Zutreffender und pointierter als Moritz Seider hätte man es nicht formulieren können: „Alles andere als drei Punkte ist keine Option“, hatte der Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft vor dem Spiel am Samstag gegen Österreich festgestellt. Nachdem das Team von Bundestrainer Harold Kreis am Freitag gegen Ungarn (6:2) endlich den ersten Turniersieg bewerkstelligt hatte, würde im sechsten Gruppenspiel dieser Weltmeisterschaft in der Schweiz nur ein Sieg in der regulären Spielzeit die dünne Chance aufs Viertelfinale erhalten. Anders war ein Scheitern in der Vorrunde, wie 2025, nicht abzuwenden.Die Ausgangslage für die deutsche Mannschaft hatte sich durch den 4:2-Sieg der Letten am Nachmittag gegen Titelverteidiger USA dramatisch verschlechtert. Weniger als zweimal drei Punkte gegen Österreich und am Montag gegen Aufsteiger Großbritannien, und die Deutschen könnten sich jede Rechnerei sparen. Und selbst so sind sie von den Ergebnissen der Konkurrenten USA, Österreich und Lettland abhängig. Also taten sie, was in ihrer Macht stand, gewannen in Zürich gegen die Männer in Rot-Weiß-Rot 6:2 (0:0, 2:1, 4:1) und schoben sich, auch dank eines Hattricks von Stürmer Lukas Reichel, zumindest über Nacht auf den vierten Platz der Gruppe A. Aber die Feierlaune war getrübt. „Man muss das auch mal ehrlich in Relation sehen“, sagte Kapitän Seider. „Wir kommen immer besser in Fahrt, weil wir gegen den Gruppen-Vorletzten und gegen Österreich gespielt haben. Das kann nicht der Maßstab sein. Wir haben das Turnier vorher verloren. Jetzt brauchen wir viel Schützenhilfe. Ärgerlich.“Weltmeisterschaft in der Schweiz:Spielplan der Eishockey-WM 2026: Alle Spiele und ErgebnisseNach Olympia ist vor der WM: Am 15. Mai startet die Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Der Spielplan mit den deutschen Spielen und allen Ergebnissen.Schon einmal haben die Österreicher den Deutschen in einem solchen Must-win-Spiel ein Bein gestellt. Auch 2013 benötigte das DEB-Team einen Sieg in regulärer Spielzeit, um sich für die Olympischen Spiele in Sotschi zu qualifizieren. Deutschland gewann 3:2 – aber erst nach Verlängerung. Siegtorschütze Patrick Reimer ärgerte sich hinterher über eines der verzichtbarsten Tore seiner Karriere, österreichische Medien feixten über das „Córdoba auf Eis“, in maliziöser Anspielung auf das deutsche Debakel bei der Fußball-WM 1978. Der noch junge Bundestrainer Pat Cortina sollte sich von dieser Hypothek bis zum Ende seiner Amtszeit 2015 nicht mehr befreien können.Die Österreicher, die mit drei Punkten ins Viertelfinale einziehen konnten, gingen als Favoriten in diese Partie, beim Publikum jedenfalls in der ausverkauften Swiss Life Arena. Das erste Drittel war ausgeglichen, mit mehr Schüssen für die Deutschen, den besseren Chancen aber für die Österreicher. Die gingen in Führung durch Leon Wallner (23.), der eine deutsche Fehlerkette final bestrafte.Im zweiten Drittel dreht Deutschland das SpielKreis hatte gewarnt: Österreich sei „ein ganz anderes Kaliber“ als die Ungarn. Vor zwei Jahren hatte das Team in einem famosen Schlussdrittel einen 1:6-Rückstand gegen Kanada aufgeholt und noch einen Punkt ergattert. Im vergangenen Jahr qualifizierte sich die Mannschaft von Roger Bader für das WM-Viertelfinale. Und auch wenn in diesem Jahr kein NHL-Profi im Kader steht und die großen Alten wie die Raffl-Brüder mittlerweile fehlen, hatte Baders Team sich mit drei Siegen in den ersten drei Spielen eine mehr als solide Basis erarbeitet. Anders als die Deutschen.Aber deren Antwort kam schnell: langer Pass aus der eigenen Zone von Frederik Tiffels auf Joshua Samanski, Rückhandpass auf Lukas Reichel, Direktschuss, 1:1 (24.).Torgefährliches Trio: Joshua Samanski und Frederik Tiffels gratulieren Lukas Reichel zum zwischenzeitlichen 1:1. Claudio Thoma/Keystone/dpaBeiden Mannschaften war die Bedeutung dieser Partie anzumerken, keine wollte sich eine Blöße geben, schon gar nicht durch Strafzeiten. Man musste schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass sich das DEB-Team allmählich ein Übergewicht erspielte. Bis es auf der Anzeigetafel abzulesen war: 2:1 für Deutschland, wieder traf die erste Reihe, diesmal durch Samanski (34.), Spiel gedreht. Dennoch war Tiffels nach vierzig Minuten nur „so medium“ zufrieden: „Wir haben schwach angefangen“, sagte der Berliner bei Magentasport. Er meinte das Drittel, aber es hätte auch das Turnier meinen können. Es blieben weitere zwanzig Minuten, um diesen Eindruck zu korrigieren.Wieder war es Reichel, der diesmal ein Überzahlspiel trocken zum 3:1 (46.) abschloss. Für den NHL-Stürmer der Boston Bruins war es in seinem 27. WM-Spiel der 28. Scorerpunkt. Für Manuel Wiederer dagegen war es der erste Treffer im 30. Länderspiel, als der Österreicher David Maier seinen Pass zum 4:1 (49.) ins eigene Tor abfälschte. Die Entscheidung? Noch nicht, denn Vinzenz Rohrer verkürzte 34 Sekunden später auf 2:4. Aber die Österreicher dezimierten sich selbst. Kapitän Peter Schneider musste nach einem Foul an Eric Mik für vier Minuten auf die Strafbank, Thimo Nickl folgte ihm wegen Spielverzögerung. Zwei Minuten also mit zwei Mann mehr auf dem Eis, das reichte Reichel zu seinem dritten Treffer (52.). Alex Ehl legte zum Endstand nach (55.), das Tor der Österreicher war leer.Am Montag tritt das DEB-Team zu seinem letzten Gruppenspiel gegen Großbritannien an. Bis dahin heißt es warten. Und rechnen.
Eishockey-WM 2026: Deutschland schlägt Österreich 6:2
Die deutsche Mannschaft feiert im sechsten Spiel den zweiten Sieg bei der Eishockey-WM, hat aber nur noch geringe Chancen auf das Viertelfinale.












