Der polnische Trump-Versteher zu Besuch im BundeshausPolens Präsident Karol Nawrocki schwärmt beim Staatsbesuch in Bern von direkter Demokratie und von Donald Trump.27.05.2026, 19.06 Uhr3 LeseminutenKarol Nawrocki besucht die Schweiz während zwei Tage auf offizielle Einladung des Bundesrates.Peter Klaunzer / KeystonePolnische Flaggen am Bundeshaus, Soldaten stehen stramm davor: Am Mittwoch empfing die Landesregierung Polens nationalkonservativen Präsidenten Karol Nawrocki. Ein Zeremoniell nach seinem Geschmack. Nawrocki schüttelt Hände, erst jene der Magistraten, dann die seiner Landsleute. Trotz dreissig Grad warten Hunderte darauf, ihr Staatsoberhaupt zu sehen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Solche Besuche sind rar in der Schweiz. Es gibt sie höchstens ein- bis zweimal im Jahr und nur auf Einladung des Bundesrates. Nawrocki und Bundespräsident Guy Parmelin betonten beim Besuch die jahrhundertealte Freundschaft beider Länder. Parmelin erinnerte etwa an den Zweiten Weltkrieg, als mehr als 12'000 polnische Soldaten Zuflucht in der Schweiz suchten. Sie prägten das Land mit, bauten Strassen und halfen in der Landwirtschaft und im Bergbau.Nawrocki wünscht sich Volksabstimmungen in PolenHeute ist Warschau der wichtigste Handelspartner Berns in Zentraleuropa. Parmelin lobt die Entwicklung des Landes, das heute zu den 20 grössten Volkswirtschaften der Welt gehöre. Der Bundespräsident sieht eine «glänzende Zukunft» für die Partnerschaft mit der Schweiz. Nawrocki nickte eifrig. Auch er sprach von einer starken bilateralen Bande und schwärmte von der direkten Demokratie. Er wünsche sich Volksabstimmungen in Polen. Im Kopf hat er auch bereits ein konkretes Thema: Die EU-Klimapolitik, die er bekämpft.In seiner Heimat tobt ein Machtkampf mit dem liberalen Regierungschef Donald Tusk. Auf X feuerte Tusk auf die Forderung einer Volksabstimmung zurück: Nawrocki solle erst einmal die Verfassung respektieren. Der Präsident nutzt sein Veto so oft wie keiner seiner Vorgänger und blockiert Dutzende Gesetzesvorhaben der Regierung.Ob Bundespräsident Parmelin mit seinem Gast auch über die direkte Demokratie spricht, bleibt offen. Vor den Medien schwiegen beide zu heiklen Themen – und redeten lieber über das Geschäft: Man wolle die wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit intensivieren.Nawrocki kam von sich aus auch immer wieder auf das Thema Sicherheit. Polen gibt fast fünf Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) für die Verteidigung aus. Russland bleibe eine Bedrohung, auch nach dem Ukraine-Krieg, so der Präsident. Die Schweizer Militärausgaben liegen momentan unter einem Prozent des BIP. Ein Journalist fragte nach seiner Meinung dazu. Er wolle nicht urteilen, antwortete Nawrocki. Lieber sprach er über Washington. Die USA unter Donald Trump seien ein Schlüsselpartner für Polen im Bereich der Sicherheit.Wie eng der Draht zwischen ihm und Donald Trump ist, zeigte sich kürzlich. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wollte 4000 Soldaten aus Polen abziehen. Trump verkündete auf seiner Plattform Truth Social das Gegenteil: Das Pentagon schicke 5000 zusätzliche Soldaten nach Polen. Die Begründung: Seine Freundschaft zu Nawrocki, dessen Wahlkampf er unterstützt hatte.Ein Tipp für den Umgang mit Trump?Welchen Tipp hat der Trump-Versteher für den Schweizer Bundespräsidenten, will die NZZ wissen. Parmelin und Nawrocki lachen. Der Bundespräsident sei erfahren genug, er werde eine Lösung finden, wiegelt Nawrocki ab.Bereits im vergangenen Herbst besuchte ein Aushängeschild Polens die Schweiz: Der damalige Parlamentspräsident Szymon Holownia. Kurz zuvor waren russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen. Holownia fand deutlichere Worte an die Schweiz als Präsident Nawrocki. Auch die Schweiz als neutrales Land könne zur Zielscheibe werden, meinte Holownia in einem Interview: «Neutralität ist ein politischer Begriff, Drohnen sind eine physische Tatsache.»Nawrocki bleibt bis Donnerstagabend. Auf dem Programm steht das Waadtland, Parmelins Heimat. Erste Station: Die Technische Hochschule EPFL, wo Forscher unter anderem an den KI-Algorithmen arbeiten. Danach das Schloss Morges. Dort begegnet der Gast der Geschichte von Ignacy Jan Paderewski. Der weltberühmte Pianist und polnische Ministerpräsident fand hier sein Exil. Vor 90 Jahren lenkte er von Genfersee aus den Widerstand Polens. Zum Abschluss lädt Weinbauer Parmelin in den Keller. Beim Glas Wein spricht es sich vielleicht leichter über die direkte Demokratie.Passend zum Artikel
Polens Präsident Nawrocki schwärmt von Trump und der direkten Demokratie
Polens Präsident Karol Nawrocki schwärmt beim Staatsbesuch in Bern von direkter Demokratie und von Donald Trump.








