PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaFC Bayern MünchenArtikeltyp:MeinungNach Hoeneß-KritikEberl hat mehr Vertrauen verdient – und einen neuen VertragStand: 11:49 UhrLesedauer: 4 MinutenTrotz des 3:0-Erfolgs im Finale des DFB-Pokals gegen den VfB Stuttgart kommt erstmal keine Ruhe in die Spekulationen rund um Bayern-Sportvorstand Max Eberl. Der hat nach dem Spiel deutlich auf die Äußerungen von Ehrenpräsident Uli Hoeneß geantwortet.Der FC Bayern gewinnt erstmals seit Jahren das Double. Dennoch ist die Zukunft von Sportvorstand Max Eberl offen. Die Debatte überschattet den Erfolg der Münchner. Der Umgang des Klubs mit der Personalie ist unwürdig. Vor allem ein Faktor spricht für Eberl.Der FC Bayern hat die erfolgreichste Saison seit sechs Jahren abgeschlossen. Sein Triumph im DFB-Pokal am vergangenen Samstagabend bedeutet das erste Double seit Beginn dieses Jahrzehnts. Seit Langem ist es auch an der Titelausbeute gemessen eine mehr als gute Spielzeit, in der Champions League brachte es die Mannschaft bis ins Halbfinale und setzte sich auf dem Weg dorthin unter anderem gegen Real Madrid durch.Architekten des Erfolges sind neben der Mannschaft vor allem zwei: Vincent Kompany und Max Eberl. Der Trainer wird zu Recht sehr gelobt. Die Leistung des Sportvorstandes hingegen geht öffentlich unter. Was auch daran liegt, dass sich die Klubbosse um Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, Präsident Herbert Hainer und Ehrenpräsident Uli Hoeneß seit Langem öffentlich mit Lob sehr zurückhalten. Hoeneß machte am Pokalwochenende in einem „Spiegel“-Interview sogar publik, dass es bezüglich einer Verlängerung von Eberls Vertrag im Klub noch Zweifel gebe. Die Chancen auf eine Vertragsverlängerung in Prozent stünden 60 zu 40, so der 74-Jährige.Wenngleich Hoeneß als „Mr. FC Bayern“ zusteht, sich öffentlich auch kritisch zu äußern, sind der Zeitpunkt und die Botschaft, dass es Zweifel gibt, unwürdig. Eberls Position wird dadurch geschwächt. Ehrenpräsident Hoeneß ist Teil des Aufsichtsrats – und dieses Gremium hat die Pflicht zu kontrollieren und kritisch zu hinterfragen. Doch der richtige Umgang mit der Personalie Eberl gelingt dem Rat nicht.Eberls Vertrag gilt bis zum 30. Juni 2027. Ohne ihn wäre Kompany gar nicht beim FC Bayern. Das betonen die Klubbosse nicht sonderlich. Dabei war es die wichtigste und beste Personalentscheidung im ganzen Klub seit Jahren. Eberls Vorgänger Hasan Salihamidžić hatte mit dem damaligen Klubchef Oliver Kahn in Thomas Tuchel einen Trainer verpflichtet, der in dieser Phase gar nicht zum Klub passte. Die beiden Bosse hinterließen eine schlechte Atmosphäre im Klub – einen Verein mit viel zu vielen Baustellen. Die Mannschaft war titellos und formschwach. Für Eberls Start im Frühjahr 2024 hätte es kaum eine schwierigere Ausgangslage geben können.Unter Eberl hat Kompany die Mannschaft des FC Bayern geeintDass Kompany nicht erste Wahl war – von heute aus gesehen völlig egal. Entscheidend war, dass Eberl sich für ihn entschied. Nicht wann und nach wie vielen Absagen anderer Trainer. Kein Wunder, dass Manchester City Kompany gern als Nachfolger für den scheidenden Pep Guardiola hätte. Kompany hat die Bayern-Mannschaft geeint, der Teamgeist ist so ausgeprägt wie lange nicht. Das wurde auch während und nach dem 3:0 gegen den VfB Stuttgart im Pokalfinale deutlich.Kompany im Vordergrund – und Eberl oft eher im Hintergrund – haben es geschafft, dass sogar vielen Bayern-Kritikern der Klub sympathisch ist. Die sportlichen Statistiken sind beeindruckend: Der FC Bayern dominierte mit attraktivem Offensivfußball die Bundesliga, brach sogar den Torrekord (122 Treffer). Mit Sportchef Christoph Freund hat Eberl in Michael Olise und Luis Diaz Spieler verpflichtet, die das Spiel der Bayern prägen. Olise ist mit Harry Kane (kam 2023) der beste Einkauf aller Bundesligaklubs in den vergangenen Jahren. Auch Jonathan Tah als Innenverteidiger war eine sehr sinnvolle Verpflichtung.Zudem haben es in Eberls Amtszeit wieder mehr Talente aus der Klubjugend zu den Profis geschafft, unter anderem Lennart Karl, der es sogar zum WM-Teilnehmer brachte.Im Klub sind sie mit Eberl dennoch nicht komplett zufrieden, wie die Äußerungen von Hoeneß deutlich zeigen. Ein Kritikpunkt: Eberl gebe sich in Verhandlungen mit Spielerberatern mitunter zu schnell zufrieden, bei Ablösen und Gehältern hätte man härter verhandeln können, heißt es. Zudem ist zu hören, dass man mit der internen Kommunikation und dem Führungsstil nicht immer einverstanden ist.Lesen Sie auchDer Aufsichtsrat hat ihm zeitweise das Sparen als Ziel ausgegeben. Seitdem hat der FC Bayern viel Geld für Spieler ausgegeben, doch auch enorme Erlöse mit Abgängen erzielt. Eberl hat auch Fehler begangen, zum Beispiel beim Umgang mit der Klublegende Thomas Müller vor dessen Abgang. Doch viele Aspekte sprechen für ihn. Er verlängerte mit den wichtigen Spielern Jamal Musiala, Dayot Upamecano, Serge Gnabry und Alphonso Davies. Die Verhandlungen zogen sich – das Ergebnis zählt. Wie souverän Eberl mit den öffentlichen Zweifeln der Klubbosse an ihm inzwischen umgeht, spricht für ihn.Bald wird der Aufsichtsrat tagen und über Eberls Zukunft entscheiden. Sollte der FC Bayern in diesem Sommer nicht mit Eberl verlängern, droht der 52-Jährige zu einer „lame duck“ zu werden. Es wäre sehr schwierig, Spieler mit langfristigen Verträgen auszustatten und den Kader zu planen, wenn er selbst nur noch recht kurzfristig an den Klub gebunden ist.Eberl hätte einen neuen Vertrag verdient. Vor allem aber mehr Respekt und Wertschätzung von seinem Verein. Und Vertrauen.Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Er war Samstagabend beim Pokalfinale im Olympiastadion.