Rang 6 von 10.817 Gemeinden: Berlin schneidet im neuen „Gemeindecheck Daseinsvorsorge“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erheblich besser ab als die meisten deutschen Städte – und besser als alle anderen Millionenstädte. Hamburg liegt auf Rang 19, Köln auf 54, München auf 77. Das IW stuft Berlin in die Kategorie „sehr gut“ ein. Das Gutachten wurde im Auftrag der Philip Morris GmbH erstellt.Gemessen wurden 17 Indikatoren in fünf Bereichen: Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung – von Hausärzten und Krankenhäusern über Schulen und Kitas bis hin zu Schwimmbädern, Theatern und Breitbandanbindung. Die Erreichbarkeiten berechnete das IW auf Basis von 100-mal-100-Meter-Zellen des Zensus. Noch vor Berlin liegen unter anderem Haar bei München, Offenbach und Frankfurt am Main. Haar gilt dem IW zufolge als bestversorgte Gemeinde Deutschlands.Berlins stärkster Einzelwert liegt in der Gesundheitsversorgung (Rang 56), gefolgt von Freizeit (Rang 151), Bildung (Rang 343) und Mobilität (Rang 370). Am schwächsten schneidet Berlin ausgerechnet digital ab: Rang 1098 – bei über 10.000 Gemeinden immer noch ein vergleichsweise guter Wert.
Der entscheidende Haken
Wer täglich in Berlin lebt, dürfte das Ergebnis zunächst befremdlich finden. Der Grund liegt in der Methodik: Der Index misst räumliche Versorgungsdichte und rechnerische Erreichbarkeit – nicht Qualität, Wartezeiten oder tatsächliche Nutzbarkeit. Ob eine Arztpraxis neue Patienten aufnimmt, ob ein Bürger zeitnah einen Facharzttermin bekommt, ob eine Bahn ausfällt oder ein Schwimmbad wegen Sanierung geschlossen bleibt – das alles erfasst der Index nur begrenzt.Beim Thema Mobilität gilt das besonders. Der IW-Wert bildet nicht den Berliner Nahverkehr ab, wie ihn Fahrgäste täglich erleben. Wegen bundesweiter Datenlücken beim ÖPNV nutzte das IW für diesen Bereich vor allem Informationen zum Schienenregionalverkehr sowie Daten zu Autobahnanbindung, Flughafennähe und Brückenqualität. Auch viele Erreichbarkeiten wurden per Auto-Routing berechnet.Beim Thema Kitas betrachtete das IW nicht nur Entfernungen, sondern setzte die Zahl der Einrichtungen ins Verhältnis zur Zahl der Kinder unter sechs Jahren – ein grober Kapazitätsindikator, aber kein Abbild der tatsächlichen Platzsituation.Berlins Kernvorteil: extrem viel Infrastruktur auf engem Raum. Krankenhäuser, Schulen, Apotheken, Bahnhöfe, Museen – meist vergleichsweise nah. Nähe ist aber nicht dasselbe wie Funktionieren. Berlin kann statistisch hervorragend versorgt sein und im Alltag trotzdem anstrengend bleiben.











