Der „Bau-Turbo“ der Bundesregierung ist überfällig. Dass Wohnungsbau künftig Vorrang vor Teilen des Denkmal- und Umweltschutzes bekommen soll, ist deshalb kein Tabubruch, sondern ein notwendiger Realitätstest.Deutschland steckt mitten in einer Wohnungsnot, die längst zur sozialen Frage geworden ist. In Ballungsräumen fehlen bezahlbare Wohnungen für Familien, Studierende, Auszubildende und Normalverdiener.Gleichzeitig wird gebaut wie seit Jahren nicht mehr – nämlich immer weniger. Diese Wirklichkeit zu ignorieren, kann sich die Gesellschaft nicht leisten.

Doch der Gesetzentwurf allein wird keinen Bau-Boom auslösen. Größtes Problem bleibt die Bürokratie.Es ist absurd, dass in Deutschland je nach Bundesland andere Regeln für Stellplätze, Dachformen oder Abstandsflächen gelten.Stephan-Andreas CasdorffHierzulande dauert es oft Jahre, bis ein Bebauungsplan beschlossen oder eine Baugenehmigung erteilt wird. Zwischen Anträgen, Einsprüchen, Gutachten und Zuständigkeiten verlieren Investoren Zeit – und Geld. Viele Projekte rechnen sich inzwischen schlicht nicht mehr.Ein echter Bau-Turbo bedeutet deshalb vor allem: Verfahren radikal vereinfachen. Digitale Genehmigungen müssen bundesweit Standard werden. Wer sechs Monate lang nicht auf einen Bauantrag reagiert, sollte automatisch zustimmen müssen. Die Baukisten sind explodiert Außerdem sind einheitlichere Landesbauordnungen vonnöten. Es ist absurd, dass in Deutschland je nach Bundesland andere Regeln für Stellplätze, Dachformen oder Abstandsflächen gelten.Dann muss der Staat selbst günstigeres Bauen ermöglichen. Die Baukosten sind explodiert – Energiestandards, Lärmschutzauflagen oder komplizierte Förderbedingungen treiben die Preise nach oben. Natürlich darf Klimaschutz nicht aufgegeben werden. Aber nicht jede zusätzliche Norm macht Wohnen automatisch besser.Darüber hinaus braucht es mehr Bauland. Viele Kommunen weisen aus Angst vor Widerstand zu wenig neue Flächen aus. Gleichzeitig liegen innerstädtische Brachen, ehemalige Gewerbegebiete oder ungenutzte Büroflächen brach. Hier muss der Bund Anreize setzen.Und schließlich muss die Politik ehrlich sein. Der Konflikt zwischen Wohnungsbau, Klimaschutz, Denkmalschutz und Bürgerinteressen lässt sich nicht vollständig auflösen. Dabei wächst der Wohnungsmangel. Der Staat muss da klar sagen: Wohnraum ist ein öffentliches Interesse ersten Ranges.Der eigentliche Test für die Regierung beginnt also erst jetzt. Ein echter Bau-Turbo entsteht nur durch schnellere Behörden, weniger Vorschriften und mehr politischen Mut.