PfadnavigationHomeIconÖger-ErbinWie Nina Öger in Istanbul ein neues Luxusviertel erschafftVon Sven MichaelsenStand: 07:17 UhrLesedauer: 5 MinutenAusblick: „Hotel Rixos Tersane“ mit Panoramafenstern, Blick auf Pool und alten HafenkranQuelle: Reto GuntliAm Goldenen Horn entsteht direkt am Wasser ein komplett neues Stadtquartier, das den Tourismus der Metropole weiter ankurbeln soll. Eine der Verantwortlichen ist Nina Öger, Tochter eines der erfolgreichsten deutsch-türkischen ReiseunternehmerJeder, der mal in der Türkei Urlaub gemacht hat, kennt ihren Namen: Nina Öger. Sie ist die Tochter von Vural Öger, der deutsche Sozialgeschichte geschrieben hat, erst als wirtschaftlich erfolgreichster Einwanderer aus der Türkei, dann als polarisierende Fernsehfigur und blamierter Pleitier.Mit seiner Ehefrau gründete er 1982 das Touristikunternehmen Öger Tours und avancierte in den Folgejahren, unterstützt von seiner Tochter, zum europäischen Marktführer für Pauschalreisen in die Türkei. Doch der damals fünftgrößte deutsche Reiseveranstalter war nicht profitabel, wurde 2010 an den Reisekonzern Thomas Cook verkauft, Vater Öger meldete Privatinsolvenz an.Tochter Nina Öger, 52, hat an diesem Abend im „Karaköy Lokantasi“ Platz genommen, ihrem Lieblingsrestaurant in Istanbul nahe der Galata-Brücke. Sie war nach dem Verkauf des Familienunternehmens in die Bosporus-Metropole gezogen und kümmerte sich bis vor zwei Jahren hauptsächlich um ihre 2002 geborene Tochter Ada.Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugenInzwischen sitzt Öger im Vorstand eines Investorenkonsortiums für Marketing und Kommunikation – und ist dort verantwortlich für eines der größten Tourismusvorhaben in der Geschichte Istanbuls. Diese Aufgabe verdankt sich einem privaten Zufall: „Ich war acht Jahre lang mit einem renommierten türkischen Architekten liiert, der die Ausschreibung gewonnen hat. Durch ihn bin ich zum Tersane-Projekt gekommen.“Werftviertel im DornröschenschlafTersane ist ein ehemaliges Werftviertel am europäischen Nordufer des Goldenen Horns, das nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf gerade in eines der attraktivsten Stadtquartiere Istanbuls verwandelt wird, direkt am Wasser gelegen mit Blick auf die historische Altstadt am Südufer. Von der historischen Bau- und Hafensubstanz wird dabei so viel wie möglich erhalten und integriert.Die Schätzkosten des privat finanzierten Projekts beliefen sich auf umgerechnet 2,4 Milliarden Euro, sagt Öger. Auf dem 25 Hektar großen Areal werden zurzeit 27 historische Gebäude saniert. Hinzu kommen drei Luxushotels, mehr als 20 Restaurants, drei Museen, zwei Sportboothäfen sowie 660 hochpreisige Privatwohnungen und Villen.Lesen Sie auchBlickfang des neuen Viertels soll eine Shopping-Mall werden, die von Foster + Partners entworfen wurde, der Firma des englischen Architekturstars Norman Foster. Tersane dürfte gute Chancen haben, bei Touristen zu einer Top-Attraktion in Istanbul aufzusteigen.Die Osmanen gründeten kurz nach der Eroberung Konstantinopels 1453 in Tersane eine Staatswerft. Sie beherrschten bald mit ihren Schiffen weite Teile Südosteuropas, Westasiens und Nordafrikas, bis zu einem Viertel des Staatshaushalts des Osmanischen Reichs floss zeitweise in die Werft. Nach Gründung der Republik Türkei im Jahr 1923 wurde die Staatswerft jedoch an das Marmarameer verlegt. Tersane wurde aufgegeben und verkam zu einem Lost Place.In den 1970er-Jahren war aus dem Areal eine verdreckte Ruinenlandschaft geworden, die nicht betreten werden durfte. 2021 begannen dann aber die Planungen, das Sperrgebiet in einen neuen Stadtteil von Istanbul zu verwandeln. Der Bedarf ist offensichtlich: 1980 wurden gut vier Millionen Einwohner gezählt, heute ist Istanbul mit 16 Millionen Bewohnern die bevölkerungsreichste Stadt Europas. Die jährlichen Besucherzahlen wachsen zweistellig. Mit rund 20 Millionen ausländischen Touristen war Istanbul 2025 die Stadt mit der fünftgrößten Besucherzahl der Welt.Vom Teppichverkäufer zum KonzernchefAngeführt werden die Tersane-Investoren von dem 54 Jahre alten, makellos Deutsch sprechenden Milliardär Fettah Tamince. Er startete als Teppichverkäufer in Antalya, heute ist er Chef des in 14 Ländern vertretenen Hotelkonzerns Rixos und Betreiber von Freizeitparks wie dem „Land of Legends“ in Belek, dem Disneyland der Türkei.Lesen Sie auch„Nach Ende aller Bauarbeiten im November 2027 sollen täglich etwa 130.000 Besucher in das Viertel kommen, Einheimische wie Touristen“, sagt Öger. Tersane solle aber weder ein zweites Dubai werden noch eine Art Barcelona am Bosporus. Auch die seelenlose Investorenarchitektur der Londoner Docklands oder der HafenCity in Hamburg tauge nicht als Vorbild.„In Istanbul reiben sich historisches Erbe und Religionen mit dem Lebensstil von Künstlern und vergnügungssüchtigen Hipstern. Diese Kontraste sollen auch in Tersane spürbar sein, denn mit Sterilität ist kein Geld zu verdienen.“Ein erster Schritt auf diesem Weg ist die internationale Kunstmesse Contemporary Istanbul, die 2024 nach Tersane verlegt wurde und alljährlich im September in der ehemaligen Gießerei stattfindet. Öger selbst ist seit einem Jahr Teilhaberin der 2012 in Istanbul gegründeten Anna Laudel Galerie, die auch in Bodrum und Düsseldorf vertreten ist.„Die Galerie“, sagt Öger, „vertritt Künstler unterschiedlicher Herkunft und Generationen, von Cansu Yildiran, Jahrgang 1996, bis Elvira Bach, Jahrgang 1951. Mein Freundeskreis in Istanbul ist ähnlich divers. Tersane soll ein Ort für unterschiedliche Menschen wie sie werden.“Ob Ögers Wunschbilder Wirklichkeit werden, ist bis jetzt nicht absehbar. Die Chancen stehen aber gut, denn die Verantwortlichen wissen, worauf es ankommt, um mehr zu bieten als coole Kulissen. Die bereits fertiggestellten Hotels „Rixos“ und „Aliée“ entsprechen architektonisch zwar den üblichen Blaupausen für Fünf-Sterne-Unterkünfte, verfügen allerdings aufgrund ihrer Wasserlage über einen unschätzbaren Vorteil. Lesen Sie auchUnd es wurden geschickt maritime historische Überbleibsel integriert, darunter ein gigantischer Hafenkran, der zu einer Bar direkt am Hotelpool umfunktioniert wurde. Zusätzlicher Pluspunkt: Mit einer hoteleigenen Bootsflotte sollen die Gäste ab 2027 dem Verkehrshorror der überlaufenen Metropole entgehen können. Weitere Alleinstellungsmerkmale sind hoteleigene Ruderclubs und der Verleih von SUPs, mit denen man das Nordufer des Goldenen Horns erkunden kann.Ihr Herz, sagt Öger, schlage für die zweieinhalb Kilometer lange Uferpromenade, die Ende des Jahres fertig werden soll. „Istanbul hieß bis 1930 Konstantinopel und war die Hauptstadt von drei Weltreichen, die untergegangen sind. Von Tersane aus schaut man auf die Überreste des oströmischen, des byzantinischen und des osmanischen Imperiums. Angesichts der politischen Zustände in der Welt gibt es kaum einen Spaziergang, der einen mehr über Aufstieg und Niedergang von Supermächten nachdenken lässt.“Tipps und Informationen:Wie kommt man hin? Istanbul wird von diversen deutschen Flughäfen nonstop angeflogen, etwa von Turkish Airlines, Pegasus Airlines, Lufthansa und AJet. Der Flughafen Istanbul (IST) auf europäischer Seite liegt näher an der Stadt als der Flughafen Sabiha Gökçen (SAW) auf asiatischer Seite.Wo wohnt man gut? „Hotel Rixos Tersane“, kombiniert Lifestyle und Luxus, mit großem Pool direkt am Goldenen Horn, Doppelzimmer ab 376 Euro (rixos.com). „Aliée Istanbul“, modern-orientalisches Designhotel in historischen Mauern, Doppelzimmer ab 630 Euro (alieeistanbul.com/en).Weitere Infos: goturkiye.com/de-deDie Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Hotel „Rixos Tersane“. 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Istanbul und sein neues Luxusviertel: Die Öger Tours-Erbin, die dahinter steckt - WELT
Am Goldenen Horn entsteht direkt am Wasser ein komplett neues Stadtquartier, das den Tourismus der Metropole weiter ankurbeln soll. Eine der Verantwortlichen ist Nina Öger, Tochter eines der erfolgreichsten deutsch-türkischen Reiseunternehmer







