Tamara Korpatsch setzt sich auf einen Hocker, während die deutschen Reporter einen Kreis um sie bilden: So laufen bei den French Open in Paris auch mal die Pressekonferenzen ab. Es ist Sonntag, erster Turniertag bei der wichtigsten Sandplatzveranstaltung im Tennis, Korpatsch hat allen Grund zur Freude. Sie hat gewonnen, 6:4, 6:2 gegen die Spanierin Sara Sorribes Tormo. „Am Anfang war ich aufgeregt, es ist lange her, dass ich zuletzt in einem Hauptfeld bei einem Grand Slam stand“, sagt sie strahlend. „Ich wollte das Match unbedingt gewinnen. Das war ein besonderer Tag für mich.“ Die 31-jährige Hamburgerin steht erst zum dritten Mal in einer zweiten Grand-Slam-Runde. Aber auch Genugtuung schwingt bei ihr mit. Korpatsch, Nummer 95 der Weltrangliste, ist die vergessene, oft übersehene Spielerin im deutschen Tennis. Dabei hat sie bei allen vier Grand-Slam-Turnieren schon mal die zweite Runde erreicht, und in ihrer Karriere verdiente sie fast zwei Millionen Euro. Sie gewann auch einen WTA-Titel, 2023 in Cluj-Napoca.Ein klassisches Verbandskind war Korpatsch nie, ihr Weg ist der einer Außenseiterin, die sich durchgebissen hat. „In meiner Tenniskarriere war es ein sehr harter Weg für uns. Wir haben damals im Auto geschlafen. Gezeltet. Wir haben wirklich keine Hilfe bekommen von irgendwem, auch keine Wildcards.“ Korpatsch wirkt jetzt emotional. „Ich bin stolz, dass ich im Grunde die einzige Spielerin bin, die es in die Top 100 geschafft hat, ohne irgendwie eine Hilfe.“ So ist Vater Thomas wie immer ihr Trainer, Mutter Birgit hilft, wo sie kann, notfalls als Besaiterin und neuerdings als Hundesitterin von Stella, denn Korpatsch hat einen Maltipoo aufgenommen. Dass ihre Erfolge manchmal untergehen? So viele deutsche Tennisfrauen gibt es nicht mehr. „Der Deutsche Tennis Bund hilft da ja auch mit“, sagt Korpatsch. „Der erwähnt gerne die Deutschen, die irgendwo im Finale sind oder gut spielen. Als ich aber im Finale von Ostrava war, ein 250-Tausender, da wurde ich nicht erwähnt. Hanfmann wurde erwähnt, bei einem Halbfinale.“ Man spürt: Es gibt da Wunden.Sie zeigt sich aber auch versöhnlich, zum Beispiel, als es um Torben Beltz geht, den Frauen-Bundestrainer und Teamchef der Billie-Jean-King-Cup-Auswahl. „Wir kennen ihn sehr lange, er ist ein guter Mensch und guter Kapitän“, sagt sie. Beltz hatte sie kürzlich gefragt, ob sie helfen könne, um den zweiten Abstieg in Serie zu verhindern, bei einer Relegationsrunde in Portugal. Korpatsch war nur in Linz gemeldet, schaffte es dort auch dank eines Sieges gegen Jule Niemeier ins Hauptfeld, gewann eine Runde. So musste sie Beltz absagen. Sie brauchte Weltranglistenpunkte, um in Paris im Hauptfeld zu sein.Am Mittwoch trifft sie auf die an Nummer 32 gesetzte Chinesin Xinyu Wang, eine echte Hürde. Korpatsch wird wieder versuchen, schlau zu spielen, das ist ihr Vorsatz. Sie muss ausgleichen, dass sie etwa keine gute Aufschlägerin ist. Dass sie im Schatten auch von Eva Lys, 24, steht, die nicht viel besser in der Weltrangliste rangiert, aber viel mehr Aufmerksamkeit erfährt, stört Korpatsch nicht. „Eva Lys kann gut reden und sich präsentieren“, sagt sie. „Ich bin einfach ich, ich verändere mich auch nicht für die Öffentlichkeit.“ Lys gewann am Montag ihr Erstrundenmatch 6:3, 6:0 gegen die Kroatin Petra Marcinko, 20. Tatjana Maria, 38, verlor 5:7, 0:6 gegen die Belgierin Elise Mertens, 30. Korpatschs Vorsatz für die Zukunft: „Ich selbst muss mehr an mich glauben. Viele sagen, dass ich auch eine Top-30-Spielerin sein kann. Ich muss es nur auch wissen.“