Seit 38 Jahren ist unsere Autorin in einer Beziehung, obwohl Monogamie ihr nicht entspricht. Mit Mitte 60 stellt sie ihrem Mann ein letztes Mal diese eine große Frage.
E s ist Sommer, A. und ich sind im Urlaub. Drei Wochen zu zweit. Das gönnen wir uns jedes Jahr. Wir sind seit 38 Jahren zusammen, in ein paar Tagen ist unser 29. Hochzeitstag. Wir machen einen Spaziergang am Strand. Ich finde, es ist die Zeit für eine Frage, die mich beschäftigt, also frage ich: „Was hältst du davon, wenn wir es mal wieder mit einer offenen Beziehung versuchen würden?“ A. schweigt. „Darüber muss ich nachdenken“, sagt er dann.
Als unser Sohn vier Jahre alt war, haben wir es schon einmal probiert. Es war ein Desaster: schlechte Kommunikation, widerstreitende Gefühle, Ratlosigkeit und Verzweiflung. Hätten wir das Experiment nicht abgebrochen, wäre unsere Beziehung vermutlich gescheitert. Seither sind 32 Jahre vergangen. Ich bin neugierig darauf, wie es heute wäre, mit dem Wissen und den Erfahrungen, die wir jetzt haben. Dabei ist es nicht so, dass A. mir nicht mehr gefällt, oder ich etwas in unserer Beziehung vermisse.
Wäre er ein Fremder für mich, fühlte ich mich von ihm angezogen. Ich würde ihn unbedingt kennenlernen wollen. Doch ich habe mich nie als monogamen Typ gesehen und hatte oft Sehnsucht nach einer offenen Beziehung. Trotzdem habe ich mit A. fast ausschließlich die Monogamie gelebt. Auch in schwierigen Zeiten habe ich nie an Trennung gedacht. Heute, mit 66 Jahren, frage ich mich, was uns über die vielen Jahre zusammengehalten hat und noch zusammenhält.










