Die Zahl der Deutschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar ist im vergangenen Jahr um 1100 auf 5000 gestiegen. Dies haben die Unternehmensberater von BCG auf Basis von Bankdaten und Angaben von Vermögensverwaltern ermittelt. Dieser kleinen Gruppe gehört mehr als ein Viertel der Vermögen hierzulande, in Summe rund 3,4 Billionen Dollar, im Schnitt also 680 Millionen Dollar je Superreichem.Diejenigen, die wenigstens eine Million Dollar Finanzvermögen besitzen, sind immerhin noch 700.000 an der Zahl und besitzen das nächste Viertel. In der Analyse kommt BCG zu dem Schluss: „Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu – wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren. Das beschleunigt den Vermögensaufbau strukturell“, so BCG-Partner Michael Kahlich.Günstige und effiziente Geldanlage steht allen offenDie Beschreibung der Tatsachen ist korrekt. Doch die Möglichkeit, Vermögen breit zu streuen und in renditestarken Anlageklassen anzulegen, das ist längst nicht mehr den Millionären und Multimillionären vorbehalten. Die 24 Prozent, die im vergangenen Jahr für Aktien und Fonds als Rendite ausgewiesen wurden, die standen jedem offen. Börsengehandelte Indexfonds (ETF) sind ohne Ausgabeaufschlag und zu Gebühren von oft unter 0,1 Prozent im Jahr erhältlich und decken je nach Wunsch Deutschland, Europa oder gar die ganze Welt ab. Mehr Streuung geht nicht.Das ist keine Geheimwissenschaft. Wir berichten seit mehr als zwanzig Jahren über die Vorzüge der günstigen und sinkenden Gebühren und der breiten Streuung. Es ist längst nicht mehr nur Vermögensverwaltungen für reiche Privatpersonen vorbehalten.Wer heute noch kein großes Vermögen für die Aktienanlage hat, dem stehen gebührenfreie Sparpläne in jedem nur denkbaren Zuschnitt zur Auswahl. Und 50 oder 100 Euro im Monat zu sparen, das bedeutet zwar immer Konsumverzicht heute, ist aber jedem möglich und zahlt sich langfristig aus. Damit wird man zwar nicht Multimillionär, dazu sind meist Erbschaften oder erfolgreiche Unternehmensgründungen nötig. Ein auskömmliches Dasein im Alter wird aber wahrscheinlicher.Der Aktienaufschwung ist gut unterfüttertDass Aktien zu hoch bewertet seien, auch diese Ausrede wird seit zwanzig Jahren immer wieder vorgetragen; beim Dax-Stand von 10.000 Punkten vor zwölf Jahren genauso wie heute mit 25.000 Punkten. Dass hinter den Kursen reale Werte erfolgreicher Unternehmen stehen, die global gute Geschäfte machen und am Wohlstandsgewinn immer größerer Teile der Menschheit partizipieren, wird ausgeblendet.Deutschland muss sich im Hinblick auf Geldanlage aber längst nicht mehr verstecken. Immer mehr Menschen haben Teil an den globalen Wohlstandsgewinnen. Deutschland liegt bei ETF-Sparplänen vorne. 17,7 Prozent Vermögensgewinne im vergangenen Jahr sind das Ergebnis und liegen über dem europäischen Durchschnitt und auch besser als China mit 15 Prozent und den USA mit 7 Prozent (des schwächelnden Dollars wegen).Der deutsche Aufschwung kommt bisher anders als in den meisten anderen Industrieländern zudem ohne politische Unterstützung zustande. Die Kapitalmarktskepsis der deutschen Politik führt zu einem besonderen Ungleichgewicht: Die informiert-interessierten, die sich selbst kümmern aus eigenem Antrieb, die gewinnen an Vermögen. Die große Mehrheit von 80 Prozent ohne Aktien und Fonds, fällt hingegen zurück, darunter fast alle, für die es wegen unterdurchschnittlicher Einkommen und Ersparnisse besonders sinnvoll wäre, renditestark zu sparen und sich nicht wie von Teilen der Bundesregierung propagiert, im Laufe des Lebens und insbesondere im Alter auf den Staat und die gesetzliche Rente zu verlassen.