PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaVFL WolfsburgPleite in der RelegationMillionenschwere Einsparungen – die Folgen des Wolfsburger AbstiegsStand: 10:08 UhrLesedauer: 4 MinutenFrust nach dem Abstieg: Der erst spät eingewechselte Kento Shiogai vergab für Wolfsburg in der Verlängerung zwei gute Torchancen Quelle: AFP/INA FASSBENDERNach 29 Jahren ist der VfL Wolfsburg wieder zweitklassig. Der Abstieg hat große Folgen: VW wird die Zuwendungen an den Klub kürzen, Spieler müssen verkauft werden – oder auf Gehalt verzichten, sollten sie bleiben.Am Ende einer Saison voller Fehlentscheidungen auf und neben dem Platz steht für den VfL Wolfsburg nach dem 1:2 beim SC Paderborn der erste Erstliga-Abstieg der Vereinsgeschichte. Der völlig verkehrt zusammengestellten Mannschaft gelang es gegen den Zweitliga-Dritten SC Paderborn in zwei Spielen der Relegation nicht, die unter Dieter Hecking, dem dritten VfL-Trainer der Saison, eingeleitete Aufholjagd zu vollenden. In der Summe ist der Gang in die Zweitklassigkeit nach 36 Spielen folgerichtig und verdient.Nachdem sich der mit vielen Topverdienern gespickte VfL, der laut „transfermarkt.de“ mit einem Kaderwert von 234,6 Millionen Euro den achtwertvollsten Kader der Liga hatte, am letzten Spieltag beim FC St. Pauli noch relativ souverän in die Relegation gerettet hatte, verfiel er in den entscheidenden Duellen mit dem SC Paderborn wieder in alte Muster. Schon das 0:0 im Hinspiel war enttäuschend, ließ aber Chancen für das Rückspiel in Paderborn. Lesen Sie auchDoch auch wenn die Grün-Weißen am Montagabend durch die völlig überflüssige Gelb-Rote Karte für Joakim Maehle in der 14. Minute extrem lange in Unterzahl spielen mussten, war der Auftritt am Ende deutlich zu wenig, um ein weiteres Jahr Erste Liga zu rechtfertigen. Am Ende standen ganze 39:8 Torschüsse zugunsten des Aufsteigers Paderborn.Weiter mit Hecking?„Abstieg tut immer weh“, sagte Hecking, der nach dem Abstieg mit dem VfL Bochum in der vergangenen Saison den nächsten Gang in die Zweite Liga zumindest mitzuverantworten hat. Hecking hatte Anfang März die Nachfolge von Daniel Bauer angetreten, der im November auf den glücklosen Niederländer Paul Simonis gefolgt war.Wie es nun mit Hecking weitergeht, ist ungewiss – wie so vieles beim VW-Klub, der trotz der millionenschweren Unterstützung von Volkswagen nun nicht mehr zu den 18 besten Vereinen in Deutschland gehört. 1997 war der Verein aufgestiegen und seitdem immer Mitglied der höchsten deutschen Spielklasse. 2009 feierte Wolfsburg die Deutsche Meisterschaft, 2015 gewann man den DFB-Pokal. Es ist ein Schwergewicht, das den Gang in die Zweite Liga antritt. Nach Informationen der „Bild“ soll der VW-Konzern jährlich rund 80 Millionen Euro in den Klub stecken. Dieses Geld fließt aber nicht nur in die Profi-Mannschaft der Männer, sondern wird auch für die Jugend, Infrastruktur und die Frauenmannschaft verwendet. In Zukunft sollen sich die Zuwendungen auf rund 55 Millionen Euro belaufen.Das Gesicht der Mannschaft dürfte sich nun gewaltig ändern. Alle Spieler haben einen Vertrag für die 2. Liga – allerdings zu deutlich geringeren Konditionen. Die Profis müssen wohl auf 35 Prozent ihres Gehalts verzichten. Zwar haben die meisten Spieler noch gültige Verträge, einen Großteil werden die Verantwortlichen aber gar nicht behalten wollen. Durch die Verkäufe von Mohamed Amoura (26 Jahre alt), Konstantinos Koulierakis (22) oder Kamil Grabara (27) könnte der VfL große Einnahmen erzielen. Spieler wie Wimmer (24) oder Christian Eriksen (34) werden ebenfalls kaum zu halten sein.Wie schlecht es um den Zustand der Mannschaft bestellt ist, zeigte die Tatsache, dass sich nach dem Abstieg kein Spieler kritischen Fragen stellte. Nur der verletzt fehlende Patrick Wimmer kam kurz für ein Fernseh-Interview – vom Rest der während der gesamten Saison nie als Team auftretenden VfL-Truppe war nichts zu sehen.„Wir werden sicherlich die nächsten ein, zwei Tage zusammenkommen, um erst einmal die zehn Wochen zu analysieren, für die ich verantwortlich war“, sagte Trainer Hecking. „Ich muss das auch erst einmal sacken lassen.“ Aufsichtsratsmitglied Diego Benaglio, ehemaliger Torhüter des VfL, sagte bei Sky: „Die Enttäuschung ist riesig bei uns allen. Im Moment fühle ich mich einfach nur leer. Wir haben alles reingeworfen. Über 100 Minuten mit einem Mann weniger – das war nicht einfach. Es fühlt sich brutal an. Wir sind sehr gut ins Spiel gestartet, mit dem Tor. Und ich habe bei den Jungs vor dem Spiel auch gemerkt, dass sie heiß sind, brennen. Ich bin mir sicher: Mit elf Mann hätten wir das Spiel nicht verloren.“LaGa/dpa