Es ist ein eigenartiges Bild, das die deutsche Erinnerungslandschaft in diesem Jahr bietet. In Potsdam fordert die AfD-Fraktion im brandenburgischen Landtag, den 8. Mai aus der staatlichen Gedenkordnung zu drängen, weil er, so der Tenor, eben kein „Tag der Befreiung“, sondern auch ein Tag der Niederlage, der Vertreibung, der Vergewaltigung gewesen sei. In Berlin bringen die Grünen einen Antrag ins Abgeordnetenhaus ein, der die vier sowjetischen Ehrenmale der Stadt – Tiergarten, Treptow, Schönholzer Heide, Buch – „historisch-kritisch einordnen“ will: per QR-Code, per Tafel, per digitalem Vermittlungsangebot, das Stalinismus, Hitler-Stalin-Pakt und Putins Geschichtspolitik in das steinerne Pathos der Roten Armee einschreiben soll.
Die beiden Initiativen kommen aus politisch weit entfernten Lagern. Sie eint mehr, als ihre Urheber wahrhaben wollen.
Zwei Anträge, ein Reflex
Der Brandenburger AfD-Vorstoß bedient eine alte Linie der Partei: Alexander Gauland nannte den 8. Mai bereits 2020 einen „Tag der absoluten Niederlage“, einen Tag des „Verlustes von Gestaltungsmöglichkeiten“, und seither hat sich an dieser Rhetorik wenig geändert. Die Befreiung sei eine westdeutsche Lebenslüge, heißt es in den entsprechenden Reden, eine moralische Selbstkasteiung, die die deutschen Opfer von Bombenkrieg, Flucht und sowjetischer Besatzung im Schatten lasse.








