Potsdam, ein Plenarsaal im Mai 2026. Vor den Mikrofonen steht Hans-Christoph Berndt, Fraktionschef der AfD im Brandenburger Landtag, und verteidigt mit ruhiger Stimme einen Satz, der noch vor wenigen Jahren jeden deutschen Politiker das Mandat gekostet hätte. Sein erinnerungspolitischer Sprecher Dominik Kaufner hat den 8. Mai 1945 – jenen Tag, an dem in den Kasematten von Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet wurde, an dem die Gaskammern von Auschwitz endgültig verstummt waren, an dem die letzten Häftlinge der Todesmärsche von ihren alliierten Befreiern aufgegriffen wurden – zum „Tag der Vernichtung“ erklärt.

Wer an diesem Datum „in Feierstimmung verfällt“, so Kaufner auf Instagram, habe „seine Würde, seinen Anstand und seine Ehre verloren“. Berndt nickt das ab, der Parlamentarische Geschäftsführer Dennis Hohloch sekundiert: „Das war ein Tag der Vernichtung. Das war auch ein Tag der Vertreibung.“ Drei Männer, ein Landtag, eine Fraktion – und ein Satz, der nicht versehentlich fällt, sondern programmatisch gesetzt wird.

Es ist keine Provokation mehr. Es ist eine Ansage. Und sie zielt auf das Fundament, auf dem diese Republik seit vierzig Jahren steht: auf den 8. Mai 1985, auf Richard von Weizsäcker, auf jenen Konsens, der aus der westdeutschen Trümmergesellschaft eine geschichtsbewusste Demokratie gemacht hat.