Konstituenten negative Veränderungsraten bei den Tages-Ratings. Das ist eine Indikation für einsetzende Konsolidierungen.Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch der Blick über den Technologiesektor hinaus. Auf Ebene des Gesamtmarktes liegt die Marktbreite im gesamteuropäischen Raum bei 55,4%, in Nordamerika bei 56,3% und in Asien-Pazifik bei 59,8%.Die Marktbreite der fünf stärksten Sektoren, zu denen mittlerweile auch Information Technology gehört, liegt bei 73,5%, bei den sechs schwächsten Sektoren sind es 43,8%.Lage nicht vergleichbar mit der TechnologieblaseDiese Zahlen zeigen, dass bei Semiconductors zwar eine Zuspitzung des Momentums vorliegt, das positive Kursmomentum dank einer globalen Marktbreite von über 50% sich aber nicht ausschliesslich auf die Halbleiterindustrie konzentriert. Damit komme ich zum Schluss, dass dieses exzessiv hohe Momentum in Semiconductors nicht zu vergleichen ist mit der spekulativen Blase, die im April 1998 begann und im März 2000 platzte.Die damalige Lage stellte sich in einer Kolumne, die ich am 2. Februar 2000 in «Finanz und Wirtschaft» publizierte, wie folgt dar: «Innerhalb eines Jahres stieg der S&P 500 um rund 9%. Das ist einem Anstieg des Technologiesektors im S&P 500 um 61% und des Kapitalgütersektors um 6,6% zu verdanken. Alle anderen Sektorenindizes blieben entweder stabil oder verloren erheblich, wie die Schlusslichter zeigen: Konsumgüter des täglichen Bedarfs -30%, Pharma -21%, Finanz -16%. Lediglich 25% der New Yorker Aktien schlossen 1999 auf einem höheren Jahresendniveau.»Zur Bedrohung werden spekulative Blasen, wenn eine enorme Konzentration in einer bis drei Industrien vorausgeht. Dass einzelne Industrien Blasen gebildet haben, hat es in der Geschichte der Aktienmärkte immer wieder gegeben. In den letzten Jahren wurden gerade bei Halbleiteraktien mehrfach Blasenbildungen beobachtet, die vom Markt dann aber selbst korrigiert wurden, so beispielsweise von Oktober 2025 bis April 2026 oder von Juli 2024 bis Juni 2025.Es wäre falsch, aus der isolierten Euphorie in Semiconductors sowie in Communications Equipment und Technology Hardware eine Malaise der Aktienmärkte insgesamt zu konstruieren.Alfons Cortés Alfons Cortés ist seit März 1971 professionell an der Börse unterwegs. Bis Juni 2017 war er Geschäftsführender Partner von UnifinanzTrust reg., Vaduz. Seit Juli 2017 ist er Senior Partner im Unternehmen und für den Bereich Research zuständig. Diesem hat er von Anbeginn seiner Tätigkeit an besonderes Augenmerk zukommen lassen. Daraus erwuchs die prominente Position des Unternehmens in der Anwendung von Behavioral-, Neuro- und Evolutionary Finance. Cortés hat nicht nur als Vermögensverwalter und Analyst, sondern auch als Mitglied von Anlageausschüssen institutioneller Anleger über Jahrzehnte Erfahrungen mit den Finanzmärkten gesammelt. Er schreibt jeden zweiten Donnerstag eine Kolumne für The Market.







