Der erste Prozessor aus der European Processor Initiative (EPI) schafft einen weiteren wichtigen Schritt zur Marktreife. Erste Muster von Rhea1 laufen im Labor und verhalten sich wie von den Ingenieuren erwartet. Das ist in der sogenannten Bring-up-Phase zur Einschätzung des Prozessors ein Meilenstein. Zum Jahresende soll die Auslieferung an Kunden beginnen, teilt SiPearl aus Frankreich mit.

Am 13. Mai 2026 schaltete SiPearl den ersten Rhea1-Prozessor ein. Weitere zehn Wochen veranschlagt die Firma jetzt zur Validierung aller Funktionen, Anschlüsse und Leistungscharakteristika. „Die initialen Ergebnisse sind sehr positiv“, schreibt SiPearl.

In der finalen Rhea1-Version sitzen 80 ARM-Standardkerne vom Typ Neoverse V1, flankiert von 64 GByte High-Bandwidth Memory (HBM2e), aufgeteilt auf vier Speicherstapel. Jeder CPU-Kern integriert zwei 256-Bit-Vektoreinheiten (SVE) für parallelisierte Rechenaufgaben. Hinzu kommen vier Speicherkanäle für DDR5-RAM und 104 PCI-Express-5.0-Lanes für Erweiterungskarten und Controller.

Ein bisschen souverän

SiPearl ist die wichtigste Firma in der europäischen Prozessorinitiative. Die Firma soll leistungsstarke CPUs für europäische Server, Rechenzentren und Supercomputer entwerfen, um die Unabhängigkeit der EU vor allem von US-Firmen zu senken. Komplett unabhängig geht es aber nicht: Die Fertigung übernimmt der taiwanische Chipauftragsfertiger TSMC mit seinem N6-Prozess, eine verbesserte Version der 7-Nanometer-Klasse.