Nach der Anklage in den USA: Droht Kubas Ex-Präsident Raúl Castro das gleiche Schicksal wie Nicolás Maduro?Die USA bauen im Karibischen Meer eine militärische Drohkulisse vor Kuba auf. Sie werfen Raúl Castro Beteiligung am Abschuss zweier Kleinflugzeuge vor dreissig Jahren vor. Doch der Ex-Präsident wird gut geschützt, und sein Aufenthaltsort ist unbekannt.25.05.2026, 15.00 Uhr4 LeseminutenDer amerikanische Flugzeugträger USS «Nimitz» liegt am 7. Mai 2026 in der Guanabara-Bucht bei Rio de Janeiro vor Anker. Das Schiff ist derzeit auf dem Weg Richtung Kuba.Pilar Olivares / ReutersSteht eine Militäraktion der USA gegen Kubas Ex-Präsidenten Raúl Castro kurz bevor? Die USA hatten jüngst den Druck auf das kubanische Regime durch eine Anklage gegen Castro erhöht. Dieser war am Mittwoch wegen des Abschusses von zwei aus den USA kommenden Kleinflugzeugen im Jahr 1996 wegen Mordes angeklagt worden. Ebenfalls am Mittwoch hatte die US-Regierung bekanntgegeben, dass der Flugzeugträger USS «Nimitz» mit einem Tross aus Begleitschiffen in Richtung Kuba unterwegs sei.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit scheint sich vor Kuba eine ähnliche amerikanische Drohkulisse aufzubauen wie im Herbst des vergangenen Jahres vor der Küste Venezuelas. Nachdem dessen Präsident Nicolás Maduro in den USA wegen Drogenschmuggels angeklagt worden war, hatte die amerikanische Marine starke Kräfte in der südlichen Karibik zusammengezogen. Am 3. Januar dieses Jahres entführten amerikanische Spezialkräfte Maduro aus Caracas und brachten ihn in die USA, wo ein Prozess auf ihn wartet.Der amerikanische Justizminister Todd Blanche hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass Castro «freiwillig oder auf anderem Wege» in die USA kommen werde. Der Bruder des 2016 verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro war letztmals während der Feierlichkeiten zum 1. Mai in Havanna gesehen worden, umgeben von einem starken Sicherheitsapparat. Trotz seinem hohen Alter schien Castro, der Anfang Juni 95 Jahre alt wird, bei guter Gesundheit zu sein.Über Raúl Castro ist wenig bekanntObwohl Raúl Castro seit dem Sieg der Revolution im Jahr 1959 die wichtigsten Staatsämter innehatte, ist wenig über sein Privatleben bekannt. Bereits in seiner Zeit als Kubas Verteidigungsminister und als Präsident in der Nachfolge seines Bruders Fidel von 2008 bis 2018 gab es nur Gerüchte darüber, wo er lebt und welche Sicherheitsmassnahmen rund um seine Person in Kraft sind. Im Internet verbreitete Informationen sind zudem mit Vorsicht zu geniessen, da sie oft von der exilkubanischen Gemeinde in den USA zu Propagandazwecken verbreitet werden.Raúl Castro soll in einer Finca in der Stadt Playa leben, die westlich an die Hauptstadt Havanna angrenzt. Im schicken Stadtteil Atabey lebten vor der Revolution Kubas Eliten sowie wohlhabende Ausländer. Die Region, vor der Revolution als Biltmore benannt, war ab dem frühen 20. Jahrhundert als Luxusviertel entwickelt worden. Nach dem Sieg der Aufständischen um die Castro-Brüder wurden die Villen von der revolutionären Regierung konfisziert und an die neue Machtelite vergeben.Raúls Finca soll in einem als El Laguito (der kleine See) genannten Gebiet in Atabey liegen. Dort sollen auch andere Mitglieder seiner Familie Häuser haben, genau wie Kubas gegenwärtiger Präsident Miguel Díaz-Canel, Raúls politischer Ziehsohn. Die zu dem mutmasslichen Wohnsitz Castros hinführenden Zufahrtsstrassen sind jedoch weiträumig abgeriegelt und werden von Sicherheitskräften kontrolliert.Dazu gibt es Gerüchte über weitere Luxusvillen auf der Insel. Bereits seinem Bruder Fidel war nachgesagt worden, dass er über Dutzende über die Insel verteilte Luxusimmobilien verfüge. Seine dortigen Aufenthalte wurden stets geheim gehalten und von einem grossen Sicherheitsapparat begleitet. Dies sollte den Revolutionsführer vor den Mordkomplotten des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA schützen, der zahlreiche Attentatsversuche gegen Fidel Castro unternommen haben soll.Angst vor VerratAuch Raúl wird stets von einem extrem dichten Netz aus Personenschützern und Spezialeinheiten des Innenministeriums begleitet. Dieses wird von seinem Enkel Raúl Guillermo Rodríguez Castro geleitet. Das soll das Risiko minimieren, dass aus den Reihen seiner Leibwächter Informationen durchsickern können.Im Fall der Festnahme von Venezuelas Präsidenten Maduro wird immer wieder darüber spekuliert, dass den Amerikanern aus Maduros innerem Zirkel wichtige Informationen zugespielt wurden, die Maduros Festnahme ermöglichten. Raúl versucht dies durch die Besetzung zentraler Stellen des Machtapparats durch Verwandte oder absolute Vertrauenspersonen auszuschliessen. Sein Enkel geniesst so viel Vertrauen, dass er im Auftrag von Raúl in den vergangenen Monaten auch die Gespräche mit der US-Regierung führte.Kubas Militär ist ebenfalls in Raúls Schutz involviert. So patrouillieren Küstenwachtschiffe vor der Insel Cayo Saetía in der östlichen Provinz Holguín, auf der Castro sein privates Luxusresort haben soll. Sobald Castro in dem vierzig Quadratkilometer grossen Naturparadies eintrifft, werden sämtliche Strassen der Umgebung zudem von Polizeikräften kontrolliert.Zwar ist Kubas Militär längst nicht mehr so kampfstark wie zu den Hochzeiten des Kalten Kriegs. Doch der Einsatz von Maduros kubanischen Leibwächtern während der Militäraktion der USA im Januar in Caracas hat Washington vor Augen geführt, dass die Kubaner bereit sind, heftigen Widerstand zu leisten. Bei dem Zugriff waren 32 von Maduros kubanischen Leibwächtern getötet worden. In Havanna empfing man ihre sterblichen Überreste Tage später und feierte die Verstorbenen als Nationalhelden.Passend zum Artikel