Wenn ein Unternehmen für eher rabiaten Stil bekannt ist, dann ist das Uber. Das Unternehmen, das 2009 von Travis Kalanick in San Francisco mitgegründet und dann von ihm groß gemacht wurde, ist heute nahezu überall auf der Welt und macht Milliardenumsätze und zu einer echten Konkurrenz zum Taxi geworden. Am Geschäftsmodell gibt es große Kritik: Uber bezahle seine – in der Regel selbständigen – Fahrerinnen und Fahrer schlecht und halte sich nicht immer an Regelungen und Gesetze.Uber-Chef Dara Khosrowshahi, seit 2017 im Amt, expandiert schon länger in neue Geschäftsfelder. Sein Ziel: Auch bei Essenslieferungen von Restaurants an Kundinnen und Kunden soll das Unternehmen weltweit führend werden. Der 2014 gegründete Dienst Uber Eats, der massiv beworben wird, soll jetzt durch eine milliardenschwere Übernahme nach vorne kommen. Am vergangenen Wochenende hat Uber ein Angebot für den Konkurrenten Delivery Hero aus Berlin unterbreitet. Die Offerte liege bei 33 Euro pro Aktie, teilte Delivery Hero mit. Das Unternehmen, das alleine in Berlin rund 3200 Mitarbeitende hat, wäre damit fast elf Milliarden Euro wert.Der Schritt kommt überraschend. Erst in der vergangenen Woche hatte Uber mitgeteilt, dass man die schon bisher bestehende Beteiligung an Delivery Hero deutlich aufgestockt hat und künftig größter Aktionär sein wird. Nach eigenen Angaben verfügt Uber über 19,5 Prozent der Anteile an Delivery Hero. Darüberhinaus habe man über Optionen Zugriff auf weitere 5,6 Prozent, was zusammen eine Sperrminorität von gut 25 Prozent wäre. Eine weitere Aufstockung auf mehr als 30 Prozent sei „derzeit“ nicht ‌beabsichtigt, hieß es. Doch die Aussage hatte nicht lange Bestand.An der Börse sind die Aktien von Delivery Hero gefragt. Die Anleger hoffen offenbar darauf, dass es einen Übernahmekampf gibt. Auch Ubers US-Konkurrent Doordash sei interessiert, besonders an den Aktivitäten im Nahen Osten, berichtet die Agentur Bloomberg. Die Delivery-Hero-Aktie notierte am Dienstag bei fast 38 Euro, also deutlich über dem, was Uber bieten will.Der Gründer Niklas Östberg hat bereits seinen Rückzug bekannt gegebenDer Schwede Niklas Östberg, 46, hatte Delivery Hero vor fast genau 15 Jahren in Berlin gegründet. Es ist eines der erfolgreichsten deutschen Start-ups. Besonders während der Corona-Pandemie, als Essenslieferungen plötzlich stark nachgefragt waren, wurde die Firma groß. Zwischenzeitlich war die Aktie sogar im Dax notiert, als Nachfolgerin der Skandalfirma Wirecard übrigens, die im Juni 2020 implodierte.Delivery Hero hat zwar in Deutschland als Essenslieferant mit Marken wie Lieferheld, Foodora und Pizza.de angefangen, ist aber hierzulande nicht mehr aktiv. Eine zunächst angedachte Rückkehr auf den deutschen Markt mit der Marke Foodpanda scheiterte 2021.Die Hauptverwaltung von Delivery Hero ist in Berln-Mitte. Britta Pedersen/dpaDafür ist Delivery Hero eigenen Angaben zufolge heute in rund 65 Ländern in Asien, Europa, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika aktiv. In vielen Märkten ist Uber Eats einer der direkten Wettbewerber. Eine Übernahme, sollte sie von den Wettbewerbs- und Aufsichtsbehörden genehmigt werden, könnte laut Experten Uber also durchaus einen Schub bringen. Auf der anderen Seite würde es dann auch weniger Konkurrenz geben, Verbraucherinnen und Verbraucher müssten möglicherweise mehr Geld für Essenslieferungen zahlen.Die ganze Geschichte kommt für Delivery Hero zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen befindet sich gerade mitten in einer ernsten Führungskrise. Vorstandschef Östberg hatte erst vor zwei Wochen angekündigt, dass er sich bis spätestens März 2027 zurückziehen wird. Hintergrund ist ein massiver Streit mit einem anderen Großaktionär. Der Hongkonger Vermögensverwalter Aspex hatte seinen Aktienanteil an Delivery Hero in den vergangenen Wochen auf knapp 15 Prozent erhöht. Damit steigt der Druck auf das Unternehmen und auf Östberg persönlich. Aspex hatte mehr Gewinn und den Rückzug aus verschiedenen Regionen gefordert.Ursprünglich soll Gründer Östberg noch die ⁠angekündigte „Prüfung strategischer Optionen“ vorantreiben und dann im Frühjahr 2027 ausscheiden. Gleichzeitig soll die Nachfolge an der Konzernspitze geregelt werden. Ob dieser Plan nun noch so umgesetzt wird, ist offen. Denn sollte Uber bald das Sagen haben, könnte alles anders sein.