Als die deutschen Journalisten zur kleinen Pressekonferenz mit Laura Siegemund aufgerufen wurden, war sie bereits da. Sie saß auf einem Sessel, ein Bein über das andere geschlagen. Grimmiger Blick. Siegemund hat Psychologie studiert, sie hat viele wunderbare Talente, doch auch sie hätte sicher, wenn sie sich jetzt von außen betrachtet hätte, konstatiert: negative Körpersprache! Und so war es kein Wunder, dass es tatsächlich in ihr brodelte. Siegemund war richtig angefressen. Nur versuchte sie, professionell ihren Ärger herunterzuschlucken. Vorerst gelang es ihr.„Ich bin einfach enttäuscht, dass ich verloren habe, trotz einer sehr guten Leistung“, sagte die 38-jährige Profitennisspielerin, die am Dienstagnachmittag in der ersten Runde der French Open 3:6, 6:7 (3) gegen die Japanerin Naomi Osaka verloren hatte. Siegemund hatte Chancen, zumindest den zweiten Satz zu gewinnen, die viermalige Grand-Slam-Siegerin rettete sich aber knapp ins Ziel. „Ich habe sie definitiv geärgert, ich habe das gemacht, was ich kann. Habe ich mein bestes Tennis gespielt? Nein“, sagte Siegemund. Habe das Glitzerkleid von Osaka sie gestört? Die Gegnerin trug, wie immer modisch ans Limit gehend, ein bronzefarbenes, mit Pailletten verziertes Tenniskleid, das das Sonnenlicht reflektierte. Nein, sagte Siegemund, sie schaue nur auf den Ball und nicht auf das, was die Gegnerin trage. Und weg war sie. Alles gut? Keineswegs.Naomi Osaka bei den Australian Open:Im Kleid mit Schleier zum ErstrundenmatchNaomi Osaka tritt vor ihrem ersten Spiel in Melbourne in einem extravaganten Outfit auf – einer Qualle nachempfunden, sagt sie. Es ist nicht das erste Mal, dass die Japanerin den großen Auftritt wagt.Dass Siegemund tags darauf in den sozialen Medien ein Thema wurde, lag an einem zweiten medialen Auftritt der Weltranglisten-47. aus Metzingen. Im Sender Eurosport konnte sie sich doch nicht mehr zurückhalten und sagte pointierte Sätze, die wie Pfeile trafen. Adressat: Osaka. Die 28-Jährige, eine polarisierende Größe im globalen Tennis, hatte bereits beim Einmarsch auf den Platz im Court Suzanne-Lenglen, der zweitgrößten Arena bei diesem Grand-Slam-Turnier in Paris, ein extravagantes Rokoko-Kleid getragen, dahinter steckte der Schweizer Modedesigner Kevin Germanier. Es ist ihre Leidenschaft, ihr Spleen, sich diese Momente zu gönnen, sie mag das eben. Und alles ist stets von namhaften Designern unter ihrer Mithilfe entworfen. Bei den Australian Open kam sie mit einer Art Hochzeitsschleier, entworfen von Robert Wun. Bei den US Open sah sie einmal aus wie ein verpacktes Geschenk, mit riesiger Schleife.Haue Couture auf Ziegelmehl: Naomi Osaka betritt den Platz in einer Robe, derer sie sich vor dem ersten Aufschlag entledigt. Frank Molter/dpa„Ich komme nicht hierher, um eine Modenschau zu machen. Wenn andere das machen wollen, dann ist das für mich okay“, sagte Siegemund und leitete sofort zu einem weiteren Aspekt über, der sie gestört hatte. „Bei jedem Turnier wird bis auf die letzte Sekunde darauf geachtet, bis man sein Fläschchen ausgepackt hat. Und sie kann sich dann noch anderthalb Minuten lang umziehen, da habe ich ein Problem mit. Weil es einfach diese Regelung gibt und so scharf auf jede Sekunde geschaut wird mittlerweile. Da finde ich dann, dass bei solchen Auftritten auch auf jede Sekunde geschaut werden sollte. Das ist das Einzige, was die Regeln betrifft, was ich nicht okay finde.“Zeitspiel bei Osaka? „Bei ihr sagt er nichts“, so Siegemund über den RefereeIhr Fazit: Es werde mit zweierlei Maß gemessen, die Stars würden bevorteilt. „Einmal mehr, dass größere Namen anders behandelt werden“, sagte Siegemund. Was sie gerne gesehen hätte? Dass der Schiedsrichter bei klaren Spielverzögerungen Osakas eine „Time Violation“ aussprechen würde: „Bei ihr sagt er nichts. Das ist das Einzige, was mich interessiert. Ob da jemand mit der Schleppe kommt oder nicht, ist mir relativ wurst.“ Auch ein solcher Satz für die Ewigkeit.Wer nun im Recht war, ist sicher Ansichtssache, bemerkenswert war nur, dass ausgerechnet Siegemund, die das Verzögern von Spielphasen in Perfektion beherrscht und auch regelmäßig als taktische Waffe einsetzt, diese Kritik äußerte. Und Osaka? In der internationalen Pressekonferenz wurde sie nicht ein Mal zu Siegemund gefragt (das war allerdings auch vor Siegemunds TV-Auftritt). Stattdessen durfte Osaka das Lob von Reportern entgegennehmen. Eine Berichterstatterin fragte, wie sie ihre Haare style. An anderer Stelle gratulierte ein Reporter zu ihrem Outfit. Im japanischen Frageteil sprach sie schließlich über ihr Kleid, das sie beim Aufmarsch trug. „Als ich das Kleid zum ersten Mal in echt sah, hatte ich wirklich das Gefühl, ich sähe aus wie der Eiffelturm bei Nacht“, sagte Osaka. Ob diese poetische Betrachtung Siegemund besänftigt, steht derzeit noch in den Sternen.
French Open: Laura Siegemund echauffiert sich über Naomi Osaka
Laura Siegemund scheitert bei den French Open an Naomi Osaka. Die Japanerin werde von den Schiedsrichtern bevorzugt, klagt sie.









