17 Tier- und Naturschutzorganisationen haben sich in einem offenen Brief an den Frankfurter Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung gewandt. Sie verlangen die Einführung des sogenannten „Augsburger Modells“ für eine möglichst tierfreundliche Regulierung der Zahl der Stadttauben und kritisieren, dass die Zahl der Taubenhäuser in den vergangenen Jahren reduziert worden sei.Zu den Unterzeichnern gehören in ganz Deutschland tätige Verbände wie der Deutsche Tierschutzbund, die Naturschutzbünde NABU und BUND sowie lokale Organisationen wie das Stadttaubenprojekt Frankfurt, der Eschborner Verein TASSO, der dabei hilft, verloren gegangene Haustiere, vor allem Hunde und Katzen, wieder zu ihren Haltern zurückzubringen, und der Tierschutzverein Frankfurt. Ihr gemeinsamer Vorwurf: Die Stadt lasse das Problem auf Kosten der Tiere und ehrenamtlicher Helfer schleifen, ohne eine nachhaltige Strategie zu verfolgen.Kontrollieren, ohne zu tötenDas von den Organisationen geforderte Konzept, das sogenannte Augsburger Modell, sieht betreute Taubenhäuser vor, in denen die Tiere gefüttert und medizinisch versorgt werden. Da die Vögel dort ihr Futter fänden, hielten sie sich den Großteil des Tages in den Häusern auf und seien weniger auf Straßen und Plätzen präsent, argumentieren die Befürworter. Durch den systematischen Austausch der Eier gegen Gipsattrappen werde die Population kontrolliert, ohne Tiere zu töten. „Es ist utopisch, anzunehmen, dass Städte taubenfrei werden könnten“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.Ruhesitz: Tauben auf dem Taubenhaus in der Parkanlage des Alten Friedhofs in Frankfurt-BockenheimJannis SchubertFrankfurt hat im vergangenen Jahr die Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ mit dem Taubenthema beauftragt und seit Mitte Juni 2025 eine Vollzeitstelle für einen Stadttaubenmanager eingerichtet. Nun ist es an Dominik Legrum, die Aktivitäten der städtischen Ämter in Sachen Tauben zu koordinieren und neue Standorte für Taubenhäuser zu erschließen. Für Legrum besteht kein Zweifel daran, dass in der Innenstadt Taubenhäuser eingerichtet werden müssen. Es sei aber schwierig, dafür das Einverständnis der Hausbesitzer zu bekommen, weil sie eine Verschmutzung ihrer Immobilien befürchteten.Derzeit gibt es in Frankfurt nur ein städtisches Taubenhaus, seit März 2025 auf dem Alten Friedhof in Bockenheim. Die Tauben nehmen es an, doch zumindest anfangs legten sie dort keine Eier. Legrum zufolge ist das nicht ungewöhnlich: Es könne Monate dauern, bis ein Schwarm ein Haus als Brutstätte akzeptiere. Ziel sei es, mindestens ein neues Taubenhaus jährlich zu eröffnen. Für eine vollständige Versorgung der Frankfurter Taubenpopulation – Schätzungen gehen von 9000 bis 10.000 Tieren aus – wären nach Ansicht des Taubenmanagers mehr als 50 Häuser nötig.Plastiktauben als LockvögelDen 15.000 Euro teuren Tauben-Container hatte die Stadt zunächst vor zwei Jahren in der Nähe der S-Bahn-Station Galluswarte aufgestellt. Auf dem Container waren Plastiktauben montiert. Sie sollten ihre lebenden Artgenossen in den sechs Meter langen und knapp zweieinhalb Meter breiten Verschlag locken, in dem es 88 Nistplätze und 75 Sitzplätze für die Vögel gab. Maximal 200 Tauben konnte der Verschlag aufnehmen, Ziel des Vorhabens war es, die Eier der Tiere durch Attrappen zu ersetzen, um den Bestand zu verringern.Die wenige Meter entfernte Unterführung an der S-Bahn-Station Galluswarte ist eine bevorzugte Brutstätte für Taubenpärchen. Gerade solche Orte sind es, die die Tiere auch in anderen Stadtteilen stark frequentieren, was zu Beschwerden von Bürgern führt. Auf der anderen Seite werden die Vögel von wohlmeinenden Menschen durchgefüttert, was Krankheiten bei den Tauben fördert und die hygienischen Probleme verschärft. Im Container sollte sich zeigen, ob sich der Bestand der Tiere verringern und die Verschmutzung kontrollieren lässt. Doch das Vorhaben scheiterte. Das Taubenhaus wurde von den Vögeln nicht angenommen, der Container daraufhin in Bockenheim aufgestellt.Fütterungsverbot mit begrenzter WirkungSeit 1970 gilt in Frankfurt ein generelles Fütterungsverbot für Tauben. Verstöße können mit bis zu 120 Euro Bußgeld geahndet werden. Dennoch wurden in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres mehr als 1,7 Tonnen Taubenfutter im Stadtgebiet registriert, wie Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Die Grünen) dem Stadtparlament mitteilte. Sie geht von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Allein rund um das Taubenhaus in Bockenheim wurden im vergangenen Jahr 280 Kilogramm illegal ausgelegtes Futter eingesammelt.Die Unterzeichner des offenen Briefs bemängeln, dass die Stadt das Betreiben von Taubenhäusern bisher weitgehend privaten Vereinen überlassen habe, ohne diese angemessen zu unterstützen. Das Stadttaubenprojekt Frankfurt etwa betreibt einen Gnadenhof im Stadtteil Oberrad mit rund 400 Tieren in zwölf Volieren.Frühere Taubenhäuser im Westbahnhof und in zwei innerstädtischen Parkhäusern wurden dem Verein entzogen – von der Deutschen Bahn wegen Umbauarbeiten, von der Parkhausbetriebs GmbH wegen Beanstandungen an den hygienischen Verhältnissen. Mit dem Maintauben Tierschutzprojekt hat sich inzwischen ein zweiter Verein gegründet, der eine vom Veterinäramt anerkannte Pflegestation für bis zu 35 Tiere betreibt.
Frankfurt: Wie Tierschützer die Taubenplage mit Plastikeiern regulieren wollen
Tauben in der Stadt werden zunehmend zum Problem. Tierschützer plädieren dafür, ihre Zahl auf möglichst behutsame Weise zu reduzieren. Doch das ist einfacher gesagt als getan.









