Der Schweizer Generikahersteller sieht die Produktion überlebenswichtiger Medikamente in Europa in Gefahr. Tiefe Preise chinesischer Ware machen die Herstellung in der EU unrentabel.23.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenChina hat die Produktion von Antibiotika in den vergangenen Jahren erhöht.VCG / GettyWenn es um die Entwicklung neuer innovativer Medikamente geht, haben chinesische Hersteller den Rückstand auf ihre westlichen Konkurrenten in den vergangenen Jahren verringert. Schon längst eine dominante Rolle aufgebaut haben sich die Chinesen am anderen Ende der Wertschöpfungskette – in der Produktion von Wirkstoffen und deren Bestandteilen, gerade auch bei Medikamenten in der Grundversorgung wie Antibiotika oder Schmerzmitteln.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Plötzlich wird Abhängigkeit deutlichGegen diese Vormachtstellung regt sich nun im Westen vermehrt Widerstand. Ein Schlüsselmoment war die Covid-Pandemie mit den weltweit gestörten Lieferketten. Damals haben viele Staaten auf zu schmerzliche Weise erfahren, was das Fehlen einer eigenen Pharmaproduktion bedeuten kann.Die Bemühungen hin zu einer besseren Medikamentenversorgung in der EU haben erst kürzlich eine weitere Hürde genommen, als Mitte Mai eine politische Einigung zum Gesetz über kritische Arzneimittel (Critical Medicines Act, CMA) erzielt werden konnte.Dieses sieht vor, dass öffentliche Auftraggeber einen Anbieter mit Herstellung in der EU bevorzugen müssen, falls einmal eine zu grosse Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller oder Land besteht. Mit Letzterem ist nicht zuletzt China gemeint. Weiter ist die Rede von Unterstützung für Firmen, die ihre Produktionskapazitäten steigern oder modernisieren.Vorwurf massiver SubventionenDass es bei der Versorgungsthematik nicht nur um potenzielle Engpässe in Krisenzeiten, sondern auch um wirtschaftliche Konkurrenz geht, zeigt das Beispiel von Sandoz. Wie die «Financial Times» schreibt, hat der Schweizer Generikahersteller die EU-Kommission aufgefordert, gegen die Preispolitik chinesischer Firmen bei dem am häufigsten eingesetzten Antibiotikum Amoxicillin vorzugehen.Sandoz wirft China vor, die Herstellung des Medikaments massiv staatlich zu subventionieren. Preise für chinesische Importe lägen etwa 47 Prozent unter dem Niveau jener in der EU. Das mache es unmöglich, diesen Wirkstoff in Europa weiterhin konkurrenzfähig zu produzieren.In den vergangenen Jahren sind denn auch die importierten Mengen aus China deutlich gestiegen, dies zulasten von europäischen Produzenten wie Sandoz. Der Konzern betreibt in Österreich ein grosses Werk für die Antibiotikaherstellung.Bis jetzt hat das Unternehmen noch keine Rückmeldung seitens der EU-Kommission erhalten, wie es auf Anfrage bestätigt. Ob es tatsächlich zu einer Anti-Dumping-Untersuchung der Preispolitik der chinesischen Hersteller kommt, ist offen. Vom Start eines solchen Verfahrens bis zu dem Zeitpunkt, in dem die EU dann allfällige Massnahmen einleiten würde, könnte es rund ein Jahr dauern.Bürokratische Hürden in der EUFreilich sind aber die Chinesen nicht an allem schuld. Ein Teil der höheren Kosten bei den Antibiotika ist auch hausgemacht von den EU-Mitgliedern. So wird gerade etwa Amoxicillin von Sandoz in verschiedenen Mitgliedstaaten in Packungsgrössen von 2, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 20, 24, 30, 100 und 1000 Tabletten vertrieben. Dies steht in einem Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofes zum Arzneimittelengpass vom September 2025.Laut dem Papier fragte Sandoz bei den Zulassungsbehörden an, ob das Unternehmen die Packungen und die Aufmachung vereinfachen könne – und ob die Behörden Mehrländerpackungen zulassen würden. Allerdings erweisen sich solche Vereinheitlichungsversuche in der Realität als nicht so einfach. Der Grund ist, dass die einzelnen EU-Staaten Unterschiede bei den Kostenrückerstattungssystemen oder der Behandlungsdauer kennen. All dies wirkt sich auch auf die Verpackungsanforderungen aus. Und damit auf den Preis.Passend zum Artikel
Sandoz fordert EU zum Handeln gegen Chinas Dumping bei Antibiotika auf
Der Schweizer Generikahersteller sieht die Produktion überlebenswichtiger Medikamente in Europa in Gefahr. Tiefe Preise chinesischer Ware machen die Herstellung in der EU unrentabel.









