Es war ein bemerkenswerter Moment im Studio von Markus Lanz: Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Chef, Außenminister, Vizekanzler und heute Vorsitzender der Denkfabrik Atlantik-Brücke, saß in der Sendung vom 26. Mai 2026 zunächst in seinem bevorzugten Modus – dem des welterklärenden Staatsmanns im Ruhestand. Ukraine, Iran, Putins „Oreschnik“, Trumps planloses Hin und Her, alles gut sortiert, alles souverän.
Dann lenkte Lanz auf die Innenpolitik. Gabriel seufzte: „Ich hätte gewünscht, wir kommen drumrum.“ Sie kamen nicht drumrum. Und das, was folgte, war für die SPD unangenehmer als alles, was die Opposition in den vergangenen Tagen formuliert hat.
Drei Worte, ein Eingeständnis
Lanz zitierte den inzwischen berüchtigten Satz der Arbeitsministerin Bärbel Bas aus der Regierungsbefragung im Bundestag: „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein.“ Dann die Frage: „Gibt es eine Einwanderung ins Sozialsystem?“ Gabriels Antwort kam ohne Zögern, ohne Pufferworte, ohne parteipolitisches Ausweichmanöver: „Na klar.“
Zwei Silben, die für die SPD politisch teurer sein dürften als jede Oppositionskampagne. Denn wenn ein Mann wie Gabriel – sozialdemokratisch sozialisiert, aus dem Maschinenraum der Partei kommend, mit jedem Reflex der innerparteilichen Loyalität ausgestattet – die Kernaussage seiner amtierenden Parteivorsitzenden öffentlich als „kontrafaktisch“ bezeichnet, dann ist das mehr als eine talkshowtaugliche Pointe. Es ist ein Schadensbericht.







