Stolpersteine nach der Verlegung vor dem einstigen Dienstsitz des Auswärtigen Amts: »Erinnern ist etwas, was wir nie zu viel tun können.«

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Vor dem ehemaligen Sitz des Auswärtigen Amtes in der Berliner Wilhelmstraße erinnern 56 Stolpersteine an Diplomaten, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Doch einer von ihnen, Alfred Lütgens, ist der Gedenktafel nicht würdig. Das zumindest schlussfolgert die Historikerin und Antisemitismusforscherin Juliane Wetzel in einem bislang unveröffentlichten Gutachten vom August 2023, das dem SPIEGEL vorliegt. Darin fordert Wetzel, den Stein zu entfernen. Doch seit knapp drei Jahren tut sich nichts.

Lütgens gehört zu jenen Diplomaten, deren Nazinähe der SPIEGEL im Juli 2022 aufgedeckt hatte. Er wurde 1935 in den Zwangsruhestand versetzt, weil manche seiner Vorfahren jüdisch waren. Vor seiner Entlassung hatte er sich als Generalkonsul im polnischen Posen als Sympathisant des Nationalsozialismus (NS) hervorgetan.Ein Vertrauensmann aus der Nazipartei NSDAP schrieb, man hätte »im wahrsten Sinne des Wortes keinen besseren Nationalsozialisten auf diesem Posten haben« können. Lütgens habe »in allen seinen Handlungen immer das große Ganze, das Vaterland und seinen Führer Adolf Hitler gesehen«.