Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Der Berliner Verlag gibt allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.

Am Morgen zischt der Wasserkocher in einer Küche, die allen gehört und niemandem. Eine Etage, fünf Zimmer, sechs Paar Schuhe im Flur. Hinter jeder Tür beginnt ein anderes Leben. Aber kein Zuhause. Wer hier wohnt, besitzt kein Haus. Er besitzt einen Schlüssel.

Das ist Großbritannien. Aber Berlin sollte genau hinschauen. Denn die Wohnungsfrage beginnt früher als die Obdachlosigkeit. Sie beginnt, wenn aus der Wohnung ein Zimmer wird, aus dem Zuhause eine bezahlbare Zwischenlösung.

In Berlin beginnt diese Zukunft leise. Mit einem möblierten Zimmer in Neukölln. Mit einem befristeten Vertrag in Wedding. Mit einer Anzeige, in der zwölf Quadratmeter als gemütlich beschrieben werden. Mit dreißig Menschen im Treppenhaus.

Großbritannien zeigt, wohin eine Gesellschaft gerät, wenn Eigentum zur Religion und Miete zur Disziplin wird. Wenn das Zuhause schrumpft, bis nur noch ein abschließbares Zimmer übrig bleibt.