Wolfgang Niedecken, Sänger, Maler, Autor und Gründer der Kölner Band BAP, blickt auf fast fünf Jahrzehnte Musik, Engagement und Haltung zurück. Er erzählt von den rebellischen Anfängen, vom politischen Aufbruch mit Songs wie „Arsch huh, Zäng ussenander“ und von der verweigerten DDR-Tour, die zum Politikum wurde. Mit 75 Jahren steht er noch immer stundenlang auf der Bühne und vergisst dort die Zeit. Ein Gespräch über Musik, die nicht bevormunden will, und darüber, was es heißt, sich treu zu bleiben.

Kölsch spreche ich nicht, deshalb muss ich Ihnen das vorlesen. In Ihrem „Stollwerck-Leed“ aus der Frühzeit von BAP heißt es: „Die wehren sich jetz, die mischen sich en. / Mer weeden immer mieh, Hoffentlich immer mieh, Denn nur su hahle mer se op!“ Sich einmischen, sich wehren – ist das die Haltung, mit der Sie durchs Leben gehen?Das habe ich 1980 geschrieben, ist also lange her. Bei dem Lied ging es um die Besetzung der ehemaligen Stollwerck-Fabrik in Köln am 20. Mai. Der Besetzungszug ging bei uns die Straße runter, und ich saß mit der späteren Mutter meiner Söhne bei unserem ersten Rendezvous am Fenster. Klaus der Geiger hat den Zug angeführt, er sah mich und rief, ich solle mich einreihen.