Sollte das deutsche Unterhaltungsfernsehen eine neue Vorabendserie brauchen, hätten wir eine Idee: „Gute Laune, schlechte Laune“, live von den French Open aus Paris. Die Hauptrollen in der „GLSL“-Folge vom Dienstag besetzen: Jan-Lennard Struff, 36, aus dem Sauerland stammend wie der Bundeskanzler und mit sich und der Tenniswelt zufrieden: Er hat den Top-10-Spieler Alexander Bublik in vier Sätzen geschlagen und die zweite Runde erreicht.Die schlechte Laune verkörperte Laura Siegemund, 38, Schwäbin, aber nicht geizend mit spitzen Kommentaren in Richtung Gegnerin Naomi Osaka und überhaupt. Dass sie der viermaligen Grand-Slam-Turniersiegerin aus Japan unterlag, war nur ein Grund unter mehreren, warum sie nicht gut drauf war.Daniel Altmaier, 27, gebürtig aus Kempen, aber nicht die größte niederrheinische Frohnatur, war der dritte Protagonist. Toller Auftritt, aber gegen den Weltranglistensechsten Felix Auger-Aliassime aus Kanada 6:4, 4:6, 6:4, 1:6, 6:7 (7:10) verloren. Gefühlslage gegen Mitternacht: frustriert in Frankreich. Herz, Schmerz, und dies und das im deutschen Tennis: „GLSL“ aus Paris wäre ein Quotenhit.Wird auf der Tour mit zweierlei Maß gemessen?Laura Siegemund war angeblich nicht angefressen, weil ihr Naomi Osaka beim Erstrundenmatch mit funkelndem Tenniskleidchen, krachenden Schlägen und einem 6:3, 7:6-Sieg die Schau stahl. Sondern sie war sauer, weil sie das Gefühl hatte, dass der Japanerin vom Referee zu viele Freiheiten eingeräumt wurden. „Bei jedem Turnier wird bis auf die letzte Sekunde darauf geachtet, bis man sein Fläschchen ausgepackt hat. Und sie kann sich dann noch anderthalb Minuten lang umziehen, da habe ich ein Problem mit“, sagte die laut Weltrangliste beste deutsche Spielerin (Platz 47) bei Eurosport.Die Stuttgarterin meinte zu bemerken, dass mit zweierlei Maß gemessen auf der Profitour: die schillernden Stars werden gehätschelt, die ehrlichen Arbeiterinnen getriezt. In diesem Sinne war Siegemunds gallige Kritik wohl als Notwehr zu verstehen. „Wenn ich so lange brauchen würde oder so ein Outfit anhätte und hier nochmal ein Päuschen und da nochmal ein Päuschen brauche, dann würde der Schiedsrichter eine Time Violation aussprechen“, redete sich Siegemund in Rage. Die Schiedsrichter in Paris drücken derzeit oft ein Auge zu, wenn es um Spielverzögerungen geht. Die laxe Linie liegt auch an den heißen Temperaturen, die allen zu schaffen machen.Über das bronzene Kleid ihrer Gegnerin, das unter modebewussten Pariserinnen Anklang fand, hatte Siegemund nichts Konkretes zu meckern. „Ob da jemand mit der Schleppe kommt oder nicht, ist mir relativ wurst.“ Osaka, für modische Extravaganzen bekannt, erschien in einem schillernden schwarzen Gewand auf den Platz und brauchte eine Weile, um sich dessen fürs Warmspielen zu entledigen.Naomi Osaka ist für ihre extravaganten Outfits bekannt.AFPEs war nicht das erste Mal, dass Laura Siegemund über ihre unangenehme Spielweise hinaus Knatsch hatte. Mal legte sie sich bei den US Open mit der US-Konkurrentin Coco Gauff und dem New Yorker Publikum an. Mal rieben sich in Wimbledon reihenweise Gegnerinnen an ihrer Art, sich zwischen den Ballwechseln sehr viel Zeit zu nehmen. Neulich beim Mastersturnier in Rom bezeichnete sie Zuschauer als „eine Gruppe völlig Gestörter“, weil sie auf sie eingeredet hätten, als sie zu ihrem Handtuch ging. Auch gegenüber Journalisten machte Siegemund am Dienstag aus ihrem Herzen keine Mördergrube. „Ich finde, das ist auch normal und gut, dass man da anderthalb Stunden nach dem Match nicht da sitzt und lacht und sich freut, dass ein schönes Tennismatch abgeliefert hat.“So viel Wallung ist Struff fremd. Er redete gewohnt ruhig und sachlich darüber, warum er Bublik geschlagen hat und das Duell mit dem Qualifikanten Jaima Faria aus Portugal schwierig wird. „Ich kann den Schwung mitnehmen“, sagte der neben Alexander Zverev letzte deutsche Mann im Turnier. Besonderen Druck spürte er nicht nach bisherigem Saisonverlauf inklusive des befristeten Wechsels zurück zum alten Trainer Carsten Arriens. „Den Stress macht man sich nicht so gerne.“ In Folge eins von „GLSL“ ist er damit der Widerpart zu Laura Siegemund.
Siegemund nach Niederlage gegen Osaka bei French Open: „Da habe ich ein Problem mit“
Laura Siegemund ist nach ihrem Aus gegen Naomi Osaka sauer. Das hat auch mit dem extravaganten Outfit der Japanerin zu tun. Ganz anders Jan-Lennard Struff – „Gute Laune, schlechte Laune“, bei den French Open.










