GastkommentarBrahma ChellaneyWirksame Diplomatie beruht auf Glaubwürdigkeit, Stringenz und einer klaren Ausrichtung an den nationalen Interessen. Die personalisierte, undurchsichtige und korrupte Schattendiplomatie der Regierung Trump leistet nichts davon und schadet den USA.26.05.2026, 05.25 Uhr5 LeseminutenDonald Trump hat zentrale diplomatische Aufgaben seinem Schwiegersohn Jared Kushner und dem Immobilienmagnaten Steve Witkoff übertragen.Jacquelyn Martin / ReutersIn den meisten Demokratien würde ein Staatschef, der die Bearbeitung hochbrisanter diplomatischer Angelegenheiten an Familienmitglieder und Geschäftspartner auslagert, empörte Reaktionen hervorrufen. Der amerikanische Präsident Donald Trump stiess damit jedoch nicht auf nennenswerten Widerstand. Seine Günstlingswirtschaft wird vielerorts als blosse «Heterodoxie» heruntergespielt. Die langfristigen Folgen dürften gravierend sein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Anstatt auf den Aussenminister und das professionelle diplomatische Korps zu setzen, hat Trump die zentralen diplomatischen Aufgaben weitgehend in die Hände seines Schwiegersohns Jared Kushner und seines Geschäftspartners, des Manhattaner Immobilienmagnaten Steve Witkoff, gelegt.Kushner war in Trumps erster Amtszeit als leitender Berater tätig, verantwortlich für die Vermittlung der Abraham-Abkommen zwischen Israel und vier arabischen Staaten. Mittlerweile ist er, genau wie Witkoff, Sonderbeauftragter für den Frieden.Eklatante InteressenkonflikteGemeinsam haben Kushner und Witkoff Verhandlungen über die Ukraine, Gaza und Iran federführend geleitet. Allerdings verfügte keiner der beiden über diplomatische Erfahrung, bevor Trump sie mit der Lösung einiger der heikelsten und folgenreichsten aussenpolitischen Herausforderungen unserer Zeit betraute, und bei beiden bestehen eklatante Interessenkonflikte.Beginnen wir mit Witkoff. Im vergangenen Jahr unterzeichnete Pakistan ein umstrittenes Investitionsabkommen mit World Liberty Financial (WLF), einem Kryptowährungsunternehmen, dessen CEO Witkoffs Sohn Zach ist und an dem die Familien Trump und Witkoff eine beherrschende Beteiligung halten. Im vergangenen Januar schloss eine Tochtergesellschaft von WLF ein weiteres Abkommen mit Pakistan – diesmal zur Einführung der Stablecoin des Unternehmens für grenzüberschreitende Transaktionen.In dem Masse, wie die Empörung nachlässt, schwindet auch die mässigende Kraft politischer Normen.Pakistan war jedoch auch Schauplatz und in gewissem Mass Vermittler der Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Wenn Akteure an ein und demselben Ort über geopolitische Ergebnisse verhandeln und gleichzeitig geschäftliche Möglichkeiten ausloten, beginnt die Diplomatie einem Marktplatz zu ähneln: Zugang, Einfluss und Profit sind eng miteinander verflochten.Kushner seinerseits gründete nach seinem Ausscheiden aus der Regierung mit dem Ende von Trumps erster Amtszeit die Private-Equity-Firma Affinity Partners und nahm von Golfmonarchien Milliarden Dollar entgegen, darunter etwa 2 Milliarden Dollar aus dem saudischen Staatsfonds. Mit anderen Worten: Kushner ist von saudischem Kapital abhängig. Dennoch wird nun von ihm erwartet, mit Iran über einen Abbau der Spannungen zu verhandeln, obwohl der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman gemäss Berichten Trump dazu drängt, den Krieg fortzusetzen.Und es geht nicht nur um Iran. Kushners im vergangenen Januar in Davos vorgestellter Vorschlag für ein «neues Gaza» stiess auf breite Kritik. stiess auf breite Kritik und wurde als «Immobiliendiplomatie» bezeichnet, da er den Wiederaufbau faktisch zu einem Geschäftsvorhaben umdeutet und dabei Fragen der Souveränität und der Rechte ausser acht lässt.Die Interessenkonflikte von Kushner und Witkoff sowie ihre mangelnde aussenpolitische Erfahrung erklären, warum Trump sie nicht in offizielle diplomatische Ämter berufen hat. Sonderbeauftragte müssen sich keiner Anhörung im Senat stellen und unterliegen auch nicht den Offenlegungspflichten, ethischen Regeln und der Aufsicht durch den Kongress, die für professionelle Diplomaten gelten. Kushner und Witkoff können somit hinter verschlossenen Türen Einfluss nehmen und im Namen der USA verhandeln, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen.Freilich sind Kushner und Witkoff bei weitem nicht die Einzigen, die aus ihrer Nähe zu Trump Kapital schlagen. Prominente Mitstreiter und Geldgeber wie Larry Ellison von Oracle haben grosse Gewinne aus ihrer Investition in das mehrheitlich in amerikanischem Besitz befindliche Tiktok-Unternehmen erzielt, zu dessen Gründung Trump die chinesische Muttergesellschaft – angeblich aus Gründen der nationalen Sicherheit – praktisch gezwungen hatte.Zudem haben sich Trumps Söhne Eric und Donald junior kürzlich dem Drohnenunternehmen Powerus angeschlossen und versuchen nun, Drohnenabwehrsysteme an die Golfstaaten zu verkaufen, um iranische Angriffe abzuwehren, mit denen das Land Vergeltung für den Krieg ihres Vaters übt. Foundation Future Industries, ein Robotik-Startup, bei dem Eric als Chefstratege fungiert, erhielt kürzlich einen Auftrag des Pentagons im Wert von 24 Millionen Dollar.Eine Art ResignationNun tauchen auch Berichte über möglichen Insiderhandel im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg auf, wobei kurz vor marktbewegenden öffentlichen Äusserungen Trumps grossangelegte Transaktionen vorgenommen wurden. Doch die amerikanische Öffentlichkeit, sei sie nun gegenüber Trumps Regelverstössen abgestumpft oder einfach nicht in der Lage, mit dem Tempo und dem Ausmass der Verstösse Schritt zu halten, reagiert kaum auf solche Nachrichten. Skandale, die jede frühere amerikanische Regierung zu Fall gebracht – oder zumindest umgehende Ermittlungen ausgelöst – hätten, sind unter Trump zur Routine geworden.Mit einer Republikanischen Partei, die sich jeder Laune Trumps beugt und jedes seiner Vergehen rechtfertigt – während sie beide Kammern des Kongresses kontrolliert –, hat sich eine Art Resignation breitgemacht. Doch in dem Masse, wie die Empörung nachlässt, schwindet auch die mässigende Kraft politischer Normen. So wird missbräuchliches Verhalten immer unverhohlener und ungeheuerlicher an den Tag gelegt, und das Vertrauen bröckelt. Selbst wenn Trumps Günstlinge es schaffen sollten, ein Friedensabkommen zu erzielen, würde dies Misstrauen wecken, da jedes Zugeständnis Fragen danach aufwirft, wer wirklich davon profitiert – und wer benachteiligt wird.Dies untergräbt nicht nur konkrete Vereinbarungen, sondern auch die globale Führungsrolle der USA im weiteren Sinne. Da die amerikanische Aussenpolitik nun von persönlicher Loyalität, informellen Netzwerken und privatem Gewinn geleitet wird, ist jegliche Glaubwürdigkeit der USA als zuverlässiger Partner, redlicher Verhandler und Verfechter der Rechtsstaatlichkeit zerstört. Nichts davon lässt sich leicht wiederherstellen.Pilgerreise nach FloridaUnterdessen gilt es für ausländische Regierungen, wenn sie die amerikanische Politik beeinflussen oder sich die geopolitische Zusammenarbeit mit Amerika sichern wollen, dafür zu sorgen, dass Trump auf seine Kosten kommt. Nirgendwo wird dies deutlicher als in Trumps sogenanntem Friedensrat – einer angeblichen Alternative zu den Vereinten Nationen. In diesem Rat ist ein ständiger Sitz mit Kosten in Höhe von 1 Milliarde Dollar verbunden. Dabei handelt es sich jedoch weniger um eine multilaterale Institution als um ein geopolitisches Franchise nach dem Pay-to-Play-Prinzip, doch einige Länder scheinen bereit zu sein, das Geld lockerzumachen, um sich weiterhin die Gunst des US-Präsidenten zu sichern.Andere, die Einfluss auf die amerikanische Politik nehmen wollen, begeben sich in Trumps Resort Mar-a-Lago in Florida, das er zunehmend für offizielle diplomatische Treffen nutzt. Und natürlich sind da auch diejenigen, die dorthin fahren, um bei den Insidergeschäften mitzumischen und Geschäfte mit Trumps engstem Kreis abzuschliessen. Unterdessen toben die Kriege weiter, mit weitreichenden menschlichen und wirtschaftlichen Folgen.Donald Trumps Verteidiger behaupten, unkonventionelle Akteure könnten dort Durchbrüche erzielen, wo konventionelle Methoden scheitern. Doch in der Diplomatie geht es nicht nur um das Aushandeln von Deals. Sie hängt vielmehr von Glaubwürdigkeit, Beständigkeit und einer klaren Ausrichtung auf nationale Interessen ab. Die personalisierte, undurchsichtige und von Eigeninteressen geprägte Schattendiplomatie, wie sie von Kushner und Witkoff betrieben wird, kann nichts davon leisten. Sehr wohl jedoch kann und wird sie dafür sorgen, dass den USA auf internationaler Ebene weniger Respekt und weniger Vertrauen entgegengebracht wird und dass sie aussenpolitisch an Wirksamkeit verlieren werden.Brahma Chellaney ist Professor emeritus für strategische Studien an dem in Neu-Delhi ansässigen Center for Policy Research und Fellow an der Robert Bosch Academy in Berlin. Von ihm erschienen ist: Water: Asia’s New Battleground. Georgetown University Press, 2019. – Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier. – Copyright Project Syndicate, 2026.Passend zum Artikel
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