Altern bedeutet nicht zwangsläufig Abbau – manches kann in Kopf und Beinen auch besser werdenImmer mehr Kerzen auf der Torte, aber stetig weniger leistungsfähig – das stimmt so nicht. Dies zeigen langjährige Beobachtungen an über 60-Jährigen. Wichtig ist die innere Einstellung zum Alter. Die Kolumne «Hauptsache, gesund».23.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBewegung unter Kumpels ist Anti-Aging: Der Fussballverein Zug 94 hat eine Seniorentruppe, die einmal wöchentlich zusammen trainiert. Aufnahme von 2018.Maria Schmid / CH MediaIch finde es wirklich schade: Viele Menschen setzen Altern mit abnehmenden oder nachlassenden Fähigkeiten gleich. Das verrät auch unsere Sprache. Senioren sagen oftmals: «Ich kann noch eine Stunde spazieren gehen.» «Ich fahre noch Ski.» Im «noch» schwingt immer mit: Derzeit geht das, aber ich erwarte, dass es weniger wird.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Hauptsache, gesund»In dieser Kolumne werfen Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin und Gesundheit. Klar, auch ich habe in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis – und ehrlich gesagt auch an mir selber – festgestellt: Einiges geht mit Ende 50 weniger gut als mit Ende 40, mit 75 klappt manches gar nicht mehr.Doch es ist kein Naturgesetz, dass alle Fähigkeiten im Alter abnehmen. Und das ist jetzt kein Kalender-Mutmach-Spruch. Es ist meine Erfahrung. Und eine neue Studie bestätigt mich.Jede Dritte denkt besser, jeder Vierte läuft schnellerBecca Levy und Martin Slade von der Yale University ist die negative Sicht auf das Altern offenbar auch auf die Nerven gegangen. Um sie zu widerlegen, haben sie mehr als 11 000 ältere Teilnehmer – Durchschnittsalter 68 – in einer Gesundheitsstudie über maximal zwölf Jahre hinweg beobachtet. Und siehe da: Bei einem Drittel steigerte sich die Denkleistung. Das wurde mithilfe eines am Telefon durchgeführten kognitiven Tests erfasst.Doch nicht nur der Kopf kann im Alter besser werden. Bei einer Untergruppe von mehr als 4000 Senioren wurde im Laufe der Jahre mehrfach die Gehgeschwindigkeit gemessen. Diese gilt in der Altersforschung als Mass für Fitness, aber auch körperliche Probleme. Erneut konnten Levy und Slade eine positive Nachricht verkünden: Jeder Vierte wurde schneller.Natürlich können Skeptiker (und Griesgrame) jetzt einwenden, dass eben nur ein Teil der Senioren sich verbessert hat. Das stimmt zwar. Aber die Anzahl derjenigen ist so gross, dass es nicht nur die sprichwörtlichen Ausnahmefälle sind, von denen jede und jeder schon einmal gehört und gelesen hat. Verbesserungen bei einem Viertel oder sogar einem Drittel der Studienteilnehmer, und das im Alltag, sind bemerkenswert. Umgerechnet auf die Bevölkerung sind das Millionen Menschen.Was genau die fitter gewordenen Senioren jeweils gemacht haben, um sich zu verbessern, wurde nicht erfasst. Andere Studien listen eine ganze Reihe von Massnahmen auf, um länger gesund und fit zu sein: regelmässige Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte, geistige Betätigung, keine Zigaretten und kein Alkohol.Levy und Slade fügen nun noch einen weiteren Einflussfaktor hinzu. Den zu beachten, verlangt zwar weder Schweiss noch Verzicht. Aber er ist trotzdem gar nicht leicht umzusetzen: eine positive Einstellung. Studienteilnehmer, die das Alter nicht als Abwärtsspirale, sondern als angenehm und nicht belastend empfanden, verbesserten sowohl ihre Denkleistung als auch ihre Gehgeschwindigkeit häufiger.Die Wortwahl kann etwas ändernIch nehme mir vor, ein anderes Vokabular zu verwenden und seltener «noch» zu sagen, wenn es um Fähigkeiten im Alter geht.Und ich will versuchen, mich beim Sport ein wenig zu verbessern, ein kleines bisschen ist auch toll! Wenn das beim Schwimmen irgendwann nicht mehr klappt, dann werde ich die Bewegungsart wechseln, statt mich zu ärgern. Eine neue Herausforderung tut immer gut. Auch dem Kopf.Bereits erschienene Texte unserer Kolumne «Hauptsache, gesund» finden Sie hier.Passend zum Artikel