PfadnavigationHomePolitikAuslandUkraineSelenskyjs Top-Verhandler für neue Ukraine-Gespräche im KanzleramtVon Hans Joachim von der BurchardStand: 15:14 UhrLesedauer: 3 MinutenDer frühere ukrainische Verteidigungsminister Rustem UmjerowQuelle: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpaRustem Umjerow, Sekretär des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrates, trifft sich in Berlin mit Vertretern aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Doch die Friedensgespräche werden von Spannungen über eine ukrainische EU-Mitgliedschaft überschattet.Es ist ein geheimes Treffen zu einem brisanten Zeitpunkt: Inmitten russischer Drohungen über „systematische“ Luftangriffe auf Kiew und der amerikanischen Ankündigung eines zumindest vorübergehenden Rückzugs aus den Friedensgesprächen ist der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow am Dienstag in Berlin eingetroffen.Im Kanzleramt trifft er sich im sogenannten „E3“-Format mit dem außenpolitischen Berater von Friedrich Merz, Günter Sautter, sowie den sicherheitspolitischen Beratern des französischen Präsidenten und des britischen Premierministers. Zwei mit den Gesprächen vertraute Personen bestätigten das Treffen gegenüber „Politico“. Ein Regierungssprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verwies auf ein „vertrauliches Treffen“. Die ukrainische Botschaft in Berlin lehnte einen Kommentar ab.Lesen Sie auchDie diplomatischen Bemühungen kommen nur kurz nach einem massiven russischen Angriff auf Kiew am Wochenende sowie der russischen Drohung, die ukrainische Hauptstadt mit weiteren „konsequenten und systematischen Schlägen“ zu treffen.Das russische Außenministerium forderte am Sonntag ausländische Staatsbürger „einschließlich des Personals diplomatischer Vertretungen und internationaler Organisationen“ auf, die Stadt „so schnell wie möglich“ zu verlassen. Die EU-Botschafterin in der Ukraine wies diese Forderung mit den Worten zurück: „Wir bleiben in Kiew. Wir stehen an der Seite der Ukraine.“Die USA ziehen sich zurückUS-Außenminister Marco Rubio hatte am Freitag angedeutet, dass sich Washington vorerst aus den US-geführten Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine zurückziehen wolle, da diese „leider nicht fruchtbar“ gewesen seien. „Wenn jemand anderes sich darum kümmern möchte, soll er das tun“, fügte Rubio hinzu.Die Bundesregierung versucht schon länger, den Ukraine-Gesprächen neuen Schwung zu geben. Außenminister Johann Wadephul erklärte Anfang des Monats im WELT-Interview, die E3-Gruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien unternehme „einen neuen Anlauf, wieder in Verhandlungen hineinzukommen – mit einer größeren Rolle Europas in den nächsten Wochen und Monaten“. Lesen Sie auchMerz hatte bereits im Dezember Ukraine-Friedensgespräche im Kanzleramt organisiert. Diese hatten jedoch zu keinem Durchbruch geführt.Auf europäischer Seite gibt es vermehrt Diskussionen, ob man anstelle der Amerikaner in direkte Verhandlungen auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eintreten solle. Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte vergangene Woche einen Einsatz als Unterhändlerin ab und verwies darauf, dass die Aufgabe von einem amtierenden Regierungschef mit entsprechender Verhandlungsmacht wahrgenommen werden müsse.Die neuen E3-Gespräche mit Umerow werden jedoch von gewissen Spannungen zwischen Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj überschattet. Vergangene Woche hatte der Kanzler der Ukraine in einem Schreiben eine eingeschränkte „assoziierte“ EU-Mitgliedschaft angeboten, bevor sie zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise vollständiges Mitglied werden könne. Selenskyj lehnte Merz’ Vorstoß am Wochenende ab und betonte, die Ukraine müsse „vollwertig und gleichberechtigt“ in die EU aufgenommen werden.Lesen Sie auchMerz hatte zuvor angeregt, Kiew diese assoziierte Mitgliedschaft als Zugeständnis zu gewähren, um Selenskyj die Möglichkeit zu geben, im Rahmen eines möglichen Friedensabkommens Unterstützung in der ukrainischen Bevölkerung für den Verzicht auf von Russland besetzten Gebiete zu gewinnen.„Letzte Woche fragten sich viele in Brüssel, warum Merz gerade jetzt öffentlich auf die assoziierte Mitgliedschaft der Ukraine drängt“, sagte ein EU-Diplomat. „Die Tatsache, dass Umerow heute in Berlin ist, deutet darauf hin, dass es einen klaren Zusammenhang gibt.“Hans von der Burchard ist Senior Playbook Author bei „Politico“.