Wer raucht, stirbt früher. Im Schnitt verlieren Raucher laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) knapp zehn Lebensjahre. Und doch hat im letzten Jahr fast jeder zehnte Jugendliche zur Zigarette gegriffen, wie eine repräsentative Drogenaffinitätsstudie zum Rauchverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener des BIÖG am Dienstag zeigte. Besonders der Konsum neuartiger nikotinhaltiger Produkte hat dabei zugenommen, obwohl sie gesundheitsschädlich sind und schnell abhängig machen. Damit widerlegen die Daten den bisherigen Trend, wonach immer weniger junge Menschen rauchen.Drastischer Anstieg beim Vapes-KonsumIm Vergleich zum Jahr 2021 nahm die Zahl der Jugendlichen zwischen zwölf und siebzehn Jahren, die sich ständig oder gelegentlich als Raucher bezeichneten, demnach um dreieinhalb Prozent auf nunmehr 9,6 Prozent zu. Vor allem Mädchen rauchen mit 9,3 Prozent deutlich mehr als noch vor fünf Jahren; damals waren es nur 6,4 Prozent. Zwar sank in der Altersgruppe der Achtzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen der Anteil der Raucher von 29,8 Prozent (2021) weiter auf 26,3 Prozent. Dem BIÖG zufolge herrscht in beiden Altersgruppen aber ein drastischer Anstieg beim Konsum sogenannter Vapes.In den Ergebnissen sieht der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, auch deshalb ein „klares Warnsignal“. Nikotinkonsum sei „kein Randthema der Gesundheitspolitik.“ Viele Präventionsmaßnahmen hätten lange Zeit funktioniert. Doch sei deren Erfolg bei jungen Menschen „nicht mehr gesichert“.Streeck warb auch deshalb in der Handhabe der Vapes für einen „Anschnallpflichtmoment“. Denn der Weg zur Zigarette verlaufe nunmehr über in Ladengeschäften und sozialen Medien „poppig beworbene“ Aromen. Der Drogenbeauftragte sieht darin zwei Gefahren: Erstens würden Jugendliche durch deren bunte Aufmachung angezogen. Zweitens locke der süße Geschmack nikotinhaltiger „Liquids“ in die Abhängigkeit.Streeck: Fruchtaromen vom Markt nehmenSeit 2021 hat sich der Konsum von Mehrweg-Vapes in allen untersuchten Gruppen spürbar erhöht, konstatiert die Studie. Bei männlichen Jugendlichen stieg der Anteil von 2,9 auf 6,7 Prozent, bei weiblichen Jugendlichen von 1,8 auf 7,8 Prozent. Auch in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen ist ein Zuwachs zu sehen. Unter jungen Erwachsenen wuchs der Anteil derer, die Vapes nutzten, von 6,9 Prozent im Jahr 2021 auf 13,3 Prozent im Jahr 2025. Bei jungen Frauen stieg er von 4,7 auf 11,9 Prozent.Aus seiner Warte gelte es, an Jugendliche gerichtete Sorten wie Strawberry Kiwi oder Salted Caramel „vom Markt zu nehmen“. Zumal diese zu 90 Prozent in China hergestellt würden – dort aber selbst nicht grundlos verboten seien. Wer Vapes mit Tabakgeschmack benutzen wolle, um mit dem Zigarettenrauchen aufzuhören, könne das wohlgemerkt weiterhin tun.Zusammengenommen konsumierten mittlerweile in beiden Altersgruppen mehr Menschen E-Zigaretten als klassische Tabakzigaretten, sagte der Kommissarische Leiter des BIÖG, Johannes Nießen. Dass die meisten Jugendlichen rauchfrei lebten, sei aber „erstmal eine gute Nachricht“.Für die Drogenaffinitätsstudie 2025 wurden 7001 junge Menschen im Alter von zwölf bis 25 Jahren im Zeitraum April bis Juni 2025 befragt.