Antonelli behauptet sich im Mercedes-Duell erneut – der junge Italiener gewinnt das vierte Formel-1-Rennen in FolgeKimi Antonelli und George Russell liefern sich im Grand Prix von Kanada einen epischen Kampf. Der Mercedes-Teamchef Toto Wolff will einem Streit der beiden vorbeugen – indem er seine Fahrer mittels Funk zur Räson ruft.Elmar Brümmer, Montreal25.05.2026, 10.00 Uhr4 LeseminutenAktualisiertBleibt auch in Kanada unbezwungen: der Mercedes-Fahrer Kimi Antonelli (oben).Christinne Muschi / APWie geht das? Für grossartige Formel-1-Rennen ist die improvisierte Piste entlang des ehemaligen olympischen Ruderbeckens in Montreal nicht unbedingt bekannt, für Dramatik aber schon. Und spannender hätte der Grand Prix von Kanada an Pfingsten kaum sein können.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit dem italienischen Mercedes-Fahrer Kimi Antonelli gewann zwar zum vierten Mal in Folge der gleiche Rennfahrer, aber das Wochenende auf der Île Notre-Dame war durchweg von spannenden Positionskämpfen geprägt. Was insbesondere für die ersten drei Rennfahrer galt: Antonelli lieferte sich im fünften Saisonrennen einen epischen Kampf mit seinem Silberpfeil-Teamkollegen George Russell. Lewis Hamilton, der als Ferrari-Fahrer fast anderthalb Jahre lang mit sich selbst gerungen hat, schaffte zum ersten Mal einen zweiten Platz, seit er den roten Rennanzug trägt. Und Max Verstappen vom Team Red Bull Racing, der vorzugsweise gegen sein eigenes Auto kämpft, schaffte als Dritter erstmals in dieser Saison einen Podest.Antonelli hat bereits 43 Punkte Vorsprung vor RussellDen erst 19 Jahre alten Antonelli zwischen den zwei erfolgreichsten noch aktiven Formel-1-Rennfahrern zu erleben, scheint fast schon normal zu sein. So gross ist das Talent und so stark der Wille der Mercedes-Entdeckung – der 19-Jährige ist schon jetzt der Aufsteiger dieser Saison.Das Establishment ist jedenfalls gewarnt. Als die beiden Nächstplatzierten bei den Siegerinterviews gefragt werden, welchen Tipp sie aus ihrer reichhaltigen Erfahrung dem Titelaspiranten geben könnten, antwortete Hamilton mit gespielter Empörung: «Kimi ist jetzt unser Gegner. Dem werden wir ganz sicher keine Tipps geben.»Vor den anstehenden Rennen in Europa hat Antonelli bereits 43 Punkte Vorsprung vor seinem Teamkollegen George Russell. Das wirkt deutlich, und es kann auch bereits eine Vorentscheidung im erbitterten Duell innerhalb des deutsch-britischen Werksteams sein.Nach zwei abgebrochenen Versuchen startete das Rennen in Montreal bei kühlen 12 Grad Celsius.Mathieu Belanger / REUTERSAllerdings hätte die Situation ganz anders ausgesehen, wäre an Russells Mercedes nicht nach 30 der 68 Runden urplötzlich der Motor einfach ausgegangen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Brite in Führung, und hätte er diese ins Ziel gebracht, so läge Antonelli nun bloss mit elf Zählen an der Spitze des WM-Klassements.Russell warf vor Wut seinen Nackenschutz auf die Piste, als sein Silberpfeil havarierte. Da war nicht allein Enttäuschung über den technischen Defekt, der Ausfall bedeutet für Russell vor allem einen neuerlichen Rückschlag im Mercedes-Generationenduell mit Antonelli. Ursprünglich war der 28-jährige Russell für die teaminterne Führungsrolle vorgesehen gewesen, dann aber setzte sich der direkte Gegner mit jugendlichem Ungestüm und ebensolchem Charme an die Spitze. Russell wusste, dass er in Montreal, wo er das Rennen im vergangenen Jahr gewonnen hatte, die Wende schaffen musste.Und zunächst lief auch alles nach Plan, mit einem Sieg im Sprintrennen und der Fahrt auf die Pole-Position. Auf der 100-Kilometer-Distanz am Samstag offenbarte sich aber auch die gnadenlose Härte, mit der das Ausnahmetalent Antonelli zu kontern versteht. Zweimal drängten sich die Silberpfeile gegenseitig ab, einmal berührten sie sich sogar.Darob eskalierten die Funksprüche, Antonelli schwärzte seinen Teamkollegen sogar bei der Rennleitung an und deutete später an, dass sich der andere nicht an interne Absprachen halte. Für den Mercedes-Teamchef Toto Wolff ein Déjà-vu, zu Zeiten von Lewis Hamilton und Nico Rosberg hatte er vergleichbare Situationen erlebt. Zwei Fahrer, die sich gegenseitig pushen sind zwar gut für den Punktestand in der Konstrukteurs-WM, aber schlecht für den Team-Frieden.Die beiden Mercedes-Fahrer schenken sich nichtsZu einem Streit seiner Fahrer will es der Österreicher gar nicht erst kommen lassen, er verabscheut Schlagzeilen wie «Krieg der Sterne». Per Funk rief er Antonelli, der sich echauffierte, am Samstag zur Räson: Ein Mercedes-Fahrer diskutiere solche Dinge nicht öffentlich.Das folgende Gespräch hinter verschlossener Tür, so berichteten es beide Kontrahenten, habe Klarheit gebracht. Und dennoch lieferten sich Antonelli und Russell auch im Rennen grossartige Zweikämpfe am oberen Limit. Immer wechselten sie die Positionen, auf Überraschungsangriffe folgten spektakuläre Bremsmanöver. Da schenkten sich zwei, die weiterhin frei fahren dürfen, gar nichts. Nur einmal, nach einem Verbremser, als Antonelli die Position wieder an Russell zurückgeben sollte, kochten die Emotionen per Funksprechverkehr wieder hoch.Diesmal teilten die jeweiligen Renningenieure ihren Schützlingen das Diktat der Teamführung unmissverständlich mit: «Wir wollen, dass ihr sauber gegeneinander fahrt. Sonst müssen wir die freie Fahrt stoppen.» Der bittere Ausfall des zu dieser Zeit führenden George Russell beendete das Duell der beiden Mercedes-Fahrer dann jäh, was insbesondere Antonelli bedauerte. Sie hätten sich gegenseitig ans Limit getrieben, und manchmal auch darüber hinaus, aber zu einer Berührung sei es schliesslich nicht gekommen.Ähnliches liess auch Lewis Hamilton über den für ihn am Ende erfolgreichen Kampf um Platz zwei mit seinem alten Rivalen Max Verstappen verlauten: «Es war phantastisch, sich gegen einen der Grössten zu behaupten.» Der Niederländer erwiderte das Kompliment, sprach von einer coolen Auseinandersetzung und war froh, erstmals wieder vorn mitzufahren. Da, wo die Duelle und der Kampf am härtesten sind.Freut sich mit dem Sieger Kimi Antonelli über seinen ersten Podestplatz als Ferrari-Fahrer: der Brite Lewis Hamilton (links).Graham Hughes / APPassend zum Artikel
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