Es kommt nicht oft vor, dass Alpha und Omega einer Saison einander gleichen; der Anfang und das Ende einer Spielzeit gleichsam kongruent sind. Diesmal aber ist es so, da gleicht das Ende der Saison ihrem Beginn wie ein Ei dem anderen.Der Supercup, laut der DFL offizieller Auftakt zur neuen Saison (obschon die Mannschaften sich über Titel aus der Vorsaison qualifizieren müssen), führte im August den frisch gekürten DFB-Pokalsieger VfB Stuttgart und den ewigen Meister FC Bayern zusammen; der FC Bayern siegte mit 2:1. Am Samstag nun steht im Berliner Olympiastadion das DFB-Pokalfinale 2026 an (20.00 Uhr/ARD und Sky), und wieder messen sich Stuttgart und Bayern. Der Pokalverteidiger und der Rekordsieger, beide sind im Stadium des Hungers nach Berlin gereist. „Die ganze Mannschaft spricht gefühlt seit dem ersten Trainingstag von diesem Pokal“, berichtete Bayern-Coach Vincent Kompany. „Wir haben Blut geleckt“, sagte VfB-Coach Sebastian Hoeneß – und zitierte damit einen Satz, den sein Kapitän Atakan Karazor im Vorjahr geäußert hatte.Hoeneß, 44, pflichtete am Freitag einem Journalisten bei, ob die Stuttgarter sich als selbstbewusster Außenseiter sähen: „Das ist schon eine Beschreibung, die ich unterschreiben würde“, sagte er. Was auch nachvollziehbar ist: Nicht nur das Supercupfinale 2025 ging verloren, auch die beiden Ligaspiele entschied der FC Bayern für sich, die Summe der Tore aus den drei Partien ergab ein sehr deutliches 11:3 zugunsten des Rekordmeisters. Nur gibt es halt auch ein ganz gewaltiges andererseits.Denn: Hoeneß erinnerte daran, dass seine Mannschaft in den vergangenen Wochen einige Drucksituationen gut gemeistert habe – im Pokal und im letztlich erfolgreichen Kampf um die Qualifikation für die kommende Ausgabe Champions League. Selbstbewusst ins Finale gehe man aber auch deshalb, „weil wir diese Spiele mögen“. Und offenkundig auch, weil die Stuttgarter personell aus dem Vollen schöpfen können – im Gegensatz zum FC Bayern, der auf DFB-Torwart Manuel Neuer verzichten muss.Neuers Absenz gehört aber nur sehr randständig zu den Faktoren, die den Samstag für die Münchner zu einem besonderen Datum machen. Viel tiefer wirkt, dass sie seit dem Sieg aus dem Jahr 2020 nie mehr den DFB-Pokal berühren durften. Seinerzeit war es wegen der Covid-Pandemie auch noch unmöglich, in Gesellschaft zu siegen, das morgen ausverkaufte Olympiastadion war damals leer. „Es ist etwas Besonderes, hierherzukommen“, betonte Bayern-Kapitän Joshua Kimmich.Kompany stand als Coach bisher erst einmal in einem Pokalfinale – und das hat er verlorenEr gab sich wohl bewusst, dass „von außen betrachtet nur die Titel zählen“; doch als gelte es, Druck aus dem Kessel zu nehmen, betonte er gleich zweimal, dass er die Saison „trotzdem nicht an einem Spiel festmache“. Trainer Kompany wiederum reagierte fast schon garstig auf die Frage, was der Pokalsieg für die Gesamtschau auf die Saison bedeuten würde. Eine Antwort darauf würde sich am Rande der Respektlosigkeit gegenüber dem Gegner bewegen, sagte er. Daher: back to the boots: „Jetzt müssen wir (am Samstag) noch einmal die Fußballschuhe anziehen. Das ist für mich das Einzige, was zählt“, sagte Bayerns belgischer Coach. Und ach ja, auch dies sagte er, für alle Fälle: „Ich habe wirklich Bock auf einen Sieg morgen.“Das liegt unter anderem daran, dass er noch niemals im deutschen Wembley einen DFB-Pokal gewonnen hat. Dafür holte er aber als Spieler den FA-Cup im „echten“ Wembley – zweimal, jeweils mit Manchester City, erstmals im Jahr 2011. Auch Kompany schien, ähnlich wie Kimmich, darum bemüht, eine Grundlockerheit zu zeigen. Zumindest zeigte sich Kompany fast schon belustigt darüber, dass beim FC Bayern eine sechsjährige Pokal-Durststrecke als lang empfunden werde. Manchester City habe 2011 vier Jahrzehnte auf einen FA Cup gewartet.So oder so: Es glaube, es werde „ein historischer Moment, wenn man diesen Pokal in die Luft stemmen kann“, erklärte Kompany, der bislang als Coach nur einmal in einem Pokalfinale stand: Zu seiner Zeit als Cheftrainer bei RSC Anderlecht unterlag seine Mannschaft 2022 KAA Gent im Elfmeterschießen. Doch als Menetekel muss das wohl eher nicht herhalten.
DFB-Pokalfinale: Im Zustand des Hungers
Das Endspiel ist für beide Teams etwas Besonderes, doch klarer Favorit sind die Bayern, auch wegen dreier Siege gegen den VfB in dieser Saison. Doch die Stuttgarter sehen sich als „selbstbewusste Außenseiter“.









