Der Bund will bei der Öffentlichkeitsarbeit sparen – das Militärdepartement ist am stärksten betroffenWeniger Tiktoks, mehr zentralisierte Informationen und weniger Personal: Die Departemente müssen in den kommenden Jahren auf Druck des Parlaments in der Kommunikation abrüsten.27.05.2026, 16.29 Uhr3 LeseminutenAuch auf dem Smartphone ist die Bundesverwaltung präsent. Nun sollen Auftritte auf Social-Media-Kanälen reduziert werden.Mojahid Mottakin / ImagoDer Bundesrat will den Personalbestand im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit bis 2029 um insgesamt über 60 Vollzeitstellen senken, wie er am Mittwoch in einem Communiqué mitgeteilt hat. Hintergrund ist ein Sparauftrag des Parlaments. Dieses hatte im Dezember 2025 beschlossen, dass die Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit von Bundesrat und Verwaltung bis 2029 um 25 Millionen Franken gekürzt werden müssen. Jetzt hat der Bund beschlossen, wie er diesen Sparauftrag umsetzen will.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wie viele Personen heute in der Kommunikation des Bundes tätig sind, ist nicht genau bekannt, offizielle Zahlen fehlen. Das liegt auch daran, dass sich dieser Bereich nicht so einfach definieren lässt: Dazu gehören beispielsweise auch Übersetzungen, interne Kommunikation und teilweise sogar Informatikprojekte. Schätzungen gehen aber davon aus, dass über 300 Personen in diesem Tätigkeitsgebiet beschäftigt sind. Der Stellenabbau würde rund 20 Prozent betragen und soll gemäss Bundesrat vorwiegend durch natürliche Fluktuation erfolgen.Öffentlichkeitsarbeit wird stärker zentralisiertTransparenter als der Personalbestand sind die Zahlen zu den Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit. Nach Angaben des Bundesrates wendeten die Departemente und die Bundeskanzlei 2024 105,5 Millionen Franken für die Öffentlichkeitsarbeit auf. Das entspreche 0,7 Prozent des Personal-, Sach- und Betriebsaufwandes des Bundes. Mit der vom Bundesrat beschlossenen Kürzung sinke das Ausgabenniveau für Kommunikation und Information wieder auf jenes von 2017.Dass die Bürgerinnen und Bürger davon viel merken werden, ist unwahrscheinlich: Zwar soll das Angebot in einzelnen Bereichen gezielt abgebaut werden. Der Bundesrat nennt in der Medienmitteilung beispielsweise eine Reduktion der Web- und Social-Media-Auftritte – eine Massnahme, die den Nutzerinnen und Nutzern angesichts der Flut von Inhalten kaum auffallen dürfte. Ausserdem soll es organisatorische Anpassungen geben – zum Beispiel, indem gewisse Informationen nicht mehr über einzelne Amtsstellen, sondern zentralisiert verbreitet werden.VBS muss 6,7 Millionen einsparenFür das laufende Jahr hat der Bundesrat in der Öffentlichkeitsarbeit bereits 6,25 Millionen Franken gekürzt. In den drei kommenden Jahren werden Kürzungen von weiteren 7 Millionen Franken realisiert. Ausserdem rechnet der Bundesrat Einsparungen in Höhe von 7 Millionen ab 2027 hinzu, welche auf Kostenreduktionen basieren, die in der Staatsrechnung 2024 und 2025 bereits ausgewiesen wurden. Mitgerechnet wird zudem der bereits reduzierte Aufwand für die Öffentlichkeitsarbeit beim Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds. Mit weiteren linearen Kürzungen von 2 Millionen Franken wird die Summe von 25 Millionen Franken erreicht.Die Departemente sind davon ungleich tangiert: Am stärksten trifft es das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), das mit 6,7 Millionen Franken mehr als ein Viertel der Kürzungen tragen muss. Das erklärt sich mit der riesigen Kommunikationsmaschinerie, die das Departement betreibt. Laut einer Aussage des VBS-Chefs Martin Pfister vom vergangenen Herbst im Parlament betrug allein der Personalaufwand für die Öffentlichkeitsarbeit im VBS 2024 rund 17,8 Millionen Franken. Kein anderes Departement kommt auf dieses Niveau.Kürzungen ohne Gefährdung des InformationsauftragesMit seinen neun Verwaltungseinheiten und über 12 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei das VBS das grösste Departement, erklärte Pfister damals. Rund ein Drittel der Vollzeitstellen des Bundes entfielen auf das VBS. Zudem verfüge sein Departement mit der Armee über eine operative Komponente mit besonderem Kommunikationsbedarf, etwa in der Truppenkommunikation für 140 000 Armeeangehörige.Tatsächlich müssen andere Departemente in ähnlichem Ausmass sparen. Beim Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) wird der Aufwand um 27 Prozent reduziert, beim Departement für auswärtige Angelegenheiten sind es wie beim VBS 25 Prozent. Der Bundesrat erklärt dazu, dass die Bundeskanzlei in Zusammenarbeit mit den Departementen eruiert habe, wo das grösstmögliche Kürzungspotenzial bestehe, ohne dass dadurch der Informationsauftrag gefährdet werde.Passend zum Artikel
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