PfadnavigationHomePolitikDeutschlandDebatte um Sparmaßnahmen„Wir haben schlicht weniger Kinder“ – Jetzt wirbt Prien sogar für Anhebung der Elterngeld‑GrenzeStand: 11:22 UhrLesedauer: 3 MinutenDie Bundesregierung diskutiert im Zuge der Haushaltsberatungen für 2027 Kürzungen beim Elterngeld – trotz sinkender Geburtenraten. „Das ist natürlich wirklich ein denkbar schlechter Zeitpunkt, Familienleistungen zu kürzen“, so WELT-Politikredakteurin Sabine Menkens.Trotz Milliardenlücke hält Familienministerin Karin Prien an der Einkommensgrenze fürs Elterngeld fest – und denkt sogar über höhere Sätze nach. Durch die sinkende Geburtenzahl werde beim Elterngeld bereits gespart.Bundesfamilienministerin Karin Prien will die Einkommensgrenze beim Elterngeld trotz Spardruck nicht antasten. Daran wolle sie „nichts verändern“, sagte die CDU-Politikerin im Deutschlandfunk. „Ich würde bei den Mindest- und Höchstbeträgen eher darüber nachdenken, noch mal ein Stück weit nach oben zu gehen.“ Einsparungen müssten dann an anderer Stelle erreicht werden, sagte Prien. „Da bieten sich einmal die Partnerschaftlichkeit, aber zum anderen auch die Bezugsdauer an.“„Aus meiner Sicht muss es ja immer darum gehen, die Rahmenbedingungen für Familien so zu gestalten, dass Menschen in Deutschland mehr Lust auf Kinder haben“, sagte Prien. Daher dürften Familien auch nicht diejenigen sein, „die am ehesten herangezogen werden, wenn es um Sparen geht“. Wer bereits Elterngeld beziehe oder fest damit plane, könne sich auf die geltenden Regelungen verlassen.Lesen Sie auchDas Elterngeld ist ein Einkommensersatz für Mütter und Väter, wenn sie für die Kinderbetreuung eine Auszeit von der Arbeit nehmen. Die Einkommensgrenze liegt für Geburten ab dem 1. April 2025 bei 175.000 Euro.Im laufenden Jahr stellt der Bund rund 7,5 Milliarden Euro für die Leistung bereit. Wegen des allgemeinen Spardrucks hatte die Bundesregierung im Zuge der Haushaltsaufstellung für das kommende Jahr auch mögliche Einsparungen vereinbart. Prien zeigte sich zuversichtlich, dass die Koalition „ein gutes Modell hinkriegen“ werde.Grundsätzlich unterstütze Prien die Forderungen nach Einsparungen in allen Bundesetats, wie sie sagte. Wenn für den Bundeshaushalt 2027 30 und danach 60 Milliarden Euro eingespart werden müssten, „kann man nicht sagen, es ist überall richtig zu sparen, nur bei mir nicht. Ich glaube, wir brauchen insgesamt als Regierung, aber auch bei den Regierungsfraktionen die Einsicht, dass Sparen nicht nur richtig ist, wenn es die anderen betrifft, sondern dass man selber auch da Verantwortung trägt.“ Lesen Sie auchPrien verteidigte deshalb Einsparungen auch beim Elterngeld in ihrem Ressort. Sie verwies aber darauf, dass sich 350 Millionen Euro Minderausgaben „ja schon daraus ergeben, dass wir schlicht weniger Kinder haben“.Prien sagte, es müsse auch künftig attraktiv sein, Elterngeld zu beziehen – für Männer und Frauen gleichermaßen. Viele Frauen blieben nach der Geburt eines Kindes dauerhaft in Teilzeit, „mit erheblichen Folgen für unser Sozialversicherungssystem“. Derzeit wird das Basiselterngeld bis zu 14 Monate gezahlt, wenn Paare sich den Zeitraum aufteilen. „Mir wäre auch sehr daran gelegen, die Partnerschaftlichkeit hier auszubauen“, sagte Prien.Das Elterngeld beträgt in der Regel 65 Prozent des vorherigen Nettolohns des Beziehers, mindestens 300 und höchstens 1800 Euro im Monat. Die Sätze wurden seit 2007 nicht angepasst. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft verlor das Elterngeld inflationsbedingt inzwischen rund 38 Prozent an Kaufkraft.dpa/nw