Dass Wind- und Solaranlagen überproduzieren, gehört zur Transformation. Anstatt zu viele Netze auszubauen, ist die Spitzenkappung ökonomisch sinnvoll.
W as haben Stromnetze mit Autobahnen zu tun? Nicht viel, aber ab und zu herrscht jeweils Stau. Der Unterschied ist: Es mag zwar nervig sein, wenn es zu Beginn der Schulferien regelmäßig Stau auf den Autobahnen gibt. Nur käme kaum jemand auf die Idee, sie so auszubauen, dass es nie Stau gibt – was wäre das für eine gigantische Geldverschwendung! Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) aber nutzt den Stau in den Stromnetzen als das zentrale Argument, um den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv auszubremsen.
Jetzt an Pfingsten wird es vermutlich wieder so weit sein: Viel Sonne, etwas Wind – ein Teil des Stroms aus erneuerbaren Energien kann nicht transportiert werden, die Anlagen werden daher abgeregelt. Reiche wird das als Beleg dafür nehmen, dass die Energiewende angeblich zu schnell geht und man jetzt nur noch in manchen Regionen Wind- und Solaranlagen bauen sollte. Doch das wäre grundfalsch, es würde teurer für alle werden.
Kurz zum Hintergrund: Aktuell liegt von Reiche das sogenannte Netzpaket auf dem Tisch. Darin geht es um eine scheinbar trockene Materie, nämlich die Anschlussbedingungen an das Stromnetz. Tatsächlich aber entscheidet sich hier das Wohl und Wehe der Energiewende. Denn nicht nur Wind- und Solaranlagen, sondern auch Stromspeicher, Industriebetriebe, Großwärmepumpen, Ladestellen für E-Autos und E-Trucks, Rechenzentren und Gaskraftwerke: Sie alle wollen Netzanschlüsse, und zwar schnell.










