PfadnavigationHomeRegionalesHamburgBildungsprotest„Die Studierbarkeit gerät unter Druck“ – so kämpfen Hamburgs Studenten gegen KürzungenStand: 13:21 UhrLesedauer: 4 MinutenHier feiert Hauke Heekeren, Präsident der Universität Hamburg, die Verleihung des Titels „Exzellenzuniversität“ für die Uni. Doch viele Fachbereiche profitieren davon nichtQuelle: Daniel Bockwoldt/dpaWegen drohender Sparmaßnahmen gehen Studenten und Beschäftigte der Universität Hamburg auf die Straße. Am 11. Juni wollen sie unter dem Motto „Wissen schafft Zukunft“ demonstrieren – gegen Einschnitte, die laut Fachschaftsräten nicht nur einzelne Angebote, sondern die Substanz der Lehre treffen würden.In der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg wird seit Wochen in Szenarien gedacht, die sonst eher in Haushaltsrunden der Verwaltung zirkulieren: Was passiert, wenn Professuren nicht nachbesetzt werden, weil Geld fehlt? Welche Folgen hätte ein Aufnahmestopp oder eine zusätzliche Zugangsbeschränkung? Und was bedeutet es für einen Staatsexamensstudiengang, wenn dort gespart wird, wo es um Prüfungsvorbereitung, Korrekturkapazitäten und verlässliche Strukturen geht? In einer gemeinsamen Mitteilung mehrerer Fachschaftsräte heißt es, im Zuge der von der Politik angedrohten Kürzungen würden in der Rechtswissenschaft unter anderem genau solche Maßnahmen diskutiert – bis hin zu Einschnitten in Klausurenkursen und einer Verringerung des Schwerpunktangebots.Lesen Sie auchDiese Warnung ist der Auftakt zu einem Protest, der jetzt sichtbar werden soll: Studierende und Beschäftigte rufen für Donnerstag, 11. Juni, zu einer Demonstration unter dem Motto„Wissen schafft Zukunft“ auf. Start ist um 14 Uhr am Uni-Hauptgebäude in der Edmund-Siemers-Allee. Die Mobilisierung läuft hochschulübergreifend: Die Gewerkschaft GEW Hamburg kündigt ihre Unterstützung an und verbindet den Aufruf mit der Forderung nach einer bedarfsdeckenden Finanzierung; zugleich wird auf Einschnitte „von mindestens 10 Prozent“ verwiesen, mit denen die Unileitung plane. Auch der AStA der Universität Hamburg ruft zu der Demo auf.Es geht fächerübergreifend um ausfallende oder gar nicht erst angebotene Lehrveranstaltungen, überfüllte Seminare, Wartezeiten in Prüfungsämtern und Studienbüros, eingeschränkte Bibliotheksöffnungszeiten, den Abbau von Datenbankzugängen – und insgesamt um Strukturen, die bereits „an der Belastungsgrenze“ verlaufen würden. Den Fakultäten seien teils harte Einschnitte in Aussicht gestellt worden; Rückmeldungen aus den Fakultäten ließen laut der Mitteilung erkennen, dass diese Summen nicht einmal durch das Streichen vermeintlich „entbehrlicher“ Angebote zu erreichen seien, ohne Substanz zu verlieren.Viele Folgewirkungen von SparmaßnahmenIn der Rechtswissenschaft wird dieser Substanzbegriff schnell greifbar. Denn das Jurastudium ist kein Baukasten, in dem einzelne Elemente folgenlos entfernt werden können: Wenn Korrekturen fehlen, verschieben sich Prüfungen; wenn Prüfungsorganisation und Studienleistungen reduziert werden, werden Zeitpläne enger; wenn die Examensvorbereitung ausgedünnt wird, weichen Studierende auf externe Angebote aus – so lautet zumindest die Befürchtung, die in studentischen Kreisen kursiert. Einschnitte träfen „unmittelbar die Ausbildungsqualität und die Chancengleichheit“ – gerade wegen des Staatsexamens.In der Universität Hamburg wird seit Monaten über Sparrunden gesprochen, bekannt wurde ein internes Papier, das einen strukturellen Abbau bis 2032 als erforderlich markiert. In diesem Zusammenhang wird auch Hauke Heekeren, der umtriebige Präsident der Universität Hamburg, mit einer Warnung zitiert, die inzwischen zum festen Begriff in der Debatte geworden ist: Er hatte im Herbst 2025 darauf hingewiesen, in einigen Fächern gerate „die Studierbarkeit zunehmend unter Druck“. Offenkundig wurde dabei auch eine Debatte mit der Wissenschaftsbehörde, die ihrerseits unter Spardruck steht. Die „taz“ zitiert Maryam Blumenthal (Grüne), seit 2025 Hamburgs Wissenschaftssenatorin, mit einem Satz, der in der Universität als Zumutung verstanden und in der Behörde als Klarstellung gelesen werden dürfte: „Die Universität bestimmt ihr Ausgabeverhalten selbstständig und ist mit dem wachsenden Budget trotz Übernahme der Tarifsteigerung nicht ausgekommen: Deshalb müssen sie jetzt sparen.“ Aus Sicht des Präsidiums wiederum geht es um Kosten etwa im Bereich der IT-Sicherheit, die nicht beliebig verschoben werden können. Hauke Heekeren wird in diesem Zusammenhang mit der Aussage zitiert, ohne Rücklagen führten gestiegene Kosten zu unmittelbaren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Wissenschaftssystems. Zwischen Exzellenz und GrundbetriebDie aktuelle studentische Pressemitteilung legt zudem den Finger in eine Wunde, die in Hamburg besonders sichtbar ist: Die Universität ist seit 2019 Exzellenzuniversität; Exzellenzmittel sind jedoch an Cluster und strategische Ziele gebunden. Gleichzeitig, so argumentieren die Fachschaftsräte, stünden Kürzungen im Raum, die ausgerechnet den Grundbetrieb träfen – Lehre, Verwaltung, Bibliotheken, Prüfungsorganisation. Ihre These: Eine Universität könne „auf Dauer nicht allein von einzelnen Exzellenzbereichen leben“.Das ist der Hintergrund, vor dem einzelne Fächer ihre Sorgen konkretisieren. In der Sonderpädagogik und den Erziehungswissenschaften stünden altersbedingt freiwerdende Professuren bis 2028 im Raum, die nach aktuellem Stand nicht nachbesetzt werden sollen – genannt werden mehrere Schwerpunkte von Sprache bis Sehen und Geistige Entwicklung. In der Handelslehre wird sogar ein geplanter Aufnahmestopp für Neustudierende zum Jahreswechsel 2027/2028 diskutiert.jlau