PfadnavigationHomeWirtschaftStrompreiseBundesnetzagentur-Chef warnt vor höheren Kosten im Falle einer verzögerten KraftwerksstrategieStand: 18:16 UhrLesedauer: 3 MinutenKlaus Müller ist seit 1. März 2022 Präsident der BundesnetzagenturQuelle: Friedrich Bungert/SZ Photo/picture allianceVerzögern sich die Kraftwerks-Ausschreibungen, wird Strom für Verbraucher und Unternehmen teurer – davor warnt Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller im „Politico“-Interview und drängt auf Eile im Bundestag.Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller warnt im Interview mit dem „Politico“ Podcast Power & Policy vor Kostensteigerungen bei den Kraftwerksstrategie-Ausschreibungen, sollten die geplanten Fristen im Mai und Dezember nicht eingehalten werden. „Es gibt sehr plausible Hinweise, dass es in [20]27 – was wie gesagt keiner möchte, wenn wir da reinrutschen – teurer und nicht besser wird“, sagte er im Interview. Als zentrales Problem nannte Müller auslaufende Produktreservierungen von Kraftwerksinvestoren. „Die [Anm. d. Red. Ausschreibungsfristen] müssen wir halten, weil eine Reihe von Kraftwerksinvestoren uns signalisiert haben, sie haben bestimmte Produkte, die wir für die Kraftwerke brauchen, schon vorbestellt (...), aber da laufen Fristen aus“, sagte Müller. Lesen Sie auchHintergrund sei, „dass die halbe Welt zurzeit steuerbare Kapazitäten braucht und bauen möchte, und darum wären wir gut beraten, wenn wir diese Versorgungssicherheit für Deutschland haben wollen, dass wir wirklich jetzt die Ausschreibungsfristen halten, so wie sie die Bundesregierung vorgesehen hat“, drängt Müller. Auf Nachfrage, ob es sich dabei um Gasturbinen handele, wollte Müller dies weder bestätigen noch dementieren. In der Energiebranche ist allerdings bekannt, dass Unternehmen im Vorlauf der Kraftwerksstrategie-Ausschreibungen bereits Turbinen reserviert haben, die sie im Fall eines Zuschlags abnehmen wollen.Nach dem vorliegenden Gesetzentwurf soll die erste Ausschreibung für sogenannte Langzeitkapazitäten bereits am 1. September 2026 starten. Gemeint sind Anlagen, die mindestens zehn Stunden am Stück ihre Leistung erbringen können. Eine zweite Runde ist für den 22. Dezember geplant. Vorher allerdings muss erst der Bundestag dem Entwurf zustimmen, dann die EU-Kommission die Pläne final genehmigen. Lesen Sie auchFür den Fall, dass die Ausschreibungen nicht mehr in diesem Jahr stattfinden könnten, rechnet Müller mit Mehrkosten. „Wir hätten womöglich die Situation, dass wir nicht so viele Beteiligte an den Ausschreibungen sehen, aber auf jeden Fall auch zu höheren Preisen.“ Dies könnte auch zu steigenden Kosten für Verbraucher und Unternehmen führen, denn die Preise für Kraftwerke zahlen sie über eine geplante Umlage später mit.„Die Höhe dieser Umlage hängt ganz elementar davon ab, wie günstig bekommen wir die Ausschreibung hin. Und damit schließt sich der Kreis: Je schneller wir jetzt werden, desto stabiler wird die Teilnahme an den Ausschreibungen sein, desto kostengünstiger können sie sein. Und darum bitten wir hier um die nötige Eile, natürlich mit vollem Respekt vor der Entscheidung des Deutschen Bundestages.“ Die Bundesnetzagentur hat nach Angaben von Müller bereits umfangreiche Vorarbeiten geleistet, um die Ausschreibungstermine halten zu können. Bereits im Juni sollen erste Workshops mit Marktakteuren stattfinden. Den Zeitplan hält Müller weiterhin für machbar: „Stand heute, mit dem Gesetzentwurf, der vorliegt, würde die Bundesnetzagentur das leisten können“, sagt Müller – sofern es keine Überraschungen im Bundestag gebe, die die Behörde nicht in ihrer Vorbereitung berücksichtigt hätte.Joana Lehner ist Policy-Reporterin beim „Politico“-Newsletter „Energie & Klima“