Die Literaturbranche steht vor einer grundlegenden Frage: Soll KI beim Entstehen von Büchern erlaubt sein – und wenn ja, in welchem Umfang? Während einige Verlage strikt gegen KI-generierte Werke vorgehen, stehen andere der Technologie unter bestimmten Bedingungen offener gegenüber.Anzeige

Ein Verlag zieht Konsequenzen

Der Horrorroman Shy Girl ist im Herbst 2025 in Großbritannien auf den Markt gekommen. Im März 2026 teilte die Hachette Book Group allerdings mit, den Verkauf wieder einzustellen. Auch die für das Frühjahr geplante US-Ausgabe wurde gecancelt. Der Grund: Der Autorin Mia Ballard wurde vorgeworfen, beim Schreiben KI genutzt zu haben. „Hachette setzt sich weiterhin für den Schutz origineller kreativer Ausdrucksformen und des Geschichtenerzählens ein”, erklärte eine Unternehmenssprecherin. Sie betonte, dass der Verlag von allen Autor:innen Originalwerke verlange und der Einsatz von KI im Schreibprozess offengelegt werden müsse.

Eine Analyse der Erkennungssoftware Pangram ergab, dass der KI-Anteil bis zu 78 Prozent betragen könnte. Ballard selbst bestreitet, KI eingesetzt zu haben. Stattdessen hätte ein von ihr beauftragter Lektor das Buch nachträglich mit KI bearbeitet. Shy Girl ist eines der ersten Beispiele dafür, dass ein großer Verlag einen Buchvertrag wegen KI-Nutzung zurückzieht. Allerdings sehen nicht alle den Einsatz von KI in der Literatur so kritisch. James Daunt, der CEO von Barnes & Noble, einer der größten Buchhandelsketten der USA, erklärte in einem NBC-Interview, dass er unter bestimmten Bedingungen kein Problem damit habe, KI-generierte Bücher zu verkaufen.Anzeige