Eine neue Greenpeace-Studie zeigt: Selbst ohne US-Hilfe ist Europa Russland militärisch haushoch überlegen. Das Hochrüsten dient sowieso anderen Zwecken.

D eutschland und Europa müssen hochrüsten – in kaum einer Sache ist sich die hiesige Öffentlichkeit so sicher und einig wie in dieser. Spätestens seit Beginn des russischen Angriffskrieges scheint klar: Die Welt ist nicht mehr die, die sie mal war, unsere Sicherheit ist gefährdet, wir müssen uns vor der Putin’schen Bedrohung schützen.

Auf die Idee, die vermeintliche Aufrüstungsnotwendigkeit zu hinterfragen, kommt kaum noch jemand – außer Ole Nymoen, Richard David Precht, 17 linke Kleingruppen und Teile der Linkspartei. Wenn Deutschlands Top-Journalist*innen, beziehungsweise solche, die regelmäßig in Talkshows und Podcasts sitzen, über die deutsche und europäische Militarisierung sprechen, geht es schlicht nicht mehr um das Wozu, sondern allein um das Wie.

Dabei ist die Erzählung, Russland könnte schon bald die NATO angreifen, wenig überzeugend – zumindest dann, wenn man die Angstbrille absetzt und sich in Ruhe Gedanken über diese Drohkulisse macht.

Die neue Greenpeace-Studie zur europäischen Militarisierung liefert faktisches Futter für eine besonnenere Betrachtung der Bedrohungslage. Selbst wenn die militärische Unterstützung durch die USA wegfiele, wäre Europa gegenüber Russland demnach haushoch überlegen. Die europäischen Verbündeten und Kanada gaben im vergangenen Jahr zusammen rund 626 Milliarden US-Dollar aus, Russland dagegen 190 Milliarden.