Sorge um Kompetenzverlust : Studenten haben gemischte Gefühle für KI25.05.2026, 10:59Lesezeit: 2 Min.Eine deutschlandweite Studie der Frankfurter Goethe-Universität gibt Einblicke in die ambivalenten Erfahrungen von Studenten mit der KI. Forscher geben Tipps zum Umgang.Wie wird KI genutzt? Und welche Folgen hat das? Eine Studie des Schreibzentrums der Goethe-Universität in Frankfurt hat den Umgang von Studenten mit Künstlicher Intelligenz (KI) untersucht. Beteiligt waren bundesweit 4048 Studenten. Die Ergebnisse zeigen: Die Mehrheit setzt KI zwar ein und bewertet sie im Hinblick auf Effizienzsteigerung, Wissenserweiterung und Schreibschwierigkeiten als hilfreich. Gleichzeitig sorgen sich die Studenten um Kompetenzverlust und Abhängigkeit.89 Prozent der Befragten nutzen KI-Tools wie ChatGPT oder DeepL beim wissenschaftlichen Schreiben, etwa beim thematischen Einstieg, der Ideenfindung oder sprachlicher Überarbeitung. Nur rund ein Drittel nutzt KI beim Auswerten von Forschungstexten und inhaltlichem Überarbeiten.„Die Mehrheit der Studierenden versucht, ihre KI-Nutzung auf Tätigkeiten zu begrenzen, bei denen sie den KI-Einsatz für vertretbar hält“, sagt Studienautorin Nora Hoffmann. Denn das Bewusstsein für die Fehleranfälligkeit und die Sorge um Kompetenzverluste seien hoch.„Manchmal muss ich mich zum Selberdenken motivieren“Die Hälfte gab schließlich an, durch KI-Nutzung weniger Eigenleistung erbracht zu haben, knapp die Hälfte befürchtet auch, kritisches Denken zu verlernen. Gleichzeitig fühlen sich 92,2 Prozent weiterhin selbst verantwortlich für ihre Texte, 78 Prozent empfinden das Schreiben auch als sinnvoll bei der Entwicklung von Gedanken und beim Lernen.Zehn Prozent der Studenten lehnen die Nutzung von KI im Alltag grundsätzlich ab. 18 Prozent geben an, KI verantwortungsvoll einzusetzen, etwa als „Partnerin“, zum Austausch mit kritischer Prüfung oder als „Tutorin“ zur methodischen Unterstützung. Die Mehrheit von 72 Prozent nutzt KI allerdings teilweise auch in der „Ghost-Rolle“, bei der diese Teilaufgaben komplett übernimmt. Dabei stellt sich zunehmend die Frage nach der Eigenleistung. Die Gründe für den Einsatz sind laut Befragung vielfältig: Zeit- und Notendruck, Schreib- und Motivationsschwierigkeiten, der Bedarf nach Austausch, Information.Eine Studentin beschreibt ihre Schwierigkeit, auf KI zu verzichten, so: „Manchmal muss ich mich aktiv zum Selberdenken motivieren, statt das an KI abzugeben.“Hoffmann bewertet die Entwicklung als alarmierend. Die Leiterin des Schreibzentrums empfiehlt Hochschulen daher, sich in der jeweiligen Fachkultur stärker mit der Bedeutung von Schreiben, Lesen sowie der Rolle der KI auseinanderzusetzen. Dabei sollten auch erörtert werden, welche eigenen und welche KI-Kompetenzen aufgebaut werden sollen. Fachspezifische Regeln könnten helfen, ebenso wie eine stärkere Förderung der Schreib- und Lesekompetenzen. Auch emotionale Fragen sollten eine Rolle spielen, fordert Hoffmann, bislang liege der Fokus auf technischen Aspekten.