Eigentlich kommentieren Bundesminister keine Meinungsumfragen. Dass Bundesbildungs- und -familienministerin Karin Prien (CDU) dennoch zur Vorstellung des Kinderreports „Chancengerechte Bildung 2026“ des Deutschen Kinderhilfswerks gekommen war, hat politische Gründe. Es geht ihr darum, den verbreiteten Eindruck der Familien, Kinder und Jugendlichen zu zerstreuen, dass ihre Interessen in einer Mehrheitsgesellschaft der Älteren immer weniger gehört werden.Das Elterngeld etwa muss aus Priens Sicht eine zuverlässige Leistung bleiben, sie will daran nichts verändern, auch wenn sie in ihrem Etat insgesamt 500 Millionen Euro einsparen muss. „Ich würde bei den Mindest- und Höchstbeträgen eher darüber nachdenken, noch mal ein Stück weit nach oben zu gehen“, sagte sie in Berlin vor der Bundespressekonferenz. Einsparungen müssten dann an anderer Stelle erreicht werden, sagte Prien. „Aus meiner Sicht muss es ja immer darum gehen, die Rahmenbedingungen für Familien so zu gestalten, dass Menschen in Deutschland mehr Lust auf Kinder haben“, sagte die Ministerin angesichts der sinkenden Geburtenrate. Es handelt sich um die niedrigste seit 1946.Wer bereits Elterngeld beziehe oder fest damit plane, könne sich auf die geltenden Regelungen verlassen. Das Elterngeld ist ein Einkommensersatz für Mütter und Väter, wenn sie für die Kinderbetreuung eine Auszeit von der Arbeit nehmen. Die Einkommensgrenze liegt für Geburten vom 1. April 2025 an bei 175.000 Euro. Prien ist davon überzeugt, dass es auch künftig attraktiv bleiben muss, Elterngeld zu beziehen. Viele Frauen blieben nach der Geburt eines Kindes dauerhaft in Teilzeit, „mit erheblichen Folgen für unser Sozialversicherungssystem“. Derzeit wird das Basiselterngeld bis zu 14 Monate gezahlt, wenn Paare sich den Zeitraum aufteilen. „Mir wäre auch sehr daran gelegen, die Partnerschaftlichkeit hier auszubauen“, sagte Prien.Auch die SPD war nicht glücklich über den KürzungsvorschlagAuch in der SPD-Bundestagsfraktion regt sich Widerstand gegen die von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil geplanten Kürzungen beim Elterngeld. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Dirk Wiese, hatte jüngst daran erinnert, dass SPD und Union das Elterngeld 2007 gemeinsam eingeführt hatten, „um die Familien in unserem Land zu unterstützen“.Viele Ergebnisse des Kinderreports 2026 des Deutschen Kinderhilfswerks präzisierte Prien. Angesichts der Forderung der Befragung, mehr Kitaplätze zu schaffen, wies Prien darauf hin, dass ein Ausbau nur noch in drei Ländern nötig sei: in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Alle anderen Länder sollten das Geld als demographische Rendite im System belassen, um die Qualität der Betreuung zu verbessern. Vor allem die östlichen Länder müssen aus ihrer Sicht die Infrastruktur in ländlichen Räumen mit wenigen Kindern erhalten, um politischer Radikalisierung vorzubeugen.Sie erinnerte daran, dass die Länder schon 100 Milliarden Euro zusätzlich für Kita- und Ganztagsausbau bekommen haben, um die Kommunen zu entlasten. Allerdings hatten die Ministerpräsidenten dafür gesorgt, dass dieses Geld auch für den Hochschulausbau eingesetzt werden kann. Zu den vorrangigen Zielen zählt für Prien die Förderung der Kinder, die in prekären Lebensverhältnissen aufwachsen, aber auch die Förderung besonders begabter Kinder. Volkswirtschaftlich besonders effektiv sei es, die Schulabbrecherquote zu halbieren, wovon Deutschland derzeit weit entfernt ist.Die Forderung, dass Herkunft nicht über die Zukunft entscheiden darf, wie es im Kinderreport heißt, teilt Prien uneingeschränkt. Sie verwies auf die Bedeutung von Sprachförderangeboten und der psychosozialer Unterstützung. „Wenn Kinder sich an der Schule nicht wohlfühlen, können sie auch nicht gut lernen“, so die Ministerin.