Das Schlossufer in Aschaffenburg wird gerade umgestaltet und soll dann Einheimischen wie Besuchern eine besonders schöne Seite der Stadt am Main präsentieren. Jetzt ist die Baustelle allerdings zu einem der ungewöhnlichsten archäologischen Fundorte Bayerns geworden. Beim Bau eines Regenüberlaufbeckens sind in der acht Meter tiefen Baugrube massive Eichenbalken entdeckt worden. Sie lagen dort mehr als 2400 Jahre verborgen.„Diesen Bauwerktyp kennen wir bisher überhaupt nicht“, sagt Stefanie Berg, Leiterin der Abteilung Bodendenkmalpflege am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. „Entweder ist das etwas Einmaliges oder solche Bauwerke blieben sonst nicht erhalten.“Es kann also sein, dass Aschaffenburg schon in der Eisenzeit ein wichtiger Handelsknotenpunkt gewesen ist. Bereits frühere Funde deuteten darauf hin, ein goldener Fingerring etwa oder eine Tierkopffibel. Auf dem Main wurden schon damals in einfachen Booten Waren und Materialien wie Salz oder Metalle transportiert.Die Überreste des nun entdeckten Bauwerks könnten dazu neue Hinweise liefern. Es könnte sich um eine Hafenanlage handeln, an der Boote anlandeten, oder einen Ort zum Verladen von Handelsgütern, sagt Berg. Noch ist aber nichts belegt. „Wir sind mit den Untersuchungen noch ganz am Anfang. Wir tasten uns langsam heran und versuchen das Rätsel zu lösen“, sagt sie.Besonders sei auch die Größe und der stabile Aufbau der Anlage. „Es handelt sich um ein außergewöhnlich massives Bauwerk von mindestens 40 Metern Länge und bis zu sieben Metern Breite“, sagt Berg. Derart alte Funde sind selten, weil gerade entlang der Flüsse, die lange Hauptverkehrsadern waren, die Menschen den Boden immer wieder verändert und umgestaltet hätten.So gut erhaltenes Holz wie in der Aschaffenburger Baugrube sei selten. Mehrere Meter tief unter der Erde, abgeschlossen von Sauerstoff, blieb das Holz in ungewöhnlich gutem Zustand. Experten untersuchten die Jahresringe einzelner Eichenhölzer und konnten so das Alter des Holzes sehr genau bestimmen. Die Bäume wurden demnach zwischen 370 und 352 vor Christus gefällt und verbaut.Neben der Funktion des Bauwerks könnten weitere Untersuchungen Aufschluss über die Holzverarbeitung in der Eisenzeit liefern. Wegen der wenigen erhaltenen Holzüberreste aus dieser Zeit ist das Berg zufolge eine seltene Gelegenheit, das damalige Holzhandwerk besser zu erforschen.Der Fund kommt überraschend. Für den Umbau des Mainufers hatte das Denkmalpflegeamt bereits 2018 ein Gutachten angefertigt. Bis zum Zweiten Weltkrieg befand sich dort ein frühbarocker Garten, später wurde der Platz anderweitig genutzt. „Für unsere Gutachten betrachten wir Bilder aus den Stadtarchiven oder auch Gemälde und schauen, wie hat sich der Ort über die Zeit verändert?“, erklärt Stefanie Berg. „Wegen der mehrfachen Umgestaltung des Ortes waren wir uns recht sicher: Da kann nichts mehr sein.“ Da war nun doch noch was, ein solcher Zufallsfund sei „sehr, sehr selten“. In solchen Fällen müsse das Landesamt für Denkmalpflege die Kosten für die Ausgrabungen tragen.Die Bauarbeiten für das neue Regenüberlaufbecken und die Umgestaltung des Ufers laufen seit März 2020, ein Millionenprojekt. Ein Wassereinbruch hatte 2022 die Arbeiten für drei Jahre zum Erliegen gebracht. Erst im Sommer 2025 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Nun kommt das Projekt erneut zum Erliegen.Wie lange die Ausgrabungen die Baumaßnahmen aufhalten, ist derzeit unklar. Die Pumpstation des Regenüberlaufbeckens wurde bereits für Arbeiten freigegeben. „Wir hoffen, dass es zu so wenig Verzögerung wie möglich kommt“, sagt Berg. „In ein bis zwei Monaten werden wir das genauer wissen.“ Die Fertigstellung des Projekts wurde laut einer Sprecherin der Stadt Aschaffenburg auf 2028 verschoben.